Bundespräsident unterstützt bibeltreue Christen
Wie viele andere Politiker war Wulff im Kuratorium von „Pro Christ“, die auch Seminare zur Homoheilung veranstalten
Foto: www.bundespraesident.de; Vereidigung von Christian Wulff im Bundestagl-mag 30.7. – Nach starker Kritik an der Unterstützung von Neu-Bundespräsident Christian Wulff für „Pro Christ“ wird seine Mitgliedschaft im Kuratorium nun ruhen. Nicht aber etwa aus inhaltlichen Gründen, sondern lediglich qua Amt, wie eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes gegenüber l-mag.de erklärte: „Es stimmt, die Mitgliedschaft ruht an dieser Stelle“. Dies sei aber „eine Art von Geschäftsvorgang“. So müsse selbst seine Mitgliedschaft in der CDU während seiner Amtszeit ruhen.
„Pro Christ“, eine evangelikale Gruppierung, organisiert mehrtägige missionarische Großveranstaltungen. Auf dem „Christival“ 2005 in Bremen beispielsweise sollte ein „Homoheilungsseminar“ stattfinden unter dem Titel „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“.
Dennoch ist Christian Wulff längst nicht der einzige Politiker, der sich in den Reihen der Unterstützer wiederfindet. Auch der ehemalige Ministerpräsident von Bayern, Günther Beckstein, der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel, oder die Ministerpräsidentin von Thüringen, Christine Lieberknecht, sind auf der Internetseite aufgelistet.
Dass sich so viele Politiker in dem Kuratorium von „Pro Christ“ finden, erklärt Hartmut Rus vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) mit der starken Lobbyarbeit, die „Pro Christ“ betreibe. Rus engagiert sich seit Jahren in der Aufklärungsarbeit über religiöse Homoheiler. „Die Politiker werden umgarnt“, sagt er. Oftmals wüssten die Kuratoren jedoch gar nicht, wen sie da unterstützten. „Solange man mit denen mitschwimmt, sind die lieb und nett zu einem, so dass man auch nicht mitbekommt, dass sie extrem bibeltreu sind beziehungsweise aggressiv werden können, wenn Kritik geübt wird“, so Rus.
Er warnt jedoch auch davor, „Pro Christ“ pauschal zu bewerten. Es gebe viele gemäßigte Evangelikale, darunter auch Schwule und Lesben. Doch das Sagen hätte in der Regel „eine kleine Gruppe von Fundamentalisten, die sich größer macht als sie ist“.
(nam)






