Lokalkolort: Engagierte Lesben in Pirna
Foto: Markus Langel-mag – „Pirna? Wo ist das denn?“ Diesen Satz haben die Mädels von PIRLS, den Pirnaer Lesben und Schwulen, im Westen der Republik schon oft genug
gehört. Zeit für L-MAG, ihnen einen Besuch abzustatten und die unbekannte Provinz näher zu erkunden. Selbst Dresden liegt für die meisten schon ziemlich weit im Osten. Dass hinter dem Elbflorenz eine der schönsten deutschen Landschaften beginnt, wissen die Wenigsten. Und so wird Pirna, das östlich von Dresden im Elbtal liegt, nicht umsonst das Tor zur Sächsischen Schweiz genannt.
Hier, wo andere ihre Ferien mit Fahrradfahren, Wandern oder Klettern verbringen, lebt es sich auch ganz gut. Pirna kommt nicht etwa von Birne, wie man vermuten könnte, wenn die Einwohner sächselnd von ihrem „Birna“ sprechen, sondern von „na pernem“. Sorbisch ist das und heißt „auf hartem Stein“ erbaut.
Das beeindruckende Elbsandsteingebirge, das den Sandstein für die Steinmetze der Stadt, später für die Dresdner Frauenkirche, den Zwinger, die Semperoper und sogar für den Reichstag in Berlin lieferte, begründete den Wohlstand in Pirna, von dem auch die Gebäude der Stadt zeugen. Als L-MAG an einem milden Frühlingsabend in die Stadt kommt, sind die Straßen wie leer gefegt und wirken im stimmungsvollen Schein der schummrigen Beleuchtung ein wenig wie eine Filmkulisse.
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Doch erstmal feiern die PIRLS ihren ersten Geburtstag und haben dazu in Pirnas heißesten Club, das PIR-Royal, eingeladen. Am Eingang prangt ihr Logo, das Stadtwappen in Regenbogenfarben. Ganz offiziell haben sie sich dazu die Erlaubnis der Stadtverwaltung geholt, und so sieht es wirklich ganz schick aus, wie die bunten Löwen mit ihren Tatzen gegen einen Birnbaum schlagen. Anne, mit Herz und Organisationstalent die Seele der PIRLS, erzählt wie alles begonnen hat. Vor der Gründung der schwullesbischen Gruppe gab es hier keine einschlägigen Angebote, und die Mädels mussten sich immer nach Dresden aufmachen, wenn sie tanzen gehen oder unter sich sein wollten. Schnell fanden sie und Tina Gleichgesinnte, die wie sie auch in der Provinz nicht länger ein unsichtbares Dasein fristen wollten.
Während sie auf Grund der überschaubaren Community von vornherein auch offen für Schwule und Bisexuelle sein wollten, dauerte es eine Weile, bis Lutz als Dritter im Bunde dazukam und sie durchstarten konnten. Die Party wird ein voller Erfolg, obwohl sie nicht offiziell in der Stadt plakatieren durften. „In Pirna gibt es auch viele Glatzen, die gerne Schwule beschimpfen und zusammenschlagen“, erzählt Anne. „Das PIR-Royal wollte nicht, dass wir Werbung und die Veranstaltung in ihren Räumen öffentlich machen.“
Pirna ist eine rechte Hochburg, die NPD erreichte bei den letzten Landtagswahlen 11,5 Prozent der Stimmen. Die inzwischen verbotenen Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) sorgten lange für ein Klima der Einschüchterung. Engagierte Bürger setzen dem inzwischen ihre „Aktion Zivilcourage“ entgegen. Von harmonischen Verhältnissen ist die Stadt aber noch weit entfernt. Und so steht ein Türsteher am Eingang, der für den Einlass und Sicherheit sorgt. Doch es bleibt ruhig.
Gut sechzig Leute, meist Jüngere, sind an diesem Abend hier, manche haben einen längeren Weg hinter sich, wie die Jungs und Mädels der SchwulLesBischen Initiative SCHWUBS aus Görlitz und die Gruppe vom Verein Gerede e. V. aus Dresden. Gretl, Tinas Partnerin, strahlt an diesem Abend besonders. Schön sei es, dass sie hier einfach mal tanzen könne, ohne dass gleich hinter jedem Mädel ein eifersüchtiger Freund steht, findet sie. Sie erzählt, wie gerade in Dresden manch schwullesbische Veranstaltung inzwischen von Heteros überrannt würde. Hier in Pirna wird bis früh um vier getanzt und gefeiert.
Am nächsten Morgen treffen wir uns zum Frühstück und einem Stadtrundgang in der Altstadt. Anne, Tina, Gretl und Lutz sind alle von hier und würden ihre Heimat niemals tauschen. Die Sonne scheint und taucht die pastellfarbenen Bürgerhäuser am Marktplatz in strahlendes Licht. „Aber ein bisschen toleranter dürfte es hier schon sein“, findet Tina, die in der Gastronomie ihre Berufung gefunden hat. Lutz, der als Reiseverkehrskaufmann arbeitet, pflichtet ihr bei. Sie alle kennen die Einsamkeit des Coming-outs in der Provinz. Mit den PIRLS wollen sie neue Wege gehen und Ansprechpartner sein für junge Leute, die vielleicht noch unsicher sind. Die Stadt Pirna begrüßt die Initiative. Bislang wurde hier noch keine einzige eingetragene Lebensgemeinschaft geschlossen, so die Pressesprecherin gegenüber L-MAG. Offen lesbisch sein ist hier noch keine Selbstverständlichkeit. Sonya Winterberg







