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K-Word #412: Neues aus der Lesbenwelt

Sexszenen im lesbischen Nonnenfilm „Benedetta“ sorgen in Cannes für Wirbel, Irina von „Princess Charming“ über Küsse vor der Kamera, Shakira, Ruby Rose, Clairo, „Glück“, „Fear Street“ und weitere Film- und Serientipps, queere Emmy-Nominierungen und mehr!

Von Karin Schupp

10.5.2021 - Paul Verhoevens lesbisches Nonnendrama Benedetta (K-Word #410) sorgte beim Filmfestival in Cannes für Wirbel: Der Film gehe, so etwa die Webseite Filmstarts, „weit über das allzu plakative Label ‚Lesbische Nonnen-Exploitation‘ hinaus“, ein anderer Kritiker bezeichnete ihn als „komplett durchgeknallten Camp“. Diskutiert wurden vor allem die expliziten Liebesszenen der Hauptdarstellerinnen Daphne Patakia und Virginie Efira, in denen auch eine Marienstatue als Dildo Verwendung findet. Softporno durch die männliche Brille - oder ganz normaler Sex? „Normalerweise ziehen Menschen ihre Kleider aus, wenn sie Sex haben“, reagierte der kontroverse Regisseur (82) auf der Pressekonferenz nach der Premiere leicht genervt. „Mich überrascht, dass wir die Realität des Lebens nicht sehen wollen. Dieser Puritanismus ist meiner Meinung nach falsch.“ Patakia gab sich furchtlos: „Virginie haben uns extrem gut verstanden und hatten keine Angst. Vielleicht gab‘s am Anfang ein bisschen die Sorge, ob wir’s richtig machen, weil Paul nicht viel redet.“ Benedetta hat noch keinen deutschen Starttermin.

SBS Productions/ Guy Ferrandis Bartolomea (Daphne Patakia), Benedetta (Virginie Efira) und die jetzt schon berüchtigte Marienstatue

In der MDR-Sendung Friends of Nicolas Puschmann tauschten sich der Ex-Prince Charming und die aktuelle Princess Charming  Irina Schlauch über ihre Erfahrungen als Objekt der Begierde aus. Beide hatten ihre Mühe, allen Kandidat:innen gerecht zu werden, wären manchmal am liebsten mit in deren Villa eingezogen, und Irina erklärte, wieso sie – anders als im echten Leben - an einem Abend auch mal mehrere Frauen küsste und dabei die Kameras ignorieren konnte: „Wenn ich knutsche, dann merke ich ja die Kameras nicht mehr, da habe ich ja die Augen zu.“ Die Sendung, in der auch Ricarda Hofmann (Busenfreundin) und Jochen Schropp mitdiskutieren, steht auf Youtube, in der ARD Audiothek und läuft am 24. Juli im MDR-Fernsehen. Nächste Woche erfahren wir im Finale von Princess Charming (TVNOW), wer Irinas Herz erobert hat – unsere Folgenrückblicke stehen hier.

MDR Sputnik/ ScreenshotDie Charmings: Irina Schlauch mit Nicolas Puschmann

Ruby Rose erzählte in einem Radio-Interview, dass eine Latex-Allergie zu den Gründen gehörte, weshalb sie die Serie Batwoman nach nur einer Staffel verlassen hat (K-Word #354). „Meine Maske bestand aus Latex, und zuerst sagte ich: ‚Mich juckt’s ein bisschen‘“, sagte sie in der australischen The Kyle and Jackie O Show. „Aber es wurde immer schlimmer, und irgendwann war mein Gesicht voller Ausschlag, und meinem Hals ging’s nicht gut. Ich fühlte mich wie in einem Horrorfilm.“ Die Australierin hat ihren Ausstieg bisher nur vage mit den harten, unfallträchtigen Dreharbeiten erklärt, gescheiterte Gagen-Verhandlungen werden womöglich auch eine Rolle gespielt haben. Seit Staffel 2 spielt Javicia Leslie (K-Word #360) die lesbische Superheldin. Ruby war zuletzt in den Actionthrillern Doorman und SAS: Red Notice zu sehen.

Rose/ InstagramRuby Rose, seit Mai erblondet

#Shakiralesbian und #Shakiracomingout: Diese Hashtags verbreiteten sich Anfang der Woche, weil das neue Pofilfoto, das Shakira in den Sozialen Netzwerken hochgeladen hatte, der Lesbenflagge glich. Tatsächlich handelt es sich aber nicht um das Coming Out des kolumbianischen Popstars, sondern schlicht um die Ankündigung eines neuen Songs. Dass ihre Marketingleute nicht wussten, wofür der - inzwischen verschwundene - orange-weiß-lila Farbverlauf steht, sei ihnen verziehen: Auch ich habe das erst durch die von den Pride-Fahnen inspirierten Ikea-Sofas (K-Word #410) kennen gelernt. Shakira geriet mit dem sapphisch angehauchten Video „Can’t Remember to Forget You“ mit Rihanna 2014 schon mal in die L-Schlagzeilen, tatsächlich ist sie aber seit zehn Jahren mit dem spanischen Fußballer Gerard Piqué zusammen, mit dem sie zwei Söhne hat. 

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Die Emmy-Nominierungen sind da, und einige lesbische, bisexuelle und queere Schauspielerinnen können sich freuen: Auf der Liste stehen Emma Corrin (K-Word #400) und Gillian Anderson (K-Word #145) für The Crown, Pose-Star Mj Rodriguez als erste trans Hauptdarstellerin, die je nominiert wurde, Comedy-Veteranin Paula Pell für Mapleworth Murders und Newcomerin Hannah Einbinder für ihre bisexuelle Rolle in der Comedyserie Hacks (noch nicht in Deutschland). Comedian Kate McKinnon (Saturday Night Live) könnte ihren dritten Emmy bekommen, und die frisch gebackene Mutter Samira Wiley (K-Word #404) ist zum vierten Mal für ihre lesbische Rolle in The Handmaid’s Tale nominiert (2018 hat sie gewonnen), deren vierte Staffel (K-Word #398) insgesamt 18 Nomininierungen bekam.

Instagram Hannah Einbinder, Samira Wiley und Emma Corrin (v.l.n.r.)

Ab 22. Juli im Kino: Glück erzählt die Liebesgeschichte zwischen zwei Sexarbeiterinnen, Sascha (Katharina Behrens) und Maria (Adam Hoya, Searching Eva), die sich in einem Berliner Bordell kennen lernen. Sascha ist fasziniert von der unangepassten, queeren Italienerin, Maria fühlt sich von Saschas Charisma angezogen, aber das titelgebende Glück des Paars bekommt nach einem Besuch in Saschas brandenburgischer Heimat Risse… Henrika Kull drehte ihren Film, der in diesem Jahr auf der Berlinale lief, in einem echten Bordell, in Nebenrollen sind einige der Sexarbeiterinnen zu sehen. Lest nächste Woche hier online unsere Filmkritik.

Wer lieber großes Hollywood-Kino mag, muss sich leider noch mit queeren Nebenfiguren abgeben: In der Musicalverfilmung In the Heights, die (wegen Corona mit einjähriger Verspätung) ebenfalls am 22. Juli startet, sind die Besitzerinnen eines Schönheitssalons, Daniela (Daphne Rubin-Vega) und Carla, gespielt von der bisexuellen Schauspielerin Stephanie Beatriz (Brooklyn Nine-