„The Kids are all right“ gewinnt Teddy
Lisa Cholodenkos lesbischer Spielfilm wird mit dem queer Filmpreis der Berlinale ausgezeichnet
Regisseurin und Teddy-Gewinnein Lisa Cholodenkol-mag 22.2.2010 – Es war eher hausbackene Kost, was auf der 60. Berlinale an queer Filmen ins Rennen um die beiden Preise Teddy und Else ging. Familie, Kinder, Zweisamkeit und das kleine, private Glück standen im Vordergrund der meisten Beiträge. Nach Aufbruchstimmung oder Gesellschaftskritik suchte man vergebens, Reproduktion und Integration sind die Zeichen der Zeit. Konsequenterweise gewann den Teddy für den besten Spielfilm auch ein Familiendrama: „The Kids are all right“ – einer von lediglich zwei Filmen mit lesbischem Inhalt im ganzen Festival (der andere war Cheryl Dunyes eher halbfertiger Film „The Owls“).
Regisseurin Lisa Cholodenko, bekannt durch „High Art“ (1998), „Laurel Canyon“ (2002) und ihre Mitarbeit an TV-Serien wie „The L Word“ und „Six Feet Under“ hat es im Gegensatz zu Dunye geschafft in langen, mühevollen Jahren des Geldauftreibens doch genug für eine große Hollywood-Produktion zusammen zu bekommen. In den Hauptrollen brillieren Julianne Moore und Annette Bening als alt-eingesessenes lesbisches Ko-Mütter-Paar in der Krise. (l-mag.de berichtete). Die achtköpfige internationale Teddy-Jury begründete ihre Entscheidung so: „Für die humorvolle und gekonnte Darstellung eines zeitgenössischen lesbischen Elternpaares. Der Film zeigt einfühlsam die Komplexität von Sexualität und Familienleben.“
Die anderen Teddys gingen an James Franco, der eigentlich als Schauspieler in „Milk“ und als Allen Ginsberg im diesjährigen Wettbewerbsbeitrag „Howl“ zu bewundern war, für seinen Kurzfilm „The Feast of Stephen“ sowie an den Italiener Pietro Marcello für seinen ungewöhnlichen Dokumentarfilm „La Bocca del Lupo“, der in der Sektion Forum gezeigt wurde. Die siebenköpfige Leserinnen- und Leserjury der Siegessäule und L-MAG entschied sich, ihren Preis, die Else, an „Postcard to Daddy“ des Berliner Filmemachers Michael Stock zu vergeben. Die eindringliche Dokumentation beschäftigt sich mit den Schattenseiten von Familienleben: Der Regisseur versucht den sexuellen Missbrauch durch seinen leiblichen Vater mittels des Films und in Gesprächen mit seiner Familie aufzuarbeiten.
Manuela Kay


