Warschau: Freiheit, Gleichheit und Toleranz?
Ein Blick hinter die Kulissen von Warschau mit Reisetipps
CSD Warschau 2009 (Foto: Jennifer Ramme)l-mag – In Polen ist der CSD noch voller politischer Brisanz: In der Hauptstadt Warschau müssen Lesben und Schwule noch sehr für die Anerkennung ihrer Liebe kämpfen. Öffentlich gelebte Homosexualität ist ein politisches Statement, mit dem sich die Lesbijka und der Homoseksualista der Ablehnung intoleranter Anhänger von „Radio Maryja“ (nationalkonservativer, katholischer Radiosender) und ähnlich Gesinnter aussetzen.
Für Lesben gilt: Solange sie kein Schild um den Hals tragen „Jestem lesbijka“ („Ich bin eine Lesbe“) sind sie relativ unsichtbar und bleiben damit unerkannt. Also Unsichtbarkeit statt Gleichheit? Zeigen Lesben, wie alle Jahre wieder, stolz Präsenz unter der Regenbogenflagge, muss von aggressiven Protesten der Gegenseiten ausgegangen werden. Sie werden als „Lesba!“ beschimpft und beleidigt. Das ist die eine Seite des lesbischen Lebens in Warschau.
Das Problem, finden Sylwia (34, Fotografin, Journalistin) und Janina (33, Projektmanagerin, Übersetzerin), sind die zwei
Seiten Warschaus: „Da gibt es das weltoffene, moderne Warschau, das für
Lesben einiges bietet. Ich muss in Warschau keine Angst haben, mich als Lesbe zu zeigen“, erzählt die gebürtige Warschauerin Sylwia. „Aber unter der schönen Oberfläche ist die Stadt, politisch betrachtet, überhaupt nicht modern. Anerkannt werden wir oft nicht.“ Auch Janina hat viele Jahre in Warschau gelebt. Beide Frauen sind politisch engagiert und kennen sich in der Szene gut aus.
Am 17. Juli wird der EuroPride in der polnischen Hauptstadt unter dem Motto „Liberty-Equality-Tolerance“ stattfinden (siehe Seite 23). Zeit sich zu fragen, wie es um die dortigen Plätze für Lesben bestellt ist …
„Es gibt inzwischen viele nette Kneipen und Cafés, in denen Lesben, Schwule und Trans* gerne gesehen werden. Es ist halt mittlerweile auch hier hip ,anders’ zu sein“, erzählt Janina. Im Zentrum von Warschau, rund um den malerischen Plac Zbawiciela, ist in den letzten Jahren ein Treffpunkt für ein aufgeschlossenes Publikum entstanden. Lesben kommen hier voll auf ihre Kosten. Im PlanB können sie anspruchsvolle kulturelle Veranstaltungen in queer Atmosphäre genießen. Direkt gegenüber gibt es den besten Kaffee Warschaus – Café Karma punktet außerdem mit Malerei an den Wänden und köstlichen Frucht-Cocktails.
Auch die andere Seite der Weichsel, das verruchte Praga, bietet Lesben und Schwulen großartige Orte zum Entspannen und Feiern: Die Bar W oparach
absurdu ist eine alternativ angehauchte Kneipe in gemütlich-urigem Krakauer-Stil. Zum großen Bedauern von Sylwia und Janina hat das sagenumwobene Le Madame vor einigen seine Pforten Jahren schließen müssen. Der Club Rasko und der mehrstöckige „heterofriendly gay-club“ Tomba Tomba mit Whirlpool im Keller und angesagter Elektro-Musik, versuchen diese Lücke zu schließen. Im Cafe Miejsce – ein von Lesben geführtes Café – trifft Kunst auf Kaffee und gute Unterhaltung. Hier hat Sylwia ihre Ausstellung „Invisible“ zum ersten Mal gezeigt.
Sylwias Bilder zeigen Orte in und rund um Warschau, die lesbisch und schwul geprägt sind. Dazu hat sie sich persönliche Erinnerungen erzählen lassen. So ist eine beeindruckende Ausstellung über die lesbische und schwule Stadtkultur Warschaus entstanden, die im größeren Rahmen erstmalig zum CSD 2009 in Stockholm gezeigt wurde. Sie vermittelt ein zeitgenössisches, manchmal gebrochenes, Bild von der Vielfalt homosexuellen Lebens in Polen und verbleibt mit dem Resultat: „Schwullesbische Kultur? Natürlich existiert die. Natürlich existiert die nicht“. Was das bedeutet?
Bilder und Erinnerungen versuchen Antworten zu geben. Doch diese
lassen sich ebenfalls auf der eigenen Erkundigungsreise durch die Stadt an der Weichsel entdecken – es lohnt sich! Witam w Warszawie!
Judtih Czakert
Mehr zu Warschau hinter den Kulissen in L-MAG Mai/Juni 2010
Warschauer Szene
KPH (Kampania Przeciw Homofobii) Polnische Kampagne gegen Homophobie
Szene:
Bastylia, Ulica Mokotowska 17
Plan B, Aleja Wyzwolenia 18
Coffee Karma, Plac Zbawiciela 3/5
M 25, Ulica Mińska 25
Chłodna 25, Ulica Chłodna 25
Cafe Miejsce, Ulica Polna 40
Rasko, Ulica Burakowska 12
Tomba tomba, Ulica Brzozowa 37
Hostel-Empfehlungen:
Hostel Helvetia, Ulica Sewerynow 7
Nathan’s Villa Hostel, Ulica Piekna 24/26
Oki Doki Hostel, Ulica Dąbrowskiego 3
Mehr unter: www.warsaw.gayguide.net
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