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Iran: Todesurteil für zwei lesbische Aktivistinnen

Zwei lesbische LGBTIQ*-Aktivistinnen wurden im Iran zum Tode verurteilt. Ihr unverzeihliches Verbrechen? Sich für ihre Community einzusetzen. Die Hoffnung: Wenn die Regierung unter Druck gesetzt wird, lässt sich das Urteil vielleicht noch kippen.

1500tasvir_enZum Tode verurteilt: Zahra Sedighi

Von Negin Behkam

7.9.2022 - So absurd es klingen mag - es ist leider wahr: Zahra Sedighi Hamedani (31), bekannt als Sareh, und Elham Choubdar (24) wurden im Iran zum Tode verurteilt. Ihnen wird unter anderem „Korruption auf Erden“ vorgeworfen.

Am 5. September bestätigte die Nachrichtenagentur der iranischen Justiz die Verhängung der Todesstrafe als Reaktion auf die öffentliche Empörung über das Todesurteil gegen Sareh und Elham. Darin behauptet sie, dass die beiden Frauen andere junge Frauen ausgebeutet hätten.

Iranische Menschenrechtsorganisationen sagen jedoch, dass die genaue Anklage in der Gerichtsverhandlung, die im iranischen Urmia stattfand, lautete: „Korruption auf Erden“ durch die „Förderung von Homosexualität“ und „Förderung des Christentums“ und ihre „Beziehung mit den Medien, die sich der Islamischen Republik widersetzen“.

„Wir haben keine neuen Nachrichten über die Akte, aber das iranische Rechtssystem hat das Urteil, das letzte Woche gefallen ist, gestern bestätigt und auf regierungs- und regierungsnahen Webseiten und sozialen Medien Position bezogen“, sagt Shadi Amin von der iranischen LGBTIQ*-Organisation 6Rang im Gespräch mit L-MAG. „Außerdem wissen wir, dass die Familien und Anwälte beider Aktivistinnen aufgefordert wurden, nicht öffentlich über das Urteil zu sprechen.“

Iranische Regierung unter Druck setzen

Das iranische Regime wirft vielen ihrer Feinden und denjenigen, die sie als ernsthafte Bedrohung betrachtet, „Korruption auf Erden“ vor. „Korruption auf Erden“ bezieht sich auf Artikel 286 des islamischen Strafgesetzbuchs im Iran. Jede Person, die dieses „Verbrechen“ begeht, wird zum Tode verurteilt.

Privat Zum Tode verurteilt: Elham Choubdar

Die iranische Zivilgesellschaft hat allerdings noch Hoffnung: Wenn die Regierung unter Druck gesetzt wird, könnte man vielleicht das Urteil kippen. Eine Online-Petition sammelt deshalb Unterschriften und verlangt, dass die ungerechte und grausame Verhaftung, Inhaftierung und Todesstrafe von Sareh aufgehoben wird. Bis jetzt haben über 28.000 Menschen unterschrieben.

Aber nicht nur die Zivilgesellschaft sollte handeln. Auch die westlichen Regierungen, so auch Deutschland, sollten dringend aktiv werden. „Die deutsche Regierung verspricht Menschenrechtsorganisationen seit Jahren, dass sie trotz ihrer wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Iran die Menschenrechte der iranischen Bürger:innen nicht vergisst. Sie könnte wenigstens momentan laut und öffentlich das Todesurteil von Sareh und Elham aufs Schärfste verurteilen und ihre Freilassung fordern. Die deutsche Regierung muss alle Kräfte mobilisieren, um die iranische Regierung unter Druck zu setzen und dieses Urteil aufzuheben“, fordert Shadi Amin.

Über Elham wissen wir nicht viel

Sareh sitzt seit Oktober 2021 in Haft. Sie postete in den sozialen Medien oft Texte zu LGBTIQ*-Rechten. Über Elham wissen wir viel weniger. „Sareh hatte eine größere Online-Präsenz und veröffentlichte unmittelbar vor ihrer Verhaftung ein Video, was uns Aufschluss über ihre Situation gegeben hat und uns gewissermaßen die Erlaubnis erteilt hat, öffentlich über sie zu berichten. Elhams soziale Medien wurden kurz nach ihrer Festnahme von den iranischen Behörden kontrolliert und gelöscht, weshalb wir leider weniger über sie wissen“, erklärt Amin.

Homosexualität ist im Iran verboten und wird mit dem Tod bestraft. Es gibt jedoch keine genauen Statistiken über die Zahl der Hinrichtungen von Homosexuellen. Der Iran gehört neben Saudi-Arabien, Jemen, Mauretanien, das Königreich Brunei und Sudan zu den sechs Ländern auf der Welt, die Todesurteile aufgrund von Homosexualität verhängen.

Petition bei AllOut

 

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