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Schrei nach lesbischer Sichtbarkeit

Wie man die Situation junger LGBT verbessern kann – darüber diskutierten Jugendliche und ExpertInnen bei der Konferenz „jung. queer. glücklich?!“, zu der die Grünen in den Bundestag einluden. L-MAG-Redakteurin Dana Müller war dabei.

Foto: Pixabay

Von Dana Müller

l-mag.de, 21.3.2016 – Es gibt noch viel zu tun. So könnte das Fazit der Konferenz „jung. queer. glücklich?!“ lauten. Am Freitag lud die Fraktion Bündnis 90/ Die Grüne zu Workshops und jeder Menge Diskussionen in den Bundestag ein. Ausgangspunkt war die im November veröffentlichte Befragung „Coming-out und dann…?!“ zur Lebenssituation queerer Jugendlicher (L-MAG berichtete). Neben Expertinnen und Experten der LGBT-Community aus Projekten und Vereinen nahmen auch einige interessierte Jugendliche teil.

Klar kritisiert wurde der allgemeine gesellschaftliche Tenor „Es ist doch alles gut für LGBT!“ Denn die Studie vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) zeigt: Der Alltag von jungen LGBT zwischen 14 und 27 ist immer noch nicht weniger problembeladen, als er es schon vor Jahren war.

Lesben weniger sichtbar

In vier Workshops wurden die Themen „Lesbische Mädchen“, „Queer mit Migrationsgeschichte“, „Unterstützungsangebote“ und „Trans“ bearbeitet. Im Panel „I kissed a girl – and I liked it – Coming-out von lesbischen Mädchen“ ging es vor allem um die mangelnde Sichtbarkeit von Lesben in der Gesellschaft, aber auch innerhalb der Community.

Dies bewies auch die Konferenz selbst: Als Plakatmotiv wurde ein schwules Paar ausgewählt, Schwule standen also wie so oft repräsentativ für die Vielfalt von LGBT. Der Workshop zum Thema Lesben hatte die geringste Beteiligung, und auch an der DJI-Studie nahmen über doppelt so viele schwule wie lesbische Befragte teil.

Was sich Lesben wünschen

Ein Fazit im Lesben-Panel war, dass Mädchen sich oftmals ganz sicher sein wollen, bevor sie sich als lesbisch outen. Außerdem sei der Begriff Lesbe – der im Panel aber erfrischend häufig fiel - oftmals unbeliebt. Als positive Beispiele lesbischer Sichtbarkeit wurden der (von L-MAG initiierte) Dyke* March Berlin sowie der Kölner Dyke March genannt.

In der anschließenden Ergebnispräsentation wurde genaueres Hinschauen bei der Verteilung von Geldern gefordert, denn oftmals kommen hier weibliche Projekte zu kurz. Auch die Kritik am Plakatmotiv floss mit ein, und es kam zum Ruf nach lesbischen Lobbyistinnen, was im Plenum für Unruhe und teilweise Heiterkeit sorgte. Die Frage bleibt am Ende: Wie kann man der Unsichtbarkeit von lesbischen Mädchen gegensteuern?

"Wir sind da - uns gibt es!"

„Queere Themen können einfach nicht oft genug angesprochen werden!", fasste die Leiterin des Lesben-Workshops, Ulle Schauws (MdB, Sprecherin für Frauen- und Kulturpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen), zusammen. "Wir haben jetzt den Workshop zur Sichtbarkeit von lesbischen Mädchen gemacht. Das ist ein ganz wichtiges Thema. Da müssen wir dringend weiterarbeiten und immer wieder zeigen, auch als lesbische Politikerinnen: wir sind da – uns gibt es!“

Bundestag soll die Situation junger LGBT verbessern

Die Ergebnisse der Konferenz sollen in einen Antrag im Bundestag münden und damit auch überparteilich diskutiert werden, um schließlich die Situation  queerer Jugendlicher zu verbessern. Es bleibt zu hoffen, dass die Lesben dabei nicht vergessen werden. Und wer weiß, vielleicht gibt es am Ende tatsächlich ein paar lesbische Lobbyistinnen, die sich für mehr Sichtbarkeit einsetzen!

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