L-Mag

K-Word #373: Neues aus der Lesbenwelt

Serienfinale von „The 100“ bringt Lexa zurück, Ella Masar & Babett Peter, Sue Bird & Megan Rapinoe, Pernille Harder, Kristen Stewart, Elisabeth Moss in bisexueller und Taylor Schilling in lesbischer Rolle, „Alles was zählt“-News und mehr!

Von Karin Schupp

9.10.2020 - Comeback von „Clexa“: Im Serienfinale von The 100 gibt es ein Wiedersehen mit Lexa (Alycia Debnam-Carey), der getöteten Loverin von Hauptfigur Clarke (Eliza Taylor)! Sie ist allerdings nur ein Avatar eines „Richters der Menschheit“, der sich stets in die Person verwandelt, die sein Gegenüber am meisten geliebt hat. Laut Fans soll die Szene der größte Lichtblick in der letzten Episode nach sieben Staffeln sein. Die dritte Staffel der Science Fiction-Serie löste 2016 einen gewaltigen Shitstorm aus, weil Lexa unmittelbar nach ihrem ersten Sex mit Clarke erschossen wurde (K-Word #161). Und es blieb nicht nur beim Online-Protest: Es gründeten sich Initiativen wie „LGBT Fans Deserve Better“, auch die Mainstream-Medien berichteten über das Phänomen, dass lesbische und bisexuelle TV-Charaktere überdurchschnittlich häufig sterben müssen – und tatsächlich hat sich die LGBT-Todesrate in Serien seitdem deutlich verringert. Staffel 7 steht bei iTunes und Amazon Video, eine deutsche Synchronfassung gibt’s allerdings noch nicht.

The CW „Clexa“ waren auch die Namensgeberinnen der LGBT-Fan Convention ClexaCon: Clarke und Lexa im Serienfinale von „The 100“

Nur die Deutschen haben das Memo noch nicht gekriegt und versemmelten in der dritten Staffel von Babylon Berlin (ARD, ab 11. Okt.) die Lovestory zwischen Hautpfigur Charlotte Richter (Liv Lisa Fries) und Vera (Caro Cult, unser Interview), die in Folge 4 beginnt und in Folge 6 nach nur minimaler gemeinsamer Bildschirmzeit wieder rüde abgewürgt wird.

Statt queere Charaktere sterben zu lassen, stellt Corona-Gewinnler Netflix, bislang ein Vorreiter in Sachen LGBT-Content, ganze Serien mit queeren Charakteren ein: Die Pandemie musste als Begründung dafür herhalten, dass der Streamingdienst die bereits georderten Fortsetzungen von zwei Serien wieder abbestellten. Es handelt sich dabei um die Comicverfilmung I am not okay with this  mit einer lesbische Hauptfigur, die telekinetische Kräfte hat, und um die finale Staffel der 80er-Jahre-Wrestling-Serie GLOW, in der seit Staffel 2 ein Frauenpaar zusammen ist und in Staffel 3 eine männliche Hauptfigur ihr schwules Coming Out hatte. GLOW-Produzentin Jenji Kohan (Orange is the New Black) darf auch ihre neueste Serie Teenage Bounty Hunters (seit Aug. bei Netflix) nicht fortsetzen. Auch hier erlebt eine der beiden weiblichen Hauptfiguren ihr Coming Out, was aber wohl erst in Staffel 2 so richtig zum Tragen gekommen wäre.

Netflix Wir sind nicht okay mit dieser Serien-Absetzung: Sydney (Sophie Lillis, l.) mit Dina (Sofia Bryant) in „I am not okay with this“

Vier Wochen nach der Geburt ihres Sohns (K-Word #372) war Ex-Fußballerin Ella Masar zu Gast bei „Mittags bei Henning“, dem Podcast von Anja Mittag (K-Word #337) und Josephine Henning; mit ersterer besuchte sie in dieser Woche einen Trainerinnen-Lehrgang in Schweden. In der Episode „Babies, boobs and balls“ erfahren wir, wie Anja und Ella bei ihrem damaligen Verein FC Rosengård von Läusen befallen wurden, wie sich die US-Amerikanerin an unsere deutsche Direktheit gewöhnen musste und wie schwierig es für Sportlerinnen ist, während ihrer aktiven Zeit ein Kind zu bekommen – Ella hat daher letztes Jahr zwei lukrative Angebote abgelehnt und stattdessen ihre Karriere beendet. Übrigens vertrat sie im Interview ihre Lebensgefährtin Babett Peter, die von ihrem Club Real Madrid den Podcast-Besuch nicht erlaubt bekommen hatte (während ihr Real-Kollege Toni Kroos - wie Ella sehr richtig anmerkte - sogar einen eigenen Podcast mit seinem Bruder Felix machen darf).

