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K-Word #390: Neues aus der Lesbenwelt

Massenhaftes Coming Out von deutschen Schauspieler:innen in der „SZ“, die lesbischen Golden Globes-Nominierungen, Nadine Angerer, Ali Krieger, Evan Rachel Wood, Daniela Iraschko-Stolz, Sophie, Hanna Batka, TV-News und mehr!

Süddeutsche Zeitung

Von Karin Schupp

5.2.2021 - „Wir sind hier, und wir sind viele!“ - 185 LGBTQ-Schauspieler:innen zeigen heute im Magazin der Süddeutschen Zeitung ihr Gesicht, um mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz in Film, Fernsehen und auf Theaterbühnen zu fordern (online/ Bezahlschranke) – darunter viele zum ersten Mal. So outeten sich unter anderem Lana Cooper (zuletzt in einer lesbischen Rolle im Tatort zu sehen, K-Word #388), Nadine Wrietz (Der Lehrer), Emma Bading (Der Usedom-Krimi), Mavie Hörbiger (die queere Rollen in Axolotl Overkill und Der Boden unter den Füßen spielte) und Karin Hanczewski, Kommissarin beim Dresdener Tatort, die die Aktion mit Godehard Giese (Babylon Berlin) initiierte und im Interview erzählte: „Als ich den Tatort bereits hatte, wurde mir gesagt, ich soll mich nicht outen, bevor ich nicht den Fuß richtig in der Branche habe, und wir wissen ja alle, dass die Leute, die den Fuß so richtig drinnen haben und auch den ganzen Körper, es erst recht nicht tun sollen. Es gibt also nie den richtigen Zeitpunkt.“ Zudem wurde ihr geraten, „im Tatort nicht zu viele Karo-Hemden tragen“ und „nicht die nächste Ulrike Folkerts werden“. In ihrem zeitgleich erschienenen Manifest #actout fordern die Beteiligten, offen zu ihrer sexuellen oder Gender-Identität stehen zu können, ohne damit ihre Karrieren zu riskieren. Schon letzte Woche haben sich in Kroymann dutzende Queers geoutet, um auf die Diskriminierung in ihrer Branche hinzuweisen.

MDR/ RTL/ ZDF, Britta Kehl Karin Hanczewski als „Tatort“-Kommissarin, Nadine Wrietz in der RTL-Serie „Der Lehrer“ und Mavie Hörbiger im ZDF-Familiendrama „Ich brauche euch“ (v.l.n.r.)

Nadine Angerer, Ex-Kapitänin des Fußballnationalteams und Weltfußballerin des Jahres 2013, gehörte in Showtime of my Life (lief am 1. Feb. auf Vox) zu den Promis, die strippten, um damit zur Krebsvorsorge aufzurufen. Mindestens ein Leben hat sie damit womöglich gerettet: Während der Dreharbeiten überredete sie ihre Frau Magdalena zu einer Untersuchung, bei der eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs entdeckt wurde. „Wäre das jetzt nicht erkannt und operiert worden, hätte das schlimm für mich ausgehen können. Da ging es um Wochen“, bestätigte Magda in Bild am Sonntag. „Ich hatte Glück, viele Schutzengel und diese tolle Ehefrau, die mich zur Untersuchung gedrängt hat.“ Obwohl das Paar keinen Kinderwunsch hat, hätte sie es, wie sie hinzufügte, „so unfair gefunden, wenn der Krebs und nicht ich selbst entschieden hätte, dass ich keine Kinder haben werde.“ Die Show steht bei TVNOW.

Angerer/ InstagramSeit 2016 verpartnert: Nadine und Magdalena Angerer

US-Nationalspielerin Ali Krieger  sprach im Interview mit dem VW-Magazin We Drive Football über ihre Zeit beim FFC Frankfurt („Die Deutschen sind einfach ehrlich, geradlinig und bringen die Sache unverblümt auf den Punkt.“) und ihre Hochzeit mit Torfrau Ashlyn Harris im Dezember 2019 (K-Word #333): „Ich bin eigentlich ein eher zurückhaltender Mensch. Aber Ash und ich wollten unsere Hochzeit sichtbar machen, weil Sichtbarkeit in heutigen Zeiten so wichtig ist (...). Ich habe so etwas als Kind nie gesehen. Bis zum College habe ich nicht einmal gewusst, dass zwei Frauen zusammen sein können.“ In ihrem Club Orlando Pride haben sich kürzlich auch ihre Teamkolleginnen Marta und Toni Pressley verlobt (K-Word #386).

