L-Mag

Hanna Batka: „Ich will den Leuten zeigen, dass sie mit Hass nichts ausrichten können“

Hanna Batka schuf sich mit ihren einfühlsamen Popsongs über Instagram ihre erste Fangemeinde. Mit L-MAG sprach die 21-jährige Newcomerin über ihre erste Gitarre, lesbische Fans und Katzenbabys.

© Marco Sensche Mit Gitarre und sanfter Stimme sang die New­comerin Hanna Batka auf Instagram ihre Lovesongs – und traf damit den Geschmack von Tausenden Fans

Von Paula Lochte

3.5.2021 – Hanna Batka schreibt Popsongs über Küsse im Regen und angeknackste Herzen. Ihre Lieder tragen Titel wie „Himmel auf Erden“, „Drachenblut“ und „Einfach Glück“. Im März erscheint das erste Album der 21-Jährigen. Doch viele kennen sie schon: 2019 ging sie mit Christina Stürmer auf Tour und ihr Song „We Are“ lieferte den Soundtrack für einen Werbespot der Deutschen Bahn. In ihren Songtexten und Musikvideos erzählt Batka lesbische Liebesgeschichten. Am liebsten steht sie mit ihrer Freundin Irys vor der Kamera, sei es beim Musikvideodreh, auf Instagram oder TikTok. Seit zwei Jahren sind die beiden Musikerinnen ein Paar und wohnen „Mitten in Berlin“ – so auch der Titel von Batkas Debütalbum.

L-MAG: Nach mehreren Singles erscheint nun dein erstes Album. Weißt du noch, wo du warst, als du zum ersten Mal einen Song von dir im Radio gehört hast?

Hanna Batka: Ich saß mit meiner Freundin im Auto, das Radio lief – und auf einmal kam mein Song. Da war ich auf Tour in Würzburg und hatte dafür einen tollen Mietwagen bekommen, zuhause fahre ich nur einen kleinen Golf. Wir haben nach Luft geschnappt und ich habe gerufen: „Oh mein Gott!“ Dann bin ich total abgegangen. Abends habe ich dann ein Wohnzimmerkonzert gespielt.

Wie sieht so ein Wohnzimmerkonzert aus?

Die habe ich vorletzten Sommer auf Instagram verlost. Das erste Konzert hat ein lesbisches Pärchen aus Norddeutschland gewonnen. Sie haben Freunde und Geschwister eingeladen und dann bin ich in ihrer kleinen Wohnung aufgetreten. Zwölf Shows habe ich insgesamt gespielt – von Bremen bis Bayern. Mal war ich im Wohnzimmer, mal im Garten, wo wir danach noch gegrillt und ein Bierchen getrunken haben. Das war der Hammer!

2019 warst du als Vorband mit Christina Stürmer auf Tour. Was hat sich dadurch verändert für dich?

Ich bin zum ersten Mal ins Showbusiness eingetaucht. Eine komplett neue Welt für mich! Am Anfang war ich so dermaßen aufgeregt, dass ich nicht auf die Bühne wollte. Schon in der Schule hatte ich immer totale Angst, vor Leuten zu stehen. Vorträge waren der Horror für mich! Meine Beine haben dann so stark gezittert, dass es meine Mitschülerinnen und Mitschüler sehen konnten. Meine Hände waren schwitzig und obwohl ich die Karteikarten auswendig konnte, habe ich mich immer verhaspelt. Durch die Tour stand ich jeden Tag auf der Bühne. Am Ende war ich nicht mehr aufgeregt, es hat einfach Spaß gemacht.

Christina Stürmer ist hetero, hat aber eine große lesbische Fanbase. Wer hört deine Musik?

Ich habe total viele lesbische Fans, die mich auf Instagram entdeckt haben. Durch die Tour mit Christina Stürmer hören mich jetzt aber auch ein paar coole Jungs, ältere Leute und Kinder. Der größte Teil sind aber immer noch Frauen, vor allem lesbische.

In sozialen Medien und Musikvideos zeigst du klar, dass du lesbisch bist. Inwiefern ist es dir wichtig, dadurch LGBT sichtbarer zu machen?

Die Leute sollen merken: Homosexualität ist nichts Schlimmes, sondern so normal wie jede andere Beziehung. Bei einem TikTok-Livestream mit meiner Freundin wurde ich zum ersten Mal mit homophoben Kommentaren konfrontiert. Erst war ich eingeschüchtert. Dann haben wir weitergemacht: uns geküsst, in den Arm genommen und darauf geschissen. Ich will den Leuten zeigen, dass sie mit ihrem Hass gegen so eine große Bewegung nichts ausrichten können.

Das macht queeren Jugendlichen Mut! Du hast dich mit 14 Jahren geoutet. Wie war das?

