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8 neue Lesbenfilme, die bald bei uns starten

Action, Drama und Liebe mit lesbischen oder bisexuellen Hauptfiguren und Filmstars wie Kristen Stewart, Keira Knightley, Rachel Weisz und Melissa McCarthy: Wir stellen Filme vor, die in den nächsten drei Monaten im Kino oder auf DVD kommen.

Keira Knightley (r.) und Denise Gough in "Colette"

Von Karin Schupp

11.11.2018 - Dass der Anteil lesbischer und bisexueller Charaktere im Kino zurzeit wächst, haben wir dem gestiegenen Interesse an historischen Frauenfiguren zu verdanken, denn viele dieser porträtierten Frauen waren nicht hetero. Und auch fiktionale Lesbenfiguren finden sich längst nicht mehr nur in Coming Out- oder Liebesdramen. Auch schön: Liefen solche Produktionen früher meist nur auf LGBT-Filmfestivals, kommen sie nun immer häufiger auch ins Kino oder zumindest auf DVD - so auch diese acht Filme:

 

Verschwörung, USA, Regie: Fede Álvarez, 117 min., Kinostart: 22. Nov.

Worum geht’s? Der Film basiert auf Band 4 der „Millennium“-Reihe, der nicht mehr von Stieg Larsson geschrieben wurde, und bietet mit Claire Foy schon die dritte Lisbeth Salander auf – nichts für Puristinnen also! Die Inszenierung ist gewohnt düster und actionreich, das Drehbuch wenig originell, aber spannend genug - alle jagen ein verschwundenes Waffenkontrollprogramm, und Lisbeths totgeglaubte Schwester taucht auf – und Foy, bekannt als junge Queen Elizabeth in The Crown, überzeugt durchaus als punkige Hackerin. Pluspunkt: Sie ist diesmal die alleinige Hauptfigur, während Mikael Blomkvist (Sverrir Gudnason) zum Sidekick degradiert wurde.

L-Faktor: Dass Lisbeth bi ist, wird nicht unterschlagen: In einer frühen Szene liegt eine Loverin, gespielt vom Transgender-Model Andreja Pejic, in ihrem Bett. Und auch Geheimdienstchefin Grane (Synnøve Macody Lund) scheint den Frauen nicht abgeneigt zu sein. Sex und Begehren spielen im Film aber keine Rolle - weder homo noch hetero.

Sony Pictures Claire Foy in "Verschwörung"

Die Erbinnen, Paraguay/ Deutschland u.a., Regie: Marcelo Martinessi, 95 min., Kinostart: 29. Nov.

Worum geht’s? Chela (Ana Brun) und Chiquita (Margarita Irún), seit Jahrzehnten ein Paar, haben ihr Erbe schon lange durchgebracht und schaffen es allmählich nicht mehr, die vornehme Fassade aufrecht zu erhalten. Als Chiquita wegen unbezahlter Rechnungen ins Gefängnis muss, bleibt Chela einsam und alleine zurück. Erst als sie durch Zufall zur Chauffeurin für wohlhabende Frauen wird, blüht sie auf. Vor allem die viel jüngere (und heterosexuelle) Angy (Ana Ivanova) weckt ihre Lebenskräfte. Der ruhige und intime Film lief auf der Berlinale 2018, wo Anna Brun für ihre sensible Darstellung als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde.

L-Faktor: 100% - ein lesbisches Paar mit lesbischen Freundinnen, und Männer tauchen nur am Rande auf! Eine klassische Liebesgeschichte ist es allerdings nicht.

Grandfilm Chela (Ana Brun, l.) und Angy (Ana Ivanova) in "Die Erbinnen"

Herzen schlagen laut, USA, Regie: Brett Haley, 97 min., DVD-Start: 29. Nov.

Worum geht’s? Frank (Nick Offerman), ein Witwer und alternder Hipster in New York, gründet mit seiner Tochter Sam (Kiersey Clemons) eine Band und landet mit ihr überraschend einen Online-Hit. Und während Sam sich auf ihren Umzug ins College vorbereitet, lebt sein alter Traum von einer Musiker-Karriere wieder auf. Um so schwerer tut sich Frank damit, dass Sam bald in eine andere Stadt ziehen wird. Toni Collette und Blythe Danner spielen auch mit.

L-Faktor: Sam verliebt sich in die Künstlerin Rose (Sasha Lane). „Sasha und ich wollten etwas auf die Leinwand bringen, was wir selbst gerne sehen würden“, sagte Clemons, die wie Lane auch privat queer bzw. lesbisch ist. „Ich habe mich so gefreut, junge Lesben zu zeigen.“ Im Vordergrund scheint aber Franks Geschichte zu stehen.

Lizzie Borden – Mord aus Verzweiflung, USA, Regie: Craig William Macneill, 105 min., DVD-Start: 11. Dez.

Worum geht’s? In den USA kennt jedes Kind die Geschichte von Lizzie Borden, die 1892 ihren Vater und ihre Stiefmutter mit einer Axt erschlagen haben soll, vor Gericht aber freigesprochen wurde – mehrere Bücher, Filme, Theaterstücke und eine Oper wurden aus dem Stoff schon gestrickt. Hier spielt Chloë Sevigny die Titelfigur und Kristen Stewart ihre Hausangestellte Bridget, die im Prozess als Kronzeugin aussagte. „Ich glaube, Lizzie war’s“, glaubt Sevigny, die den Film auch produzierte. „Und Bridget hing auf jeden Fall mit drin.“ Leider nur auf DVD!

