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Coming Out-Aktion in der katholischen Kirche

125 Mitarbeitende der römisch-katholischen Kirche haben sich in der gemeinsamen Aktion #OutInChurch geoutet und fordern ein Ende der Diskriminierung von LGBTIQ* an ihrem Arbeitsplatz und in der kirchlichen Botschaft und Lehre.

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Von Andreas Scholz/ PM

24.1.2022 - Mit der Initiative „#OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst“ haben sich 125 Personen, die haupt- oder ehrenamtlich in der römisch-katholischen Kirche im deutschen Sprachraum beschäftigt sind, als LGBTIQ* geoutet. Dazu gehören aktive und ehemalige Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen, Religionslehrer*innen und Verwaltungsmitarbeiter*innen. Auf der Homepage outinchurch.de finden sich persönliche Angaben und Statements der beteiligten Personen.

Ziel der Initiative sei es, LGBTIQ* in der Kirche sicht- und hörbarer zu machen. Das erklärte Initiator Jens Ehebrecht-Zumsande, Referent im Generalvikariat des Erzbistums Hamburg, in einer Pressemitteilung. Denn „tief verankerte kirchliche Methoden der Verurteilung und Beschämung machen es queeren Menschen im Dienst der katholischen Kirche schwer, sich zu zeigen.“

Coming Out in der Kirche kann die berufliche Existenz gefährden

Ein Coming Out als queer im kirchlichen Kontext stelle immer noch ein erhebliches Risiko dar und könne schwerwiegende Folgen haben, wie zum Beispiel eine Gefährdung der beruflichen Existenz.

Inspiriert wurde die Initiative von der Aktion #Actout, bei der sich Anfang Februar letzten Jahres 185 Schauspieler*innen im SZ-Magazin zu Wort meldeten und sich als schwul, lesbisch, queer, nicht binär oder trans* outeten (wir berichteten). Damit einher ging die Forderung nach mehr Anerkennung und Diversität in Film, Fernsehen und Theater.

LGBTIQ+ Mitarbeitende wollen ohne Angst offen leben können

Wie #Actout hat auch die Initiative #OutInChurch ein eigenes Manifest veröffentlicht. Darin sind sieben Kernforderungen an die römisch-katholische Kirche enthalten, die wir hier in voller Länge widergeben:

„1. Wir wollen als LGBTIQ+ Personen in der Kirche ohne Angst offen leben und arbeiten können.

2. LGBTIQ+ Personen müssen einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen Handlungs- und Berufsfeldern in der Kirche erhalten.

3. Das kirchliche Arbeitsrecht muss geändert werden. Ein offenes Leben entsprechend der eigenen sexuellen Orientierung und der geschlechtli chen Identität, auch in einer Partnerschaft beziehungsweise Zivilehe, darf niemals als Loyalitätsverstoß oder Kündigungsgrund gewertet werden.

4. Diffamierende und nicht zeitgemäße Aussagen der kirchlichen Lehre zu Geschlechtlichkeit und Sexualität müssen auf Grundlage theologischer und humanwissenschaftlicher Erkenntnisse revidiert werden. Dies ist besonders in Anbetracht weltweiter kirchlicher Verantwortung für die Menschenrechte von LGBTIQ+ Personen von höchster Relevanz.

5. Die Kirche darf LGBTIQ+ Personen bzw. -Paaren den Segen Gottes sowie den Zugang zu den Sakramenten nicht vorenthalten.

6. Eine Kirche, die sich auf Jesus und seine Botschaft beruft, muss jeder Form von Diskriminierung entschieden entgegentreten und eine Kultur der Diversität fördern.

7. Im Umgang mit LGBTIQ+ Personen hat die Kirche im Laufe ihrer Geschichte viel Leid verursacht. Wir erwarten, dass die Bischöfe dafür im Namen der Kirche Verantwortung übernehmen, die institutionelle Schuldgeschichte aufarbeiten und sich für die von uns geforderten Veränderungen einsetzen.“

20 katholische Verbände zeigen Solidarität

#OutInChurch ruft dazu auf, sich zu solidarisieren: Queere Menschen, die in der römisch-katholischen Kirche tätig sind, sollen sich der Initiative anschließen, und Verantwortliche in der Kirche sollen ihre Unterstützung für das Manifest öffentlich erklären.

Rund 20 katholische Organisationen und Verbände sind dem Aufruf bereits gefolgt. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Titel „Für Diversität in der katholischen Kirche“, die zum Start der Aktion veröffentlicht wurde, unterstreichen sie die Bedeutung von #OutInChurch und stellen fest: „Die katholische Kirche ist so vielfältig wie die Gesellschaft selbst und Heimat für jede*n. Niemand darf wegen der eigenen sexuellen Orientierung und /oder der geschlechtlichen Identität diskriminiert oder ausgeschlossen werden.“ Alle Menschen werden dazu aufgerufen sich für eine „Kirche ohne Angst“ zu engagieren.

Unterzeichnet haben die Erklärung unter anderem der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), das Forum katholischer Theologinnen Agenda, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), das Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) sowie die Arbeitsgemeinschaft katholischer Hochschulgemeinden (AKH).

ARD-Doku, in der Beteiligte zum ersten Mal offen sprechen

In einer TV-Dokumentation mit dem Titel „Wie Gott uns schuf“ von Hajo Seppelt, Katharina Kühn, Marc Rosenthal und Peter Wozny sprechen Beteiligte von #OutInChurch zum ersten Mal offen vor der Kamera über ihre Erfahrungen. Zu sehen am Mo, 24. Jan. um 20:30 Uhr im Ersten und schon jetzt in der ARD Mediathek.

 

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