Heldinnen: Annette Eick
Annette Eick
(geboren 1909 in Berlin) –
Poetin, Schriftstellerin
Kontext: Das wilde Berlin der Weimarer
Republik; die Schrecken der NS-Zeit
Heldinnentaten: Annette Eick wird 1909 als Tochter assimilierter jüdischer Möbelhändler in Berlin geboren. Bereits als Zehnjährige träumt sie in einem Schulaufsatz davon, niemals zu heiraten, später mit einer „älteren Freundin“ zusammen zu leben und zu schreiben. Ende der 20er Jahre treibt sie sich in
Berlins Damenklubs herum und ist Mitarbeiterin der Lesbenzeitschrift Frauenliebe. Dort publiziert sie unter anderem zum Dauerbrenner lesbischer Identitätsabgrenzungskonflikte, nämlich der „bisexuellen Frau“.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten muss Eick als Kindermädchen arbeiten und ist als Jüdin zunehmenden Diskriminierungen ausgesetzt. Sie zieht auf ein Landgut im Umland Berlins, wo jüdische Jugendliche auf das Leben in Palästina vorbereitet werden. Als das Gut Ende 1938 von Nazis überfallen und alle Bewohner ins Gefängnis verschleppt werden, entkommt sie nur knapp: Eine Polizistengattin lässt die Gefängnistür offen, und die Insassen können fliehen. Zurück auf dem verwüsteten Gut gelingt es Eick, im Chaos ihren Pass finden, und sie beschließt, zu ihren Eltern nach Berlin zurückzukehren. Auf dem Weg begegnet sie allerdings dem Postboten, der ihr den „Liebesbrief“ einer ehemaligen Affäre übergibt: Darin befindet sich die lebensrettende Einreisegenehmigung für England. Annette Eick kann zwar Deutschland verlassen, doch bis auf einen Bruder werden alle Angehörigen ihrer Familie ermordet.
Nach dem Krieg bleibt Eick in England, zieht mit ihrer Freundin Trud nach Devon und veröffentlicht 1984 den Gedichtband „Immortal Muse“. Im Dokumentarfilm „Paragraph 175“ spricht sie als einzige Lesbe über ihre Erlebnisse während der NS-Zeit. Im Oktober 2009 feiert sie ihren 100. Geburtstag: Happy Birthday!
Schräges: Die Geschichte ihres ersten Kusses hätte Christa Winsloe (Autorin des Buches „Mädchen in Uniform“) nicht besser erfinden können: Eick verführte ihre ehemalige Lehrerin, Erika von Horsten mit Hilfe des damals populären Schlagers „Dein Mund sagt nein, doch deine Augen sagen ja. Geliebte Frau, ich werd dich heut noch küssen“.
Nicht ganz so heldinnenhaft: Als die von ihr begehrte Lehrerin sie auf einer Skireise endlich in ihr Bett einlädt, bekommt Eick Muffensausen und rennt davon, woraufhin die Verschmähte sofort beleidigt abreist.
kk
(aus: L-MAG November/Dezember 2009)


