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Kinotipp „Bodies Bodies Bodies“: Wenn's nach dem Mörderspiel Tote gibt

Horror Light: In „Bodies Bodies Bodies“ besucht ein frisch verliebtes lesbisches Paar eine Party reicher Gen Z-Kids, bei der ein Gast nach dem anderen stirbt. Der Film, eher Sozialsatire als dumpfer Slasherfilm, läuft ab 27. Okt. im Kino.

Erik Chakeen Sophie (Amandla Stenberg) und Bee (Maria Bakalova)

Von Karin Schupp

25.10.2022 - Ein abgelegenes Anwissen im Wald. Nacht. Sturm und Regen. Der Strom fällt aus, kein Handyempfang… da weiß man schon, dass die erste Leiche nicht lange auf sich warten lässt… Auch Bodies Bodies Bodies bietet diese klassischen Horrorfilmelemente, aber in zwei Punkten unterscheidet er sich von seinen Vorgängern: Die Auflösung am Ende ist recht originell, und: die Hauptfiguren sind ein lesbisches Paar, wie gleich die erste Szene unmissverständlich zeigt: Sophie (Amandla Stenberg) und Bee (Maria Bakalova) sind frisch verliebt und schaffen die Autofahrt zu ihrem besten Freund David (Pete Davidson) nicht ohne ein paar Knutschpausen einzulegen.

Für ihre Working Class-Freundin aus Osteuropa ist es der erste Besuch bei Sophies alter Clique, allesamt Kids steinreicher Eltern, die in der leer stehenden Villa von Davids Eltern ein bisschen feiern wollen. Neben David sind da auch seine Freundin, die Schauspielerin Emma (Chase Sui Wonders), die Podcasterin Alice (Rachel Sennott), deren viel älterer Tinder-Lover Greg (Lee Pace), ebenfalls ein Neuzugang in der Gruppe, und die irgendwie auf Krawall gebürstete Jordan (Myha'la Herrold).

Jordan reagiert eifersüchtig auf Bee

Eine so richtig ausgelassene Partystimmung herrscht von Anfang nicht. Sophies unangemeldete Ankunft löst nicht nur Freude aus, und vor allem Jordan verhält sich wie eine frisch verlassene, eifersüchtige Ehefrau. David reagiert feindselig auf Greg, außerdem kriselt's zwischen ihm und Emma, und beim Partyspiel „Bodies Bodies Bodies“ – ein Partygast „ermordet“ im Dunkeln andere Gäste, bis er oder sie enttarnt wird – kommt's schließlich zum Eklat. Der nur dadurch getoppt wird, dass David plötzlich mit durchtrennter Kehle tot auf der Terrasse liegt.

Tja, so kennen wir's aus deutschen Trailern: Der lesbische Aspekt des Films wird fast komplett ausgeblendet:

Wer war’s? Ein fremder Killer mit Gruselmaske? Ihr gemeinsamer Freund Max, der die Villa am Vorabend nach einem Streit verlassen hat? Oder jemand von ihnen? Wie im Mörderspiel einigen sie sich zunächst auf einen Namen, stellen dann aber schnell fest, dass sie wohl unrecht hatten, und nehmen sich misstrauisch und panisch gegenseitig in Visier.

Geheimnisse und Animositäten kommen ans Licht

Dadurch kommen diverse Geheimnisse und versteckte Animositäten ans Licht, und auch Sophie und Bee beäugen sich – befeuert von Jordan - bald nicht mehr mit Herzchenaugen. Und es gibt weitere Tote - niemand scheint sicher zu sein in der Horrorvilla... (Anm.: Wem es wichtig ist zu wissen, ob die Lesben den Film überleben: die Antwort steht ganz unten unter den „Weiterlesen-Tipps“.)

Trotz blutiger Leichen: Wer auf Slasher-Movies mit hohem Adrenalinfaktor steht, wird enttäuscht sein – Bodies Bodies Bodies ist eher „Horror Light“ und ähnelt fast einem Kammerspiel, in dem viel geredet und gestrittet, aber eben auch gemordet wird.

Der Film der holländischen Regisseurin Halina Reijn ist dennoch (oder für Zartbesaitete: gerade deswegen) unterhaltsam, auch wenn das Label „Horrorkomödie“ die Latte in Sachen Humor ein bisschen zu hoch legt. Einsortieren sollte man Bodies Bodies Bodies eher als Genre-Parodie und als Sozialsatire auf Gen Z-Kids, ihre Werte und ihre Freundschaften.

Und vor allem macht es Spaß, dem glänzenden Cast um die queere Amandla Stenberg, Newcomerin Myha'la Herrold und Comedian Pete Davidson, zuzuschauen – gegen ein Prequel mit den Charakteren wäre nichts einzuwenden.

Bodies Bodies Bodies (USA, 2022), Regie: Halina Reijn, Buch: Sarah DeLappe, mit Amandla Stenberg, Maria Bakalova u.a., 94 min., Kinostart: 27. Okt.

 

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