InstagramElla Masar mit Baby Masar-Peter, das von Real ein Trikot geschenkt bekam, während Mitmutter Babett Peter kein Interview geben durfte

Pernille Harder wurde zur UEFA Spielerin des Jahres 2019/20 gekürt und ist damit die erste Fußballerin, der zum zweiten Mal diesen Titel bekam. Die Dänin, die im September von Wolfsburg zu Chelsea und damit in den Club ihrer Lebensgefährtin Magdalena Eriksson wechselte (K-Word #368), bekam auch die Trophäe für die Stürmerin der Saison in der UEFA Women's Champions League 2019/20. Und einen dritten Preis gab's obendrauf: den Danish Rainbow Award für ihren offenen Umgang mit ihrer Beziehung, wie sie während der Fußball-WM 2019 bewies, als sie ihre für Schweden spielende Freundin nach deren Achtelfinal-Sieg am Spielfeldrand küsste – ein Bild, das um die Welt ging.

Eriksson/ InstagramLernten sich bei ihren damaligen Verein Linköpings FC kennen und sind seit 2014 ein Paar: Pernille Harder (r.) und Magdalena Eriksson

Basketball-Star Sue Bird (K-Word #358) gewann am Dienstag mit Seattle Storm ihren vierten nationalen Titel, und mit ihr zusammen freute sich ihre Lebensgefährtin, Fußballweltmeisterin Megan Rapinoe. Die Saison der US-Frauen-Basketball-Liga WNBA wurde seit 2. August in Florida als Turnier vor leeren Rängen ausgetragen. In den zwei Monaten in ihrer „Wubble“ (= WNBA-Bubble) hatten sich die Spielerinnen bei vielen Gelegenheiten solidarisch mit der #Black Lives Matter-Bewegung und der #SayHerName-Kampagne (die auf die weiblichen Opfer rassistischer (Polizei-)Gewalt aufmerksam macht) gezeigt (K-Word #363).

„Als ich zum ersten Mal eine Frau datete, wurde ich sofort gefragt, ob ich lesbisch sei. Und ich so: ‚Ich bin dort erst 21!‘“, sagte  Kristen Stewart in einem Gespräch mit der lesbischen Regisseurin Clea DuVall (mit der sie den Lesbenfilm Happiest Season drehte (K-Word #368; bisher leider ohne deutschen Starttermin) und erklärte, dass sie sich damals dazu gedrängt gefühlt habe, sich zu „labeln“. „Ich hatte kein Problem damit zu zeigen, wer ich bin. Ich bin jeden Tag rausgegangen und wusste, dass ich fotografiert werde, wenn ich liebevoll zu meiner Freundin bin, aber ich wollte nicht darüber reden. Ich fühlte einen enormen Druck, aber nicht von der LGBTQ-Community [sondern durch die Medienberichterstattung]. Ich fühlte mich persönlich angegriffen.“ Das ist inzwischen völlig anders: „Jetzt genieße ich es. Ich liebe die Idee, dass alles, was ich hier mit Leichtigkeit tue, auf jemanden abfärbt, der Probleme hat. Das ist super!“ Seit letztem Jahr ist Kristen mit der Drehbuchautorin Dylan Meyer zusammen (K-Word #325).

The Handmaid’s Tale-Star Elisabeth Moss wird in dem Kinofilm She Will Rise die US-Politikerin Katie Hill spielen. Die Kalifornierin war Anfang 2019 als erste offen bisexuelle Abgeordnete und Hoffnungsträgerin der Demokraten ins Parlament eingezogen, musste aber schon im November zurücktreten, nachdem Medien über eine sexuelle Beziehung mit einer Wahlkampf-Mitarbeiterin berichtet und Nacktfotos veröffentlicht hatten. Hill bestätigte diese (nicht verbotene) Affäre, dementierte aber die Behauptung, sie sei auch mit einem männlichen Untergebenen liiert gewesen. Zum Zeitpunkt der Vorwürfe befand sich Hill in einer schmutzigen Scheidung mit ihrem Mann, dem sie folglich die Leaks vorwarf. Über ihre Erfahrungen schrieb sie das gleichmamige Buch, das dem Film zugrunde liegen wird.

