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Frischer Wind aus Paris: Das Trio Anatomie Bousculaire – September 2009

Wozu eine Trennung doch gut sein kann: Die frisch getrennte Cécile versuchte mittels täglichen Gitarrenspiels über ihr Elend hinwegzukommen, ihre Ex Alice begriff, dass man eigentlich ohne einander gar nicht sein möchte, und so wurde aus dem ehemaligen Liebespaar mit Verstärkung von Céciles Schwester Angée schließlich die Rockband Anatomie Bousculaire.
So geschehen vor acht Jahren in Paris. „Cécile war meine erste Freundin. Und als wir uns dann trennten, spielte Cécile jeden Tag viel Gitarre, um darüber hinwegzukommen. Ich spielte in der 2. Volleyball-Nationalmannschaft. Ich hatte also ,den richtigen Arm’ und den richtigen Rhythmus, aber keinerlei musikalische Erfahrung“, erinnert sich Alice im Gespräch mit L-MAG in einem Pariser Café.
Im Gegensatz zu vielen anderen Musikerinnenkolleginnen ist den drei Pariserinnen wichtig, ganz offen lesbisch aufzutreten: „Ja, wir sind lesbisch und das ist uns wichtig. Aber spielen wollen wir für ein gemischtes Publikum“, erklärt die Sängerin und Gitarristin des Trios Cécile, und Schlagzeugerin Alice fügt hinzu: „Unsere Musik ist für alle, aber wir sind lesbisch und die Songtexte handeln von Mädchen. Aber wir sind auch sonst gegen jede Form von Diskriminierung, ob nun gegen Frauen, Behinderte oder andere.“
Auch äußerlich gehen die drei keinerlei Kompromiss ein und Alice meint stolz: „Wir sehen eben nicht aus wie die meisten Mädchen. Aber man kann nicht überleben, wenn man sich als jemand anderes ausgibt, man muss schon sein, wer man ist.“
„Wir sind sehr ehrlich, was uns anbetrifft. In der Musikindustrie macht es das für uns natürlich nicht einfacher“, weiß Bassistin Angée, Céciles jüngere Schwester, die neuerdings mit einem Mann zusammen ist, was dem lesbischen Selbstbewusstsein der Band allerdings keinen Abbruch tut. „Das war schon eine Überraschung und war auch nicht einfach ...“, sagt Angée. „Und machte viele Mädels sehr traurig“, fügt Alice amüsiert hinzu.
Nach vielen Jahren und ungefähr 90 Livegigs haben die drei nun erstmals ein selbstproduziertes Album auf den Markt gebracht. Eine Mischung aus melodischem Indie-Rock und Grunge, getragen von Céciles kräftiger Stimme, die bisweilen an Patti Smith erinnert. Mit dem Song „Rictus“ gewannen sie 2006 den Los Angeles Music Award in der Kategorie beste Grunge-Band. Außerhalb Frankreichs sind die drei von Anatomie Bousculaire, was soviel wie durcheinandergebrachter oder angerempelter Körperbau heißt, noch weitgehend unentdeckt. Momentan träumen sie von ersten Auftritten in Deutschland und, wie Angée schließlich sagt: „Davon, von der Musik tatsächlich zu leben – das wäre ein Traum!“

Manuela Kay

www.anatomiebousculaire.com

 

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