L-Mag

Warschau vor dem Europride!

Warum es sich lohnt, hinzufahren, erzählen Aktivistinnen und Aktivisten im L-MAG Video

l-mag 7.7. –  Warschau ist Metropole, Kulturstadt und das Zentrum des schwullesbischen Lebens in Polen. Streift man durch die Stadt scheint erstmal alles irgendwie zuviel. Am Hauptbahnbahnhof wird man erschlagen vom Lärm und dem Chaos auf den Straßen. Die Hauptstraße der Stadt, die große Allee Jerozolimskie, pflastern etliche Kreisverkehre. Auf einem davon prangt eine Palme, mitten im Verkehrschaos von Warschau. Wie sie dort hin kommt? Die Jerozolimskie heißt seit vielen Jahren Allee. Aber keiner weiß warum. Und da entschied sich kurzerhand eine Künstlerin, eine künstliche Palme zu platzieren, um den Namen endlich zu rechtfertigen.

Als aufmerksame Beobachterin sieht man in der Stadt schon mal das ein oder andere homosexuelle Paar. Kleine Gesten und versteckte Zeichen weisen darauf hin. Generell sind offen schwule oder lesbische Paare aber eher selten. Homosexualität ist im katholischen Polen noch immer ein heikles Thema. In einer Stadt, in der noch vor wenigen Jahren der CSD verboten war, findet nun vom 8.-18. Juli der Europride statt, verbunden mit der sicher größten Parade (17.7.), die Warschau jemals erlebt hat. Wie ist die Stadt darauf vorbereitet?

Seit einigen Monaten gibt es in Warschau eine Gleichstellungsbeauftragte. Karolina Malczyk-Rokicinska (siehe auch im Video) ist für alle Fragen der Gleichberechtigung zuständig und damit auch für Schwule und Lesben. In der Szene kennt sie sich zwar nicht aus und auch Probleme wie Coming-Out oder Homophobie im Alltag sind ihr weitgehend unbekannt, aber sie spricht über Homosexualität im Rathaus und beeinflusst damit den politischen Diskurs. Ob sie bei der Parade zum Europride dabei sein werde, wisse sie noch nicht, sagt sie gegenüber l-mag.de. Der Europride sei auch nur ein Event von vielen zum Thema Gleichberechtigung. Aber irgendwer aus dem Rathaus werde schon da sein. Über die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen des Europride für die Stadt sind sie sich im Warschauer Rathaus offensichtlich noch nicht so recht klar.

Auch die Touristeninformation gibt sich gayfriendly, findet aber auf Nachfrage, dass im Rahmen des Europride nichts extra angeboten werden muss.

Anders sieht es da im Nationalmuseum von Warschau aus. Der engagierte Kurator Pawel Leszkowicz (siehe auch im Video) freut sich riesig über den Europride. Denn dadurch wird seine Ausstellung „Ars Homo Erotica“ noch mehr Besucher und Besucherinnen haben. Die Idee für eine Ausstellung über gleichgeschlechtliche Liebe in der Kunst im Nationalmuseum entstand allerdings schon vor dem Europride.

Und wie sieht das Nacht- und Partyleben in Warschau aus? Ist es für den Europride gerüstet? Dafür reichen wenige Worte: hier geht die Post ab! So verhalten der schwullesbische Alltag auch ist, in der Nacht sind Karaokebars, Dragshows und Darkrooms gang und gäbe. Vor allem die schwule Partyszene hat eine Menge zu bieten. Der Darkroom ist einer der angesagten schwulen Clubs: braungebrannte, durchtrainierte junge Typen im Muskelshirt stolzieren durch das flackernde Partylicht und feiern zu schnellen Beats. Für Lesben gibt es vor allem gemischte Partys. Hier ist Karaoke der absolute Renner. Aber anders als in Deutschland können viele Polinnen und Polen wirklich singen. Immer wieder kommen auch heterosexuelle Musik- und Schauspielstundentinnen und –studenten und erproben ihre Talente auf der Bühne. Und heizen dem Publikum gehörig ein. Auf jeden Fall wissen Warschauer Schwule und Lesben wie man hemmungslos feiert! 

Dana Müller

8.-18.7. Europride Warschau

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