L-Mag

Umfrage zu Diskriminierung und Gewalt

Mitmachen können alle „die einen Bezug zur lesbischen Lebensweise haben“

l-mag im August 2010 – Eigentlich ist es ja unglaublich: Über die Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen und bisexuellen Frauen sowie trans* Menschen gibt es keine aussagekräftigen aktuellen Daten. Trotz jahrelanger Arbeit in diesem Bereich, so Saideh Saadat-Lendle von der Lesbenberatung Berlin, hätten sie auch selbst „kein klares Bild“ davon. Sie könnten nur anhand der von ihnen geleisteten Beratung Vermutungen anstellen.

Das soll nun anders werden. LesMigraS Berlin, der Antidiskriminierungsbereich der Lesbenberatung, startet eine bundesweite Kampagne unter dem Motto „Identität kennt kein Entweder-Oder?", aus der die erste aussagekräftige Studie zur Diskriminierung von lesbischen und bisexuellen Frauen sowie trans* Menschen hervorgehen soll.

Der nächsten L-MAG September/Oktober (erscheint am 27.8.) liegt ein umfangreicher Fragebogen zum Thema bei. Zum Ausfüllen, Weitergeben, Mitmachen. Gefragt wird dort zum Bespiel, wie häufig man am Arbeitsplatz, bei Behörden, in der Familie, aber auch in der Szene diskriminiert wurde. Ein ganzes Kapitel widmet sich Ausgrenzungen, die trans* Menschen erleben. Auch rassistische Diskriminierungen sind Thema.

Damit ist der Fragebogen auf der Höhe der Zeit. Wissenschaftlich sei längst erwiesen, so Saideh, dass man übergreifend arbeiten müsse. Wie Diskriminierung erlebt, wahrgenommen und bearbeitet werde, sei immer davon abhängig, wie man kulturell, sozial und vom Genderausdruck her eingebettet sei. Manchmal sei auch gar nicht klar, worauf der Angriff zielte: Auf das Lesbisch-Sein, die Hautfarbe, das Unweiblich-Aussehen, oder ...?

Begleitet wird der Fragebogen von ausführlichen persönlichen Interviews und einer Öffentlichkeitskampagne mit Plakaten und Postkarten. Schon das Ausfüllen des Fragebogens selbst, so Kampagnenleiterin Saideh, hole viele Erfahrungen wieder hoch, die man verdrängt habe. Damit schärfe die Kampagne auch das Bewusstsein für Diskriminierung.

Ziele der Studie, die von der Lottostiftung und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes finanziell gefördert wird, sind ein besseres Beratungsangebot und politische Forderungen für eine gewaltfreie Gesellschaft. Die Ergebnisse, die mit einem wissenschaftlichen Expertinnenteam erstellt werden, sollen im September 2011 vorliegen.
Gudrun Fertig

Den Fragebogen kann man auch online unter lesmigras.de ausfüllen. Einsendeschluss ist Ende November.

trans* meint in diesem Zusammenhang transsexuelle, transgender oder transidente Menschen


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