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Die USA: Viel mehr als San Francisco

Die Westküstenstädte Seattle, Olympia und Portland haben ihren jeweils eigenen Charme, Homoviertel inklusive

Skyline von Seattle, Foto: Daniel Schwen

l-mag – Bei einer Reise an die US-Westküste zieht es die meisten Lesben nach San Francisco, in die kalifornische Homo-Hauptstadt. Doch die Westküste der Vereinigten Staaten hat weit mehr zu bieten – Natur und auch andere Homo-Metropolen.

Seattle – ein Date, das hält, was es verspricht. Die nördlichste Großstadt liegt nur 150 Kilometer südlich von der kanadischen Grenze entfernt. Seattle ist mit einer romantischen Fahrt entlang der Pazifikküste mit dem Auto, Motorrad oder der amerikanischen Bahn Amtrak zu erreichen. Wer den fast sprichwörtlichen Regen der Region vermeiden will, sollte entlang der Bergkette Cascade Range östlich von Seattle im Landesinneren fahren. Hier wartet der Mount-Rainier-Nationalpark mit wunderschönen Wanderwegen, Wasserfällen und natürlich den eindrucksvollen Bergen auf. Seattle hat alles, was zu einer amerikanischen Städteerfahrung gehört: Downtown ist voll von Wolkenkratzern, die die Straßen wie Schluchten erscheinen lassen. Wer nicht aufpasst, verbringt den Tag im Auto auf der Suche nach einem Parkplatz und macht Sightseeing nur durch den Rückspiegel.
Das Metropolen-Gebiet in und um Seattle mit rund drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist politisch gesehen der liberale Anker im pazifischen Nordwesten der USA. Kein Wunder, dass das Leben im Homoviertel, dem Stadtteil Capitol Hill, nach wie vor vibriert. Rund um die Pike Street und den Broadway reiht sich Bar an Bar und eine Regenbogenflagge im Schaufenster gehört hier zum Standard. Im Wild Rose treffen sich Lesben, Trans* und mittlerweile immer mehr Heteros auf ein Bier oder mindestens ein Mal pro Woche zur Karaoke-Nacht. Wie in einer guten alten Dorfdisco feiern hier Lipsticklesben, Butches und Queer Boiz zusammen.
Am westlichen Ende der Innenstadt ist Seattles Ursprung als Hafenstadt noch sichtbar. Rund um den Pioneer Square wird man von einer hübschen Altstadt überrascht. Nicht weit vom alten Stadtkern entfernt liegt der International District, ein Bezirk mit asiatischen und anderen ethnischen Vierteln wie Chinatown oder Japan Town. 

Olympia – ein netter One-Night-Stand. Wer auf dem Weg nach Olympia das letzte Stück auf der Autobahn, dem Interstate Highway 5, fährt, wird von der Abfahrt „Sleater Kinney Road“ begrüßt. Nach dieser Straße benannte sich die berühmte Riot-Grrrl-Band. Sleater Kinney haben zusammen mit heimischen Bands wie Gossip den feministischen Punkrock und Queercore miterfunden. Ja, was auf den ersten Blick wie eine kleine, eher langweilige Hippiestadt aussieht, ist tatsächlich die Geburtsstätte der queer-feministischen Riot-Grrrl-Musikbewegung.
So bleiben der Durchreisenden zwei Möglichkeiten: Entweder die aufregenden einheimischen Queers ausfindig machen, auf deren Couch schlafen und wilde Partys im Übungsraum der – schon bald nächsten berühmten – Queer-Band feiern.
Oder im einzigen Hostel der Stadt, dem Chez Cascadia, buchen. Die große, vegetarische Gemeinschaftsküche, ein Wohnzimmer und der Garten mit eigenem Gemüse geben dem Hostel eher das Flair einer Studenten-WG. Nach dem ethnisch gemischten Seattle, bietet Olympia eher das provinzielle und extrem hellhäutige Kontrastprogramm. Dafür ist die kleine Stadt mit rund 50.000 Einheimischen ruhig und am See und Hafensteg lässt es sich gut entspannen.

An der Westküste der USA, Foto: River Tucker

Portland – Die wilde Unbekannte. Kurz hinter der Grenze von Washington, im Staat Oregon, liegt Portland. Durch das Stadtzentrum fließt der Willamette River. Je nachdem auf welcher Flussseite man sich befindet ändert Portland seinen Charakter. Auf der Westseite des Willamette liegt Downtown, sowie eine hübsche Altstadt mit vielen Bars, Clubs und Restaurants, sowie Chinatown. Auf der Westseite finden sich die meisten Hotels, Hostels und die großen Einkaufsstraßen. Noch mehr als in Seattle sind Einbahnstraßen eine besondere Herausforderung – entspannte Portlander hupen freundlich, sollten sich Touristen als Geisterfahrer im Gegenverkehr wiederfinden.
Auf der östlichen Flussseite sind die Mieten günstiger und hier findet sich die Subkultur, wie zum Beispiel die Lesbenbar Egyptian Club. Gast-Veranstaltungen der queer Cabaret-Truppe Homomentum wechseln sich mit Karaokenächten ab. Portland, in dessen Region rund zwei Millionen Menschen leben, steht oft unbeachtet im Schatten zwischen San Francisco im Süden und Seattle im Norden. Genau diese Tatsache macht es aber möglich, dass die Stadt sich ihren Underground Vibe und ihr alternatives Flair bewahrt.

River Tucker

Seattle
Lesbenbar: Wild Rose, 1021 East Pike Street, www.thewildrosebar.com
National Parks bei Seattle: Mount Rainer National Park, www.nps.gov/mora
Olympic National Park, www.nps.gov/olym

Olympia
Hostel: Chez Cascadia, www.chezcascadia.org
Schwullesbische Bar: Jake’s on 4th Ave, 311 4th Ave East

Portland
Lesbenbar: Egyptian Club, 3701 SE Division St. Portland, www.eroompdx.com
Wöchentliche Lesbenparty: „Dykotomy“, Red Cap Garage, 1035 SW Stark St,
http://redcapgarage.com
Queer Webseite: http://qpdx.com
Amerikas letzter non-profit queer-feministischer
Buchladen: In Other Words Books, 8 B NE Killingsworth St., www.inotherwords.org
Queer Performance-Kunst: Pants off Productions: http://pantsoffpdx.com

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