L-Faktor: Hoch - Lizzie greift erstmals das Gerücht auf, dass Lizzie und Bridget ein Paar waren. Und Sex dürfen sie auch haben: „Das wollten wir ihnen gönnen“, so Sevigny, die schon häufig lesbische und trans Charaktere spielte und für ihre Rolle im Transfilm Boys Don’t Cry (1999) eine Oscar-Nominierung bekam. Und natürlich: KStew in ihrer ersten queeren Rolle!

Concorde Home Entertainment Kristen Stewart (l.) und Chloë Sevigny in "Lizzie Borden"

Colette,  USA/ GB, Regie: Wash Westmoreland, 111 min., Kinostart: 3. Jan. 2019

Worum geht’s? Keira Knightley als berühmteste Schriftstellerin Frankreichs (1873-1954), deren Karriere als Ghostwriterin ihres Ehemanns Willy (Dominic West) begann: Der nutzt ihr Talent aus und veröffentlicht ihre Bücher unter seinem Namen. Erst als Colettes Romane Bestseller werden, kämpft sie darum, endlich selbst als Autorin anerkannt zu werden.

L-Faktor: Colettes Leben würde auch heute noch als unkonventionell gelten: Sie war offen bisexuell, hatte drei Ehemänner und sorgte für einen Skandal, als sie ihre langjährige Geliebte Missy de Morny auf einer Bühne küsste. Missy (Denise Gough), die nur Männerkleidung trug, spielt auch im Film eine Rolle, eine weitere Loverin ist die Amerikanerin Georgie (Eleanor Tomlinson).

The Favourite – Intrigen und Irrsinn,  USA/ Griechenland, Regie: Yórgos Lánthimos, 105 min., Kinostart: 24. Jan. 2019

Worum geht’s? Eine Dreiecksgeschichte zwischen Königin Anne (Olivia Colman, The Crown), die im frühen 18. Jahrhundert regierte, ihrer Geliebten Lady Sarah  (Rachel Weisz), die mehr oder weniger Englands Regierungsgeschäfte führt, und der verarmten Adeligen Abigail (Emma Stone), einem Neuankömmling am Hofe. Die nimmt sofort ihren Wiederaufstieg ins Visier und versucht, die kränkliche Queen für ihre eigenen Zwecke auszunutzen. Bei den Filmfestspielen in Venedig 2018 gewann der Film den Silbernen Löwen. Deftig, rasant und witzig!

L-Faktor: Ein lesbischer Intrigantenstadl! Die enge Beziehung zwischen Anne und Sarah und deren Eifersucht auf Abigail sind historisch verbürgt, inwieweit - wie im Film - auch Liebe und Sex im Spiel waren, ist zwar Spekulation, anhand überlieferter Briefe aber nicht unwahrscheinlich. Weisz spielte schon in Ungehorsam eine lesbische Rolle, Stone in Battle of the Sexes.

 

Rafiki, Kenia, Regie: Wanuri Kahiu, 83 min., Kinostart: 31. Jan. 2019

Worum geht’s? Zwei junge Frauen in Kenias Hauptstadt Nairobi, Tomboy Kena (Samantha Mugatsia) und die angepasstere Ziki (Sheila Muniyva), verlieben sich ineinander. Dass ihre Väter politische Rivalen sind, ist natürlich nicht der einzige Grund, weshalb sie ihre Beziehung vor ihren Eltern und Freunden geheim halten: Ihr gesamtes Umfeld ist homophob. Als ihre Liebe auffliegt, müssen sie eine Entscheidung treffen: Glück oder Sicherheit?

L-Faktor: Die sehr konventionell erzählte lesbische Lovestory gewinnt durch ihren Hintergrund an Brisanz: In Kenia ist „Werbung“ für Homosexualität illegal, und folglich war Rafiki, der in Cannes 2018 Premiere feierte, in seiner Heimat verboten: Den Zensoren war das Ende nicht "reuevoll" genug. Erst im September erzwang die Regisseurin vor Gericht, den Film eine Woche lang zeigen zu dürfen – und wurde prompt zum zweiterfolgreichsten kenianischen Film aller Zeiten. Im westlichen Ausland ist er ohnehin längst ein Festivalliebling.

Salzgeber Filmverleih Kena (Samantha Mugatsia, l.) und Ziki (Sheila Muniyva) in "Rafiki"

Can You Ever Forgive Me?, USA, Regie: Marielle Heller, 106 min., D-Start: 21. Feb. 2019

Worum geht’s? Eine wahre Geschichte: Die renommierte New Yorker Biografin Lee Israel (Melissa McCarthy) beginnt während einer beruflichen Flaute in den Neunzigern, alte Briefe von Schriftstellern und anderen Prominenten zu fälschen und mit Hilfe ihres Freunds Jack (Richard E. Grant) zu verkaufen – bis ihr das FBI auf die Schliche kommt. Der Film mit McCarthy in ihrer ersten ernste(re)n Rolle basiert auf Israels Memoiren.

L-Faktor: Israel war offen lesbisch – der Filmkritiker der Variety bemängelte aber, dass der Film ihre sexuelle Orientierung „versteckt (oder zumindest herunterspielt), während der offen schwule Jack kaum an einem Hydranten vorbeigehen kann, ohne ihn nach seiner Telefonnummer zu fragen.“

Twentieth Century Fox Lee (Melissa McCarthy) in "Can You Ever Forgive Me?"

Auch wenn einige Trailer bisher nur in der Originalversion vorliegen: Die Filme erscheinen alle in deutscher Synchronfassung.

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