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K-Word #147: Neues aus der Lesbenwelt

Heute: Kristen Stewart über ihre sexuelle Identität, ein neuer "Orange is the New Black"-Trailer, Sarah Paulson, JD Samson, Ruby Rose, Kino-Tipp, Lesbenfilme beim Filmfestival in Cannes und queere Promis auf dem roten Teppich!

Von Karin Schupp

l-mag.de, 13.5.2016 - So ausführlich hat Kristen Stewart noch nie über ihre sexuelle Identität gesprochen – ohne allerdings die Worte „Freundin“, „bi“ oder „lesbisch“ in den Mund zu nehmen. „Ich verstecke gar nichts. Das ist mir sehr wichtig. So sehr ich mich schützen will – es geht nicht ums Verstecken“, erklärte sie gegenüber Variety und wiederholte ihre Coming Out-Verweigerung vom letzten Jahr (K-Word #109): „Dass ich mich jetzt nicht definiere, ist die gesamte Basis meines Seins. Wenn ihr’s nicht versteht, habe ich keine Zeit für euch.“ Früher hatte sie noch „dieses komische Verantwortungsgefühl“, es zu tun, „weil ich nicht ängstlich wirken wollte. Aber nichts schien zu passen. Deshalb habe ich mir gesagt: ‚Fuck, wie definiere ich das? Ich tu’s einfach nicht!‘“ Und weil für sie das alles so einfach war, wolle sie zudem Teenies, die mit ihrem Coming Out hadern, „nicht das Gefühl [geben], dass sie dumm sind, sich damit so schwer zu tun.“ (Würden die sich nicht eher über ein positives Beispiel freuen?) KStews Beziehung mit SoKo (K-Word #139) ist offenbar schon wieder zu Ende, aber das peinliche erste Treffen-nach-der-Trennung gab's schon: gestern begegneten sie sich beim Filmfestival in Cannes (mehr dazu unten) auf einer Party.

Ladies ohne Labels: Kristen Stewart und Sarah Paulson

Sarah Paulson, die sich auch nicht labeln will, wundert sich über das große Medieninteresse an ihrer Beziehung mit Holland Taylor (K-Word #137), die sie nach einigen Single-Jahren begann. „Meine Beziehung wurde dermaßen gefeiert, dass ich dachte: ‚Jesus, sind alle davon ausgegangen, dass ich für immer alleine mit 500 Katzen leben würde?‘“, sagte sie der Zeitschrift NoTofu und sprach auch über ihr öffentliches Coming Out per Kuss, den sie ihrer damaligen Lebensgefährtin Cherry Jones (Transparent) gab, als sie bei den Tony Awards 2005 einen Preis bekam. „Was hätte ich denn sonst tun sollen? Ihr auf die Schultern klopfen und sagen: ‚Gut gemacht, dude?‘“

Nur noch 35 Tage bis zur neuen Staffel von Orange is the New Black (am 17. Juni auf Netflix), und ein neuer Trailer schürt die Vorfreude auf Drama und Emotionen im neuerdings überfüllten Litchfield. (Leider nicht in der Vorschau: Nicky Nichols und Alex, deren Stimme wir aber wenigstens hören.)

JD Samson, Frontfrau der Band MEN (L-Beach 2010) und Ex von Sia (vor deren Superstar-Status, K-Word #16), öffnete die Türen ihrer Wohnung im angesagten Viertel Williamsburg/ Brooklyn. Wir sehen: echte Butch-Tränen, ein Sextoy in Form ihrer Faust, einen Lesben-Comic, viel Kunst und - ist ja schließlich ein Lesbenhaushalt - eine Katze.

Ab 19. Mai im Kino: Für immer eins rühmt sich als „vielleicht erste italienische Komödie, in der zwei Lesben im Mittelpunkt stehen“. Die Architektin Federica (Margherita Buy) und und Ex-Schauspielstar Marina (Sabrina Ferilli) sind seit fünf Jahren ein glückliches Paar, aber Federica zögert zu Marinas Leidwesen, offen dazu zu stehen. Als die sie in einem Interview outet, bekommt ihre Beziehung plötzlich Risse, und dann taucht auch noch ein früherer Verehrer von Federica auf… Lest nächste Woche auf L-MAG Online unsere Filmkritik.

Federica (Margherita Buy, l.) und Marina (Sabrina Ferilli) in "Für immer deins" - Foto: Pro-Fun Media

Ruby Rose ist das neue Werbegesicht der Kosmetikfirma Urban Decay – aber leider nicht in Deutschland: Da wirbt die L’Oréal-Tochter, die sich „für die Chancengleichheit und Selbstbestimmung der Frau einsetzt“, weiterhin mit klassischen, untätowierten Langhaar-Models.

Das Filmfestival in Cannes (noch bis 22. Mai) hatte ja zuletzt ein glückliches Händchen, was Lesbenfilme angeht: Blau ist eine warme Farbe gewann 2013 die Goldene Palme, und Carol feierte hier 2015 seine umjubelte Premiere. Und auch 2016 ist ein Lesbenfilm im Wettbewerb: The Handmaiden von Chan-wook Park erzählt, wie eine Betrügerin eine reiche Erbin um ihr Geld bringen will, sich in sie verliebt und selbst Opfer wird. Die südkoreanische Adaption des historischen Krimis Fingersmith (dt. Titel: Solange du lügst), den die lesbische Autorin Sarah Waters schrieb, wurde 2005 schon mal als BBC-Mehrteiler verfilmt.

Der in der Modelwelt angesiedelte Horrorthriller The Neon Demon, ebenfalls im Wettbewerb, verspricht im Trailer zumindest eine Sexszene zwischen Elle Fanning (Maleficent) und Jena Malone (Tribute von Panem). Der schwule Regisseur Sébastien Lifshitz drehte die Dokumentation Les Vies de Thérèse (dt.: Die Leben von Thérèse) über die militante, lesbische Feministin Thérèse Clerc, die im Februar 2016 im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Und hoffentlich nicht desexualisiert wurde La Danseuse von Stéphanie Di Giusto über zwei Pionierinnen des modernen Tanzes: Loie Fuller (1862-1928), gespielt von SoKo, und ihre Protegée und Rivalin Isadora Duncan (1877-1927), gespielt von Lily-Rose Depp. Fuller war offen lesbisch und soll unter anderem mit Königin Marie von Rumänien getechtelt haben. Duncan, eine frühe Feministin, heiratete nie und hatte etliche Affären mit Männern und Frauen, darunter mit Mercedes de Acosta (die auch mit Marlene Dietrich liiert war) und Gerüchten zufolge auch mit Schauspiel-Legende Eleonora Duse.

SoKo (l.) und Lily-Rose Depp in "La Danseuse" - Foto: Wild Bunch

In ihrer zweiten Cannes-Premiere, Voir du Pays der Schwestern Delphine und Muriel Coulin, spielt SoKo eine Soldatin, die aus Afghanistan zurückkehrt. Stewart ist ebenfalls mit zwei Filmen zu Besuch: Woody Allens  Café Society (siehe Roter Teppich-Clip) und Personal Shopper von Olivier Assayas, mit dem sie schon Die Wolken von Sils Maria drehte. Gestern präsentierte Jodie Foster ihren Film Money Monster mit Julia Roberts und George Clooney (D-Start: 19. Mai), und Adéle Haenel (K-Word #85), Lebensgefährtin der Regisseurin Céline Sciamma (Tomboy), ist im Wettbewerbsbeitrag La Fille Inconnue als Ärztin zu sehen, die sich am Tod einer jungen, namenlosen Patientin mitschuldig fühlt.


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