London Calling
L-MAG-Autorin Nadine Michel zog durch die Lesbenszene der britischen Hauptstadt
alexander-hauk.de / pixelio.delmag – Sie bezeichnet sich selbst als „Soho Superstar“, doch eigentlich weiß Jessica Nash, dass sie in London nicht sonderlich auffällt. Mit ihren lila gefärbten Haaren war sie in ihrer Kleinstadt im Norden Englands auffällig. „In London dachte ich dann: ‚Oh Gott, hier sehen ja alle gleich aus. Ich aber will individuell sein.‘ Nichtsdestotrotz geht Jessica in der Lesbenszene voll auf. „Hier fühle ich mich zu Hause“, sagt sie. Vor allem in Soho, dem Londoner Stadtteil für Schwule und Lesben schlechthin. Mehrmals in der Woche ist Jessica in diesem Viertel unterwegs. Heute trifft sie sich mit Margo (26), einer gebürtigen Kanadierin, die seit einem Jahr in London lebt. Wie so viele beginnen die beiden ihren gemeinsamen Abend im First Out.
Seit 23 Jahren gibt es dieses Café in London, nach eigenen Angaben war es das erste schwullesbische Café in der Metropole – daher auch der Name. Freitags, dem wöchentlichen „Girl’s Day“, und Samstags legt ein DJ auf. Hochbetrieb herrscht zumeist in den frühen Abendstunden, danach zieht das Publikum weiter. Jessica und Margo trinken hier ihr Bier und überlegen, wo sie danach hingehen können und entscheiden sich schließlich für die Candy Bar. Diese Lesbenbar liegt nur einen Katzensprung vom First Out entfernt. Um sie hat es in letzter Zeit viel Trubel gegeben: Bislang war die Candy Bar die einzige Anlaufstelle speziell für Lesben, die jeden Tag geöffnet hatte. Die Candy Bar ist in Soho, nahe der Shopping-Meile Oxford-Street zu finden. Wer außerhalb dieser Soho-Szene ausgehen möchte, kommt gerne in die Bar „The Green“, in der weiße Ledersofas vor Spiegelwänden für eine Lounge-Atmosphäre sorgen und zum Entspannen einladen. „Besonders sonntags kommen unsere Gäste gerne, bevor sie in eine neue stressige Arbeitswoche starten“, sagt Geschäftsführer Loukas Angelou.
Jessica und Margo zeigten L-MAG die Londoner LesbenszeneWer viel Zeit hat, sollte sich diese tagsüber für einen Bummel über die Camdenmärkte im Norden des Stadtzentrums nehmen. Die vielen Schmuck- und Klamottenstände ziehen auch ein alternativeres Publikum an. Oft sieht man hier Händchen haltende Lesbenpaare über die Märkte schlendern. Bei schlechtem Wetter bietet sich ein Besuch in den Museen an, die in London fast alle umsonst sind. Erstaunlich viel ist in der Metropole zu Fuß erreichbar: So bietet sich etwa ein Spaziergang von Big Ben und Westminster Abbey startend zum Buckingham Palace, Trafalgar Square an und von dort zum Piccadilly Circus. Ein wenig abseits gelegen ist dagegen eine andere Attraktion für Frauen: der „sh!“ Sexshop. „Unsere Kundinnen schätzen vor allem unsere hohe Qualität“, sagt Geschäftsführerin Renee Denyer. „Die meisten Artikel stellen wir selbst her, weshalb sie auch nur hier erhältlich sind.“
Robin-T-Backes / pixelio.deVon der Lesbenszene selbst hat Renee kein gutes Bild. „Insgesamt betrachtet mögen die Lesben individuell sein, aber innerhalb der Szene sind alle gleich – um dazu zu gehören, musst du jung und cool sein“, sagt Renee. „Es kommt darauf an, wo du hingehst“, erklärt Jane Czyzselska, Herausgeberin des Lesbenmagazins Diva. Sehr offen und tolerant sei etwa die „Bar Wotever“, ein Abend, der jeden Dienstag in der Central Station im Stadtteil Kings Cross stattfindet. Dorthin kämen viele Butch-Femme-Paare ebenso wie Transsexuelle und Drags. Auf vielen Partys hingegen seien vor allem die trendigen Szenelesben anzutreffen. Und das hieße so auszusehen wie der „L-Word“-Star Shane. Während Shane jedoch die Draufgängerin markiert, halten sich die Britinnen eher zurück. Sexpartys etwa seien kaum ein Thema in der Lesbenszene. „Dafür sind wir wohl zu „reserviert“, glaubt Diva-Redakteurin Jane. Ansonsten sind die Lesbenthemen wohl überall die gleichen: So sitzen auch Jessica und Margo am Tresen der Candy Bar und reden darüber, dass ihre Ex-Freundinnen inzwischen ihre besten Freundinnen seien.
Nadine Michel







