L-Mag

Nachruf auf Annette Eick

In Berlin schrieb sie in den 20er Jahren für Lesbenzeitschriften wie die Garconne, später musste sie als Jüdin nach England fliehen

Annette Eick, Foto: Claudia Schoppmann

l-mag.de 17.4.2010 – Am 25. Februar 2010 verstarb Annette Eick (*13.10.1909) in England im Alter von 100 Jahren. Einem größeren Publikum bekannt wurde die gebürtige Berlinerin 2000 durch den Dokumentarfilm „§175“, in dem sie – als einzige Frau neben fünf schwulen Männern – über ihr Leben während der Nazizeit berichtete.
In der Schule begeistert sie die allseits beliebte Deutsch-Lehrerin – „es war wie bei Mädchen in Uniform“ – besonders für Lyrik. In den Zwanziger Jahren lernt sie nach ihrem „Coming-out“ die homosexuellen Bars und Clubs kennen und beginnt zu schreiben. Gedichte und Kurzgeschichten erscheinen in „Garconne“ und anderen Lesbenzeitschriften. Als Jüdin muss sich Annette Eick nach 1933 als Kindermädchen verdingen, anstatt als Journalistin zu arbeiten. Ende 1938 erhält sie ein lebensrettendes Visum für England. In London lernt sie 1949 Gertrud Klingel kennen, ihre Lebensgefährtin bis zu deren Tod 1989. Gemeinsam ziehen sie 1965 an die englische „Riviera“. Dort betreibt Annette Eick eine Kindertagesstätte. Für das Schreiben bleibt da nur wenig Zeit. Nach einem Nervenzusammenbruch, einer Reaktion auf ihre traumatische Flucht aus Deutschland und das Wissen um die Ermordung der Eltern in Auschwitz, fängt sie um 1950 an, Gedichte auf Englisch zu schreiben. „Immortal muse“ – unsterbliche Muse – heißt ihr Lyrikband, der 1984 erscheint. Es ist auch der Titel eines preisgekrönten Dokumentarfilms von 2005, in dem Sue Giovanni und Jules Hussey Annette Eick liebevoll-poetisch porträtierten.

Claudia Schoppmann

Annette Eick wurde auch in der Rubrik „Heldinnen“ in L-MAG November/Dezember 2009 porträtiert. Hier zum Text


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