L-Mag

Lesbisch geladen: Deutschlands bekannteste Truckerlesbe

Steffka Arnold wurde durch die Dokuserie „Trucker Babes“ zur bekanntesten lesbischen Truckerin Deutschlands. Wir haben sie zum Interview getroffen, und wer sie schon immer mal live sehen wollte, könnte im Sommer auf diversen CSDs Glück haben.

Till Oldigs/Kabel Eins Stefanie Arnold, Spitzname Steffka, vor ihre Zugmaschine

Erschienen in der L-MAG-Ausgabe 3-2026 (Mai/Jun)

Von Elke Koepping

Bei den CSDs in Hamburg und Köln und bei Rave the Planet in Berlin gibt es in diesem Jahr nicht nur auf den Ladeflächen der LKWs was auf die Augen, sondern auch in der Steuerkabine: Da könntet ihr den Wuschelschopf von Stefanie „Steffka“ Arnold aus der TV-Doku Trucker Babes (Kabel 1) erspähen. L-MAG sprach mit Steffka über ihren Job, nervige Typen und „Traka-Romantik“.

L-MAG: Mensch, Steffka, du fährst gerade nachts, wieso das denn?

Steffka: Meine Firma macht Sicherstellungen, was richtig interessant ist. Da lade ich Bagger. Ich muss von Köln nach Nordfriesland, und die Strecke fährst du lieber nachts. Tagsüber brauchst du neun oder zehn Stunden. Aber so: Alle schlafen, da kommste entspannt durch. Ist auch keine Polizei unterwegs.

Du bist jetzt beim CSD dabei. Erzähl mal …

Ich habe ein Angebot bekommen von Nico von Moveliner. Bei diversen Veranstaltungen hat er Party-Auflieger oder fährt die im Auftrag von Kunden. Er hat mich gefragt, ob ich da nicht Bock drauf hab‘, und ich hab‘ gesagt, „Na klar hab‘ ich da Bock drauf.“

Deine Beziehung ist kürzlich in die Brüche gegangen. Bringt das der Job mit sich?

Logo, es ist halt auch der Job. Du hast Leute, die fahren morgens um neun los, die sind abends um sechs wieder zu Hause. Da habe ich aber von vornherein gesagt, da habe ich keinen Bock drauf. Also, wenn ich arbeiten gehe: Sonntags packe ich meinen LKW mit Lebensmitteln, mit Klamotten, mit allem, was ich brauche, und dann steige ich montags ein und komme auch erst freitags wieder. Ich hab‘ auch wirklich Bock auf dieses Straßenleben, wo du den ganzen Tag unterwegs bist. Dann suchst du dir irgendwo einen entspannten Schlafplatz. Dass man sich die ganze Woche nicht sieht – da musste für gemacht sein. Das kann halt nicht jede. Das ist so die Schattenseite, aber trotzdem lieb‘ ich meinen Job.

Wirst du denn erkannt, im LKW oder auf dem Bau?

Ich werde ständig erkannt! Die Leute kommen so zu mir: „Ich kenn dich.“ Und dann mein Standardspruch, den habe ich Monte geklaut: „Ja, ich drehe sehr erfolgreich Pornos.“ Die Blicke sind unbezahlbar.

Und wirst du auch von Frauen angeflirtet?

Ich weiß auch nicht warum, aber es sind, Tatsache, eher die Männer. Die dann so: „Wir können ja mal ‘nen Kaffee trinken gehen.“ Und ich dann so: „Nein, Danke. Ich habe eine traumatische Erfahrung mit Kinderkaffee in frühen Jahren. Ich trinke keinen Kaffee.“ Ich glaube, in der Szene ist dieses Format gar nicht so verbreitet.

Hast du schon komische Erfahrungen im Job gemacht, weil du eine Frau bist? Oder spielt das keine Rolle mehr?

Klar, wenn du auf eine Baustelle kommst, da hast du zwei Kategorien. Du hast Typ eins: Die stehen wie Tick, Trick und Track mit verschränkten Armen in der Ecke und gucken erstmal, ob du überhaupt rückwärtsfahren kannst. Dann kommen sie: „Ja, du musst da rückwärts rein.“ Und ich sage dann immer: „Ach je, ich hatte eine Stunde Rückwärtsfahren, ich versuch‘ mich mal zu erinnern.“ Oder du hast die anderen, diese übermotivierten „Oh Gott, da kommt eine Frau.“ Kaum kommste auf die Baustelle, machen sie dir schon die Spanngurte hinten los. Dass die dir nicht im Fahren noch die Felgen putzen. Ich mag beides nicht. Ich möchte ganz normal behandelt werden, wie eine Frau, die einfach ihre Arbeit macht. Ob ich jetzt einen LKW fahre oder irgendwem die Haare schneide.

Gibt es auch gute Erfahrungen?

Ja, die überwiegen auch, sagen wir 60 zu 40. Wenn ich fertig bin in der Baustelle, hab‘ ich die Skeptiker auch ein Stück weit überzeugt.

LKW-Fahren: Was macht Spaß daran, was nervt?

Boah, der Ruhrpott nervt, die ganzen Staus nerven, Rennradfahrer nerven. Was Spaß macht: Wenn ich dann abends irgendwo an einem Windpark stehe oder in einem Feld. Da trinkste dein Bier, guckst dir einen Sonnenuntergang an und bist einfach so im Einklang mit dir selber. Das hört sich jetzt irgendwie so – hmm – an, aber ja. Das ist das Beste an dem Job.

Die „Traka-Romantik“ … Beim CSD wird’s ja eher ein gemütliches Tempo!

Ich bin so gespannt. Normalerweise steh‘ ich immer betrunken an irgendeinem Mülleimer. Und jetzt sitze ich da voll nüchtern und fahre und gucke mir die ganzen feiernden Leute an. Ich hab‘ da richtig Bock drauf!

 

Trucker Babes: 400 PS in FrauenhandStaffel 16 im Stream auf Joyn

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