Krieger/ InstagramLernten sich im Trainingslager des Nationalteams kennen: Ali Krieger (r.) und Ashlyn Harris

Die Golden Globes-Nominierungen sind da: Die queeren Schauspielerinnen Sarah Paulson und Cynthia Nixon wurden für ihre Rollen in Ratched nominiert; die Netflix-Miniserie, in der die beiden ein Paar werden, steht ebenso auf der Liste wie die Verfilmung des lesbischen Musicals The Prom (unsere Filmkritik) und das lesbische Liebesdrama Wir beide (unsere Filmkritik). Jodie Comer ist zum zweiten Mal für ihre Rolle als bisexuelle Auftragsmörderin in Killing Eve nominiert, und Jodie Foster, die sich bei der Golden Globes-Verleihung 2013 ein wenig verquast outete, könnte für The Maurititanian (noch ohne deutschen Kinostart) ihren vierten Golden Globe bekommen. Die Verleihung findet am 28. Februar statt.

Netflix Sarah Paulson und Cynthia Nixon in „Ratched“

Die Musikerin und Elektro-Produzentin SOPHIE ist am 30. Januar bei einem Unfall gestorben. Die Schottin, die trans und nichtbinär war, stürzte vom Balkon oder Dach ihres Wohnhauses in Athen, offenbar beim Versuch, den Mond zu fotografieren. SOPHIE, die Musik für Stars wie Madonna, Charli XCX und Nicki Minaj produzierte, bekam eine Grammy-Nominierung für ihr Solo-Debütalbum „Oil Of Every Pearl's Un-Insides“ (2018). Sie wurde 34 Jahre alt.

Manji/ Instagram„Ich konnte ihr noch sagen, dass ich sie liebe und dass sie weiterkämpfen soll“, sagte Sophies (l.) Freundin Evita Manji (r.) der „Daily Mail“. „Wir wollten heiraten.“

Im Januar startete Staffel 2 von Batwoman (neue Folgen dienstags bei Amazon Prime), und schon jetzt hat der US-Sender The CW eine dritte Staffel der Superheldinnen-Serie mit drei lesbischen Hauptfiguren – Ryan Wilder/ Batwoman (Javicia Leslie, im Video links) und zwei Ex-Loverinnen ihrer Vorgängerin Kate Kane, die Crows-Agentin Sophie (Meagan Tandy, im Video rechts) und die britische Spionin Julia Pennyworth (Christina Wolfe), bestellt.

Und auch für diese Serien mit queeren weiblichen Hauptfiguren geht’s weiter: All American, Charmed, DC’s Legends of Tomorrow, Legacies, Nancy Drew, Riverdale und Roswell, New Mexico. Dass Supergirl nach der sechsten Staffel, die im Frühling startet, enden wird, steht schon länger fest.

Wer sich so alles als Butch oder Bewunderin von Butches entpuppt: Jaimie Alexander, bekannt aus der Serie Blindspot, präsentiert hier das „Butches Get Shit Done“-Shirt von Orange is the Black-Star Lea DeLaria (K-Word #383), die damit das „Lesbian Bar Project“ zur Rettung der letzten Lesbenkneipen in den USA (wir berichteten) unterstützt.

DeLaria/ InstagramJaimie Alexander: „Butches get shit done!“

Auch Deutschlands ältestem Lesbenclub, das La Gata in Frankfurt/ M., wird mit einer Spendenaktion durch die Coronakrise geholfen (wir berichteten). Und da ein Ende des Lockdowns noch nicht in Sicht ist, legte das „Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt“ nach Erreichen der Spendensumme von 9000 Euro ein zweites Crowdfunding für die La Gata-Wirtin Ricky Wild an, und auch die queeren Bars Comeback und Switchboard könnt ihr auf Startnext finanziell unterstützen.

