L-MAG Top-Thema Verdammnis
In „Verdammnis“ rächt sich Überfigur Lisbeth Salander weiter
Noomi Rapace als gnadenlose Rächerin Lisbeth SalanderFür manche Männer verkörpert Lisbeth Salander wohl den Teufel, wie auf dem Filmplakat zu „Verdammnis. Für manche Frauen verkörpert sie eher einen Engel. Wenn auch einen Racheengel, der gesetzlos, aber mit viel Köpfchen und seinem ganz eigenen Sinn für Gerechtigkeit keinem Mann eine frauenfeindliche Handlung durchgehen lässt. Zugegebenermaßen ist Lisbeth Salander auch eine Lieblingsfigur der L-MAG-Redaktion, denn selten gab es eine solche Filmheldin, die unangepasst, klug, cool, raffiniert, sexuell autonom und erfolgreich agiert. Eine Frau, die Lust macht auf Rebellion und Aufmüpfigkeit, die sich nichts gefallen lässt und Betrüger und Lügner einfach abzockt.
Bereits der erste Teil „Verblendung“ in der Regie von Niels Arden Oplev war eine äußerst erfolgreiche Umsetzung. Auch mit dem zweiten Teil „Verdammnis“ ist trotz seiner ungleich komplizierteren Handlung eine Verfilmung geglückt, die sich sehen lassen kann. In „nur“ 129 Minuten schafft es Regisseur Daniel Alfredson, die über 750 Seiten Handlung vergleichsweise komplett zu verfilmen.
Helden und Anti-Helden
In „Verdammnis“,sehen wir anfangs eine entspannte Lisbeth auf Weltreise mit den geklauten Millionen eines von ihr und „Kalle“ Blomkvist überführten korrupten Industriellen. Aktivitäten ihres anwaltlichen „Vormunds“, des Vergewaltigers Bjurman, zwingen sie, nach Stockholm zurückzukehren, wo sie unversehens in eine Mord-Intrige gerät und als Hauptverdächtige landesweit gesucht wird. Ausgerechnet ihr verhasster Vater, ein sowjetischer Ex-Spion und Überläufer nach Schweden, den sie als Kind versuchte, mit einem Brandsatz zu töten, steckt dahinter. Eine atemberaubende Jagd durch ganz Schweden beginnt, bei der Lisbeth entdeckt, dass sie viele gute Freunde, aber noch mehr Feinde hat.
Viel Spannung, wenig Sex
Erstaunlicherweise kommt, wie schon in der ersten Verfilmung, auch in der zweiten ausgerechnet der Sex zu kurz. Die Figuren in Larssons Geschichten sind nämlich allesamt äußerst sexuell aktiv, die Bösen auf pervers-gewalttätige Weise, die Guten angenehm emanzipiert und alles andere als der Heteronorm entsprechend. Sie geben sich polygam (Mikael und Erika) oder bisexuell wie Lisbeth. Interessanterweise ist die einzige Sexszene in „Verdammnis“ die zwischen Lisbeth und ihrer Dauergeliebten Mimi, die ausgesprochen gelungen ist. Auch ohne Sex kommt in über zwei Stunden „Verdammnis“ nicht eine Sekunde Langeweile auf, im Gegenteil, man möchte immer mehr sehen. Doch auf den Kinostart des dritten Teils „Vergebung“, der nahtlos dort weitergeht, wo der zweite – ausgesprochen tragisch – endet, muss man noch bis zum Sommer warten.
Manuela Kay
„Verdammnis“, Regie: Daniel Alfredson, mit: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Lena Endre, Annika Hallin, Yasmine Garbi u. a., Schweden 2009, 129 Min., Kinostart: 4. Februar