Instagram/ US House of Representatives Elisabeth Moss (l.) und Katie Hill

Die Influencerin Sandra Lambeck ist für den People’s Choice Award nominiert; der US-Publikumspreis wird in diesem Jahr auch in der Kategorie „German Influencer of 2020“ vergeben - hier könnt ihr voten. Der Ex-Reality Soap-Star (Berlin – Tag & Nacht und Köln 50667) hat sich 2017 als „gay“ geoutet (K-Word #209), soll aber seit ihrer Trennung von ihrer Freundin Nella Ngingo Anfang 2019 nur noch mit Männern zusammen gewesen sein.

Lambeck/ InstagramSandra Lambeck

Zwei queere Schauspielerinnen, Orange is the New Black-Star Taylor Schilling (K-Word #359) und Roberta Colindrez (Vida), spielen in einer Folge der neuen Horror-Anthologie-Serie Monsterland (noch kein deutscher Starttermin) ein Paar. Angesichts des Genres wird’s wohl nicht lange so fröhlich und friedlich bleiben wie in dieser Szene:

In der RTL-Soap Alles was zählt (K-Word #370; Mo-Fr, 19:05 Uhr) ist Ina (Franziska van der Heide) - wie in der Folge von Mittwoch zu sehen (siehe Clip) - gar nicht glücklich darüber, dass ihre Freundin, die Eisläuferin Chiara (Alexandra Fonsatti), der Öffentlichkeit eine Beziehung mit Yannick vorspielt, auch wenn das ihre eigene Idee war. Und auch Chiara leidet unter dem Versteckspiel – und kann nicht länger lügen, wenn's am Dienstag weitergeht.

 

ACHTUNG: Wir schenken euch E-Paper-Ausgaben der L-MAG! Hier kostenlos runterladen für den Desktop und für mobile Geräte.

 

Jetzt im Handel:  Die neue Ausgabe der L-MAG- an jedem Bahnhofskiosk, im Abo, als e-Paper und bei Readly erhältlich.

Anzeige

Stellenanzeige der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld BMH

Stellenausschreibung
Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine
Assistenz der Geschäftsführung und Projektförderungsmanagement (m/w/d)
in ...
Mehr >>


L-MAG.de finde ich gut!

Wir versorgen dich kostenlos mit K-Word, Filmtipps und internationalen News. Obendrauf schenken wir dir während Corona-Krise jeden Samstag eine L-MAG-Ausgabe als E-Paper.

Doch wir wollen auch nach Corona noch da sein und für lesbische Sichtbarkeit sorgen! Der Verlag Special Media, in dem L-MAG erscheint, finanziert sich überwiegend über das kostenlose queere Berliner Stadtmagazin SIEGESSÄULE. Wegen Veranstaltungsabsagen und Schließungen kam es zu einem massiven Einbruch der Anzeigen, die das Heft und den Verlag finanzieren. Die Umsätze von L-MAG reichen leider nur für einen kleinen Teil der Verlagsinfrastruktur aus.

Deshalb brauchen wir deine Hilfe! Spende ganz einfach online: einmalig 1 Euro oder gleich 10 Euro fürs ganze Jahr.

Vielen Dank! Dein L-MAG-Team

L-MAG.de finde ich gut!

Diese Website verwendet Cookies, Google Analytics und den Adserver Google DFP. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, stimmen Sie dem zu.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK

L-MAG.de finde ich gut!

Wir versorgen dich kostenlos mit K-Word, Filmtipps und internationalen News. Obendrauf schenken wir dir während Corona-Krise jeden Samstag eine L-MAG-Ausgabe als E-Paper.

Doch wir wollen auch nach Corona noch da sein und für lesbische Sichtbarkeit sorgen! Der Verlag Special Media, in dem L-MAG erscheint, finanziert sich überwiegend über das kostenlose queere Berliner Stadtmagazin SIEGESSÄULE. Wegen Veranstaltungsabsagen und Schließungen kam es zu einem massiven Einbruch der Anzeigen, die das Heft und den Verlag finanzieren. Die Umsätze von L-MAG reichen leider nur für einen kleinen Teil der Verlagsinfrastruktur aus.

Deshalb brauchen wir deine Hilfe! Spende ganz einfach online: einmalig 1 Euro oder gleich 10 Euro fürs ganze Jahr.

Vielen Dank! Dein L-MAG-Team

Nein Danke, möchte ich nicht | Hab schon!

L-MAG.de finde ich gut!
x