Sie gehörte zu den ersten Sportlerinnen, die sich als lesbisch geoutet haben, und berichtete schon 2014 für L-MAG aus Sotschi, wo sie Olympia-Silber gewann: Daniela Iraschko-Stolz, mit 37 Jahren inzwischen der „Oldie“ im österreichischen Team, tritt am Wochenende beim Skisprung-Weltcup in Hinzenbach an. Zurzeit steht die Steirerin, die seit 2013 mit ihrer Frau verpartnert ist, auf Platz 8.

Granada, CC-BY-SA Gewann bei der WM 2019 Bronze: Daniela Iraschko-Stolz

Evan Rachel Wood (Westworld) wirft ihrem Ex-Freund Marilyn Manson vor, sie während ihrer Beziehung (2006-2010) misshandelt und vergewaltigt zu haben. „Er hat mich jahrelang abscheulich missbraucht. Ich wurde hirngewaschen und zur Unterwerfung manipuliert“, schrieb sie am Montag auf Instagram. „Ich will nicht mehr in Angst vor Vergeltung, Verleumdung oder Erpressung leben.“ Mindestens zehn Frauen schlossen sich den Vorwürfen gegen den Rockmusiker an. Die Schauspielerin (die zuletzt mit der Künstlerin Illma Gore zusammen war, K-Word #343) hat schon mehrfach über ihren Peiniger gesprochen, ohne seinen Namen zu nennen, etwa 2019 bei einer Senatsanhörung in Kalifornien zu einem Gesetz gegen häusliche Gewalt. Damals berichtete sie von Vergewaltigung, Folter, Schlaf- und Essensentzug und Isolierung von Bezugspersonen in ihrer Beziehung, die begann, als sie 18 war. Manson (52), der all das auf Instagram „furchtbare Realitätsverzerrung“ bezeichnete, bekam noch am selben Tag eine Kündigung seiner Plattenfirma – pure Heuchelei, wie die bisexuelle Musikerin Phoebe Bridgers (K-Word #380) twitterte: „Das Label wusste es, das Management wusste es, die Band wusste es. Sich jetzt zu distanzieren und vorzugeben, schockiert und entsetzt zu sein, ist fucking erbärmlich.“

Wood/ Instagram Evan Rachel Wood, hier vor der Bi-Flagge, engagiert sich auch für mehr Sichtbarkeit von Bisexuellen

US-Basketballstar Layshia Clarendon, Weltmeisterin 2018, outete sich vor fünf Jahren als lesbisch und nichtbinär, im Dezember als trans und - immer noch - nichtbinär (mit den Pronomen „sie“, „er“ und dem nicht übersetzbaren „they“) und postete jetzt Fotos seiner „Top Surgery“ (= Mastektomie) mit den Worten: „Ich möchte, dass trans Leute wissen und sehen, dass es uns immer gab und uns niemand auslöschen kann. Ich will, dass die Menschen daran denken, dass meine Freiheit deine Freiheit ist, denn niemand von uns ist frei, bevor wir nicht alle frei sind!“ Clarendons Club New York Liberty, der Basketballverband WNBA und die Spielergewerkschaft versicherten Clarendon ihre Unterstützung.

Clarendon/ InstagramLayshia Clarendon, hier nach der OP, und Ehefrau Jessica sind seit kurz vor Weihnachten Eltern eines Kindes

„Manchmal frage ich mich immer noch, was sie wohl gerade macht und ob sie an mich denkt“: Heute veröffentlichte Hanna Batkas ihren neuen Song „Mitten in Berlin“ über eine Zufallsbegegnung in der U-Bahn. Und in der neuen Ausgabe der L-MAG – ab 26. Feb. am Kiosk - sprechen wir mit ihr über ihre erste Gitarre, lesbische Fans und Katzenbabys.

Ein lesbisches Happy End auf einem Highschool-Abschlussball hat das Video „Dance For The Hell Of It“ der schwedischen Newcomerin LOVA, deren Debütalbum im Januar erschien:

 

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