The Dinah: „Eine queere Utopie für fünf Tage im Jahr“
Das The Dinah-Festival in Kalifornien ist seit 35 Jahren die wahrscheinlich größte lesbische Party der Welt. Wir sprachen mit der neuen Co-Leiterin Bella Barkow.
RADskillZ The Dinah 2025Erschienen in der L-MAG-Ausgabe 3-2026 (Mrz./ Apr.)
red. - Für das lesbische Party-Even The Dinah, das 1991 zum ersten Mal - damals parallel zu einem Frauen-Golfturnier - stattfand, beginnt eine neue Epoche: Die Gründerin Mariah Hanson ging in Rente und übergab das Festival an ihre Mitarbeiterin Bella Barkow und „Celesbian“ Rose Garcia, bekannt aus der Reality-Doku The Real L Word. Wir sprachen mit Bella Barkow.
L-MAG: Bella, wann warst du selbst zum ersten Mal beim The Dinah? Woran erinnerst du dich?
Bella Barkow: Ich glaube, das war 2015 oder 2016. Ich hatte noch nie so viele queere und lesbische Frauen an einem Ort gesehen, es war eine Offenbarung. Ich erinnere mich, wie ich dachte: Das ist eine Organisation, zu der ich gehören möchte! Und Jahre später wurde ich tatsächlich eingestellt. Angefangen habe ich als Pool Stage Managerin, später bin ich zur Betriebsleiterin aufgestiegen ...
... und Anfang 2026 hast du dann gemeinsam mit Rose Garcia die Festivalleitung von Mariah Hanson übernommen, die The Dinah vor 35 Jahren gegründet und seitdem geführt hatte. Ein mutiger Schritt. Wie kam es dazu?
Mariah hat das Team versammelt und zu uns gesagt: „Ich möchte euch das persönlich mitteilen, bevor ich es öffentlich mache. Ich werde in Rente gehen und die Firma verkaufen.“ Wir waren alle überrascht. Es war traurig, besorgniserregend, wir wussten nicht, wer die Leitung übernehmen würde. Eine Stunde nach Ende des Treffens wurde ich aktiv, rief Mariah an und sagte: „Ich möchte mich bewerben.“ Ich hatte das Glück, das nötige Kapital auftreiben und mit Rose Garcia zusammenarbeiten zu können, um den Kauf abzuschließen.
Inwiefern wollt ihr in Mariahs Fußstapfen treten? Und was wollt ihr anders machen?
Mariah war eine fantastische Chefin. Ihre Kritik klang nie hart, man hatte das Gefühl, sie wollte einem etwas beibringen, einen fördern. Ich hoffe, dass wir dieses Erbe weitertragen können. Und was wir anders machen wollen? Ich bin definitiv viel technikaffiner.
Die Tickets für The Dinah sind nicht gerade billig. Wie wollt ihr sicherstellen, dass das Festival auch für jüngere Generationen zugänglich bleibt?
Wir haben weitere, günstigere Ticketoptionen eingeführt, zum Beispiel den „Dinah Quickie Pass“. Und wir haben vor, einen Vertrag mit einem anderen Hotel abzuschließen, das eine günstigere Alternative zu unserem Haupthotel, dem Hilton, bietet. Ganz ehrlich, wenn ich könnte, würde ich jeder, die es braucht, Tickets schenken. Aber leider wäre das kein tragfähiges Geschäftsmodell und dann gäbe es uns für künftige Generationen nicht mehr.
Viele Events für Lesben kämpfen damit, sich finanziell über Wasser zu halten. Welche Strategie verfolgt ihr, damit es The Dinah auch noch in einigen Jahren gibt?
Wir suchen nach neuen Sponsoren. Das ist schwierig, denn die gesellschaftliche Ablehnung des Begriffs DEI („Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion“, Anmerkung der Redaktion) in den USA hat dazu geführt, dass weniger Sponsoren bereit sind, sich zu engagieren. Wir schaffen aber mehr Möglichkeiten für kleinere queere Organisationen und für Mikro-Sponsorings. Was Mariah gut gemacht hat – und ich hoffe, Rose und ich können das fortführen – ist, einen Ort zu schaffen, der für fünf Tage im Jahr eine queere Utopie bietet. Wir brauchen diese Auszeit, einen Ort, an dem wir die Welt so sehen können, wie wir sie uns wünschen.
The Dinah, Palm Springs/USA, 30. September – 4. Oktober 2026 thedinah.com
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