Ich habe meinen Eltern einen kleinen Brief geschrieben und ihnen unters Kopfkissen gelegt: „Liebe Mama, lieber Papa, ich glaube, ich stehe auf Frauen. Meine Freunde wissen das schon, mir geht es gut.“ Dann bin ich eine Woche zu einer Freundin nach Wuppertal gefahren – in gewisser Weise also geflohen. Aus dem Zug habe ich ihnen geschrieben, wo sie den Brief finden. Die Antwort kam über WhatsApp: „Alles gut!“ Mein Papa meinte sogar, das habe er schon vermutet. Eltern haben manchmal so ein Gespür. Wenn ich neue Musik aufnehme, zeige ich sie deshalb als erstes meinen Eltern.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Ich habe wahrscheinlich schon im Bauch gehört, wie meine Mama Geige spielte. Sie ist Violinistin an einer der Berliner Opern und übt jeden Tag. Mein Papa ist Trompeter. Mit vier Jahren habe ich auch angefangen, Geige zu spielen. Als ich in die Pubertät kam, hatte ich keine Lust mehr auf Klassik. Zu Weihnachten habe ich dann meine erste Gitarre bekommen. Sie war mattschwarz und sah aus wie die Gitarre, die Justin Bieber im Musikvideo zu „Boyfriend“ spielt.

In dem Video sitzt er auf der Motorhaube eines Oldtimers und wird von lauter schönen Frauen angehimmelt ...

Ich weiß noch, wie ich als Teenie immer auf die neuen Alben von Justin Bieber oder Shawn Mendes hingefiebert habe. Kaum zu fassen, dass jetzt mein erstes eigenes Album rauskommt.

„Du bist mein Komet, du bist mein Stern“ und „Ganz egal, wie oft du es brichst, mein Herz zerstörst du nicht“ – das sind Zeilen aus deinen Songs. Erzählst du auf dem Album deine eigenen Liebesgeschichten?

Auf jeden Fall. Meinen ersten Song „Drachenblut“ habe ich mit 16 Jahren geschrieben. Da war ich zum ersten Mal verliebt, und wir hatten uns gestritten. Ich kam nach Hause und wusste nicht, wohin mit mir. Ich habe mir dann einen Zettel geschnappt und mir von der Seele geschrieben, was ich fühle und was ich mir wünsche: ein Herz, das nicht kaputt geht, und dass ich alleine stark bin. Meine Songs erzählen von der verrückten Phase des Erwachsenwerdens und davon, wie ich von einem schüchternen Schulmädchen zu einer selbstbewussten jungen Frau geworden bin, die weiß, was sie will, und für ihre Meinung einsteht.

Was hat dir geholfen, so stark zu werden?

Mein Freundeskreis und meine jetzige Freundin Iris. Meine Ex hatte mein Selbstbewusstsein runtergebrettert. Nach dem Motto: Ich schneide dir die Flügel ab, damit du nicht wegfliegst. Iris hat mir das beigebracht, wovon ich im Song „Komet“ singe. Der ist auch an mein altes Ich gerichtet: „Wieso vergleichst du dich? Mach dich nicht dauernd klein! Auch dein Spiegel sagt dir, du sollst genau so sein. Du bist wunderschön, einfach nur so, wie du bist.“

Wie habt ihr euch kennengelernt?

In der Berliner Lesbenszene. Wir sind seit zwei Jahren ein Paar, davor waren wir befreundet. Ich fand sie schon immer todeshübsch und habe sie bewundert. Aber richtig wahrgenommen haben wir uns erst, als ich mich von meiner Ex getrennt hatte. Iris hat den ersten Schritt gemacht. Wir waren in Berlin auf dem lesbisch-schwulen Stadtfest am Nollendorfplatz und beide schon etwas angetrunken. Plötzlich hat sie mir zugeraunt, wie schön sie mich findet und wie gut ich tanze. Ich dachte: „Hä?!“ Ich konnte nicht glauben, dass sie mich auch gut findet.

Deine Freundin Iris spielt in mehreren deiner Musikvideos mit. Wie ist es, gemeinsam vor der Kamera zu stehen?

Wunderschön. Wir sind einander so vertraut, dass die Szenen nicht gespielt wirken. Unsere Blicke sind nicht aufgesetzt, sondern real. Ich glaube, das merkt man. Und das Drehen macht uns einfach Spaß! Iris ist auch Musikerin und nimmt gerade unter dem Namen Irys ihre ersten Songs auf. Ihre Musik ist ganz anders als meine: frech und auf die Fresse.

Ihr wohnt in einer gemeinsamen Wohnung im Osten Berlins – allerdings nicht allein, wie dein Instagram-Profil zeigt.

Unser Kater war einsam, also haben wir uns noch eine Katze geholt. Er ist nicht kastriert. Jetzt haben wir fünf kleine Katzenbabys. Die fangen gerade an zu laufen und miteinander zu spielen. Ich sitze den ganzen Tag davor und schaue sie an – das perfekte Hobby in Corona-Zeiten.

Wie geht es jetzt für dich weiter?

Eigentlich wäre nach dem Album eine Konzerttour geplant gewesen. Jetzt müssen wir abwarten. Ich vermisse es, auf der Bühne zu stehen. Bis das wieder geht, schreibe ich neue Musik.

Das Interview erschien zuerst in der Print-Ausgabe von L-MAG März/April 2021.

 

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