L-MAG Porträt
Die neuen kanadischen Shooting-Stars: Dance yourself to death
Sie sind die Newcomer unter den vielen kanadischen queer Bands, die derzeit einen völlig neuen Musik- und Lebensstil definieren. Kurz vor dem Start ihrer ersten Deutschland-Tour sprach L-MAG mit der Sängerin Jen Markowitz von der kanadischen Band Dance Yourself To Death (DYTD). Die Bandgeschichte ist eine dieser wunderbaren Geschichten über funktionierende Netzwerke der queer Community und natürlich über kanadische Klüngelwirtschaft. Begonnen hat alles 2005, als die Schlagzeugerin Susan Gale, Sängerin Jen Markowitz und die Gitarristin Nina Martinez DYTD als reine Lesbenband gründeten. Vor zwei Jahren verließ Nina Martinez die Band, um bei The Cliks zu spielen. Ersetzt wurde sie durch Carmen Elle, und mit Johnny Ryan holte man sich noch einen schwulen Keyboarder als musikalische Verstärkung.
„Unseren ersten großen Schub verschaffte uns Elton John, der uns für den Film „It’s a Boy Girl Thing“, den er gerade produzierte, als Band castete, die auf dem Abschlussball auftrat. Auf dem Soundtrack waren wir auch dabei. Dadurch konnten wir einige unserer Songs noch in anderen Filmen plazieren. Das hat uns die Aufnahme unseres ersten Albums finanziert“, erzählt Jen Markowitz L-MAG. Und der Sound der Kandierinnen irgendwo zwischen The Organ und Gossip, tanzbarer Indie-Poprock mit ein bisschen europäischen New Wave-Melodien, kam nicht nur bei den Teenagern an, die ihre ersten Musikerfahrungen heute eher mit Filmsoundtracks als im Plattenladen machen.
DYTD sind eine feste Größe in der queer Musikszene in Kanada. Letztes Jahr spielten sie beim CSD in Toronto, wo auch JD Samson, Bandmitglied bei Men und Le Tigre, als DJ auflegte. „Nach unserem Auftritt kam sie zu uns hinter die Bühne, wir haben den ganzen Abend miteinander abgehangen, und seitdem sind wir befreundet“, so Jen. JD Samson empfahl DYTD auch ihrem deutschen Tourveranstalter Thomas Lechner von Queerbeats, der sich die Band live in Toronto anschaute. Toronto ist so etwas wie das Paradies für schwullesbische Musiker und Musikerinnen. „Wir haben das Glück, in einem Land zu leben, in dem man gerne queer Bands hört. Wir kennen uns fast alle. Die meisten Bands haben noch musikalische Nebenprojekte. Wir sind sehr gut vernetzt“, erklärt Jen knapp, was die Musikmedien längst die „Kanadisierung“ der Indiemusik nennen.
Auch die ehemalige Sängerin von The Organ hat es nach deren überraschenden Band-Auflösung nach Toronto verschlagen. Sie betreibt jetzt eine schwullesbische Kneipe, das Hen House, in der sie auch Konzerte veranstaltet und sich hinter dem Tresen immer noch von ihrem Burn-out aus Band-Tagen erholt. „Ich sehe Katie Sketch ziemlich häufig dort. Alle Lesben gehen da hin. Ich liebe The Organ. Aber bisher war ich immer zu schüchtern, sie auf ihre Musik anzusprechen“, sagt Jen ein wenig verlegen, obwohl sie mit DYTD auch schon mehrmals im Hen House aufgetreten ist, „da bin ich dann nicht die Sängerin der Band, sondern Jen, der Fan. Auch ich bin vor Nervosität fast gestorben, als ich die Sängerin Sia getroffen habe.“
Zum ersten Mal in Deutschland haben DYTD im Januar diesen Jahres beim Queer Beat Festival in München gespielt, wo auch die Wahl-Berlinerin, Elektro-Clash-Königin und ebenfalls Kanadierin Peaches auftrat. Was hat Kanada nur, was wir nicht haben? Antwort könnte es auf einem der nächsten Konzerte dieser wunderbaren Band geben, die man keinesfalls verpassen sollte – eine spätere Gelegenheit bietet sich übrigens auch beim Festival „L-Beach“ im April an der Ostsee.
Stephanie Kuhnen
Konzerttermine
3.11. Wien, 6.11. Hamburg, 5. und 7.11. Berlin, 9.11. Köln, 11.11. Essen, 24.11. Fribourg, 25.11. Nürnberg, 27.11. München, 28.11. St. Gallen
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