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Lesben in Hollywood - verzweifelt gesucht

Hollywood verharrt hartnäckig im vorigen Jahrhundert: 2015 waren in 8 von 10 Fiilmen alle Charaktere hetero. Die wenigen Schwule sind häufig Witzfiguren, Lesben vor allem eines: unsichtbar. Wir stellen die magere lesbische Ausbeute des Jahrgangs vor.

Der lesbische Comedy-Star Kate McKinnon (l.) und Colleen Werthmann als Ehepaar in "Sisters" - Foto. Screenshot

Von Karin Schupp

l-mag.de, 8.5.16 - Es sieht nicht nicht gut aus für Lesben im Hollywood-Kino – und für Schwule, Bisexuelle und Trans* auch nicht: Nur in 22 der 126 Premieren der großen US-Mainstream-Studios tauchten im letzten Jahr LGBT-Charaktere auf (= 17,5 %). Von den sieben Big Players enttäuschten besonders Paramount und Disney, deren Produktionen 2015 durchweg hetero waren. Das erhob der LGBT-Medienverband GLAAD in seinem jährlichen Studio Responsibility Index und spricht dabei von einem "historischen Tiefstand".

Die meisten nicht-heterosexuellen Rollen sind zudem nur klein oder winzig: Nur sechs Filme zeigen sie mehr als zehn Minuten auf der Leinwand, in 12 Filmen sind sie sogar nur unter fünf Minuten zu sehen.

Abgesehen von diesen kümmerlichen Zahlen ernüchtert auch die inhaltliche Darstellung von LGBT: Viele sind schlichtweg Klischees auf zwei Beinen.

Nicht gewertet wurden Fake-Küsse wie hier zwischen Sofia Vergara und Reese Witherspoon in "Miss Bodyguard" - Foto: Screenshot

"Hollywood hängt hinter allen anderen Medien zurück"

Das beweist auch der so genannte „Vito Russo Test“: Um ihn zu bestehen, muss ein Film drei Fragen bejahen: a) Kommt mindestens eine LGBT-Person vor? b) Wird diese Person nicht (nur) durch ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität definiert? c) Spielt die Person eine Rolle für den Fortlauf der Handlung, ist also nicht nur ein Farbtupfer oder Pointe?

Diesen Test bestanden 2015 nur acht der 22 Filme – ein klarer Rückgang gegenüber den Vorjahren. Und kein Garant für eine nicht-diskriminierende Darstellung: „Viel zu oft sind sie das Ziel einer Pointe oder Stereotypen“, sagte die GLAAD-Vorsitzende Sarah Kate Ellis bei der Vorstellung der Studie. „Hier hängen Hollywood-Filme weit hinter allen anderen Medien zurück."

Lesbische und bisexuelle Frauen sind unsichtbar

Während homophobe Witze überwiegend auf Schwule abzielen (z.B. Die Trauzeugen AG oder Hot Tub Time Machine 2), sind lesbische und bisexuelle Frauen vor allem eines: unsichtbar. Sie tauchen nur in fünf der großen Mainstream-Filme auf. Die meisten der insgesamt 11 Charaktere sind dabei Sisters zu verdanken, wo ein ganzes Softball-Team aufläuft.

Die kleinen Tochterfirmen verbessern die Bilanz

Vier Hollywood-Studios verbesserten ihren LGBT-Output dank ihrer Tochterfirmen, die für die kleineren „Arthouse“-Filme zuständig sind (die weniger promotet werden und in weit weniger Kinos laufen). In diesen 46 Filmen lag der Anteil an LGBT-Inhalten bei 22 % (2014: 10,6 %), und immerhin fünf dieser zehn Filme boten (auch) lesbische Rollen.

Insgesamt kamen also aus Hollywood 2015 nur zehn Filme mit lesbischen oder bisexuellen Frauenrollen - magere 6 %.

Die bisexuelle Schauspielerin Amber Heard in "Magic Mike XXL" (l.), Julianne Moore und Ellen Page in "Freeheld" - Fotos: Warner Bros. Entertainment/ Universal Film

Den Vito Russo-Test bestehen nur "Freeheld" und "Grandma"

Der einzige echte Lesbenfilm im Portfolio der großen US-Studios war 2015 Freeheld mit zwei lesbischen Hauptfiguren (unsere Kritik), der aber leider kein finanzieller Erfolg war und daher wohl keinen neuen Trend ausrief. Eine besondere Enttäuschung war Sisters: Obwohl die lesbische Drehbuchautorin Paula Pell die Story auf ihrer eigenen Schwesternbeziehung basierte, machte sie beide Hauptfiguren zu Heteras und begnügte sich mit einer lesbischen Highschool-Freundin mit Ehefrau und dem erwähnten Softball-Team, die GLAAD als Zielscheibe „flacher, stereotyper Witze“ beschreibt. In der Dokumentation Batkid Begins (noch ohne Kinostart in Deutschland) taucht kurz ein Lesbenpaar mit Kindern auf. Magic Mike XXL etablierte die Nebenfigur Zoe als bi ("Ich habe gerade keine Kerle-Phase") und beließ es zum Beweis bei einer platonischen Freundschaft mit Mike. In Pitch Perfect 2 war die lesbische Butch Cynthia Rose wieder dabei (s. GIF), ihre Rolle war aber genauso klein wie in Teil 1. 

 

Aus den fünf Arthouse-Produktionen sticht Grandma mit der lesbischen Schauspielerin Lily Tomlin in der lesbischen Hauptrolle hervor (unsere Kritik). In The Diary of a Teenage Girl hat die 15-jährige Minnie viel Hetero-Sex, aber auch eine kurze Affäre mit einer Frau. In Ruth & Alex - Verliebt in New York taucht kurz ein älteres Frauenpaar auf.

In Spike Lees neuem Film Chi-Raq (noch ohne Kinostart in Deutschland) hat die lesbische Figur genau einen Satz, ebenso wie die einzige (!) Lesbe in Stonewall, Roland Emmerichs Verfilmung der legendären LGBT-Krawalle in New York (unsere Kritik) – da ist es auch kein Trost, dass jeweils lesbische Schauspielerinnen dafür gecastet wurden.

Und wer Carol in dieser Liste vermisst: Der Lesbenfilm des Jahres 2015 wurde vom Independent-Studio The Weinstein Company veröffentlicht, also nicht mit Hollywood-Geld finanziert.

GLAAD (Gay & Lesbian Alliance Against Defamation) ist ein Lobby-Verband, der sich seit 1992 in den USA gegen Homophobie und für eine "faire und inklusive Darstellung" von LGBT in den Medien einsetzt. Die gesamte Studie gibt's hier als Online-Broschüre.

 

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