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„Unsere Kultur tickt da anders"

Interview mit der Chefredakteurin des ersten indischen Lesbenmagazins Jiah

Foto: Keith

Apphia Kumar (auf dem Foto links mit der Künstlerin Resh Val) ist Chefredakteurin des ersten Lesbenmagazins in Indien. Seit Januar 2010 ist Jiah – For the Woman with Heart –  auf dem virtuellen Markt. Viermal im Jahr soll das englischsprachige E-Magazin erscheinen. Im kommenden Jahr ist es auch als Zeitschrift auf Papier geplant.

Chefredakteurin Apphia Kumar, 25 Jahre alt, sprach mit L-MAG über das neue Heft und das queer Leben in der größten Demokratie der Welt.

L-MAG: In Indien gibt es bereits einige Magazine für die Queer Community. Was hat Jiah, was die anderen nicht haben?
Apphia Kumar:
Es stimmt, wir haben einige großartige Magazine wie The Queer Chronicle oder Bombay Dost. Das Problem ist nur, dass ich mich mit vielem darin nicht identifizieren kann. Die Schwulen sind in Indien wesentlich präsenter und entsprechend steht auch der schwule Lifestyle in den Magazinen im Vordergrund.
Jiah soll den Frauen in der Community ein Gesicht verleihen. Alle Inderinnen im In- und Ausland sollen wissen: Ich bin nicht alleine. Und natürlich geht es auch darum, die stereotypen Vorstellungen aufzubrechen. Denn wenn heterosexuelle Personen meinen, sie wüssten alles über mich, nur weil sie mit den queer Stereotypen vertraut sind, die sie selbst kreiert haben, dann nervt das scho
Im vergangenen Sommer hat der Oberste Gerichtshof in Delhi das seit der britischen Kolonialzeit geltende Verbot von Homosexualität aufgehoben. Ist damit auch das gesellschaftliche Klima toleranter geworden?
Ich würde es einmal so ausdrücken: In den großen Städten lässt sich das Thema nicht mehr unter den Teppich kehren. Es gibt zahlreiche Gruppen, an die sich queer Frauen und Männer wenden können, wenn sie Unterstützung brauchen. Und in den
Medien wird regelmäßig über uns berichtet. Trotzdem haben manche noch Angst vor einem Outing.
Gibt es Promis, die ihr Coming-out hatten?

Da fällt mir nur ein schwuler Prinz ein: Manvendra Singh Gohil, der Sohn des Maharadschas und der Maharani von Rajpipla im Bundesstaat Gujarat. Er hatte 2006 sein Coming-out und setzt sich seitdem für einen gesellschaftlichen Wandel ein. Ebenso wie die Bollywood-Schauspielerin Celina Jaitley. Allerdings ist sie heterosexuell. Es wäre schön, wenn sich uns noch mehr Menschen anschließen würden, damit sich am Ende des Tages wirklich etwas bewegt.
Wie sieht das lesbische Leben in Indien aus? Kann man am Connaught Place in Delhi zwei Lesben sehen, die sich küssen?
Nun ja, wir sind eher konservativ. Ich würde meine Freundin in der Öffentlichkeit nicht küssen. Auch meinen Freund nicht. Unsere Kultur tickt da anders. Ich würde meine Freundin noch nicht einmal im Beisein meiner Mutter küssen. Aber vermutlich würde ich ihre Hand halten. Ich würde meinen Arm um ihre Schultern legen. Und ich würde ihr die Türen aufhalten. Aber ich finde nicht, dass man seine Zuneigung in aller Öffentlichkeit ausleben muss. Ich mag es, wenn die Liebe geheimnisvoll bleibt.

Das ausführliche Interview in der aktuellen L-MAG März/April!

Das Magazin kann kostenlos unter mail.jiah@gmail.com als pdf bestellt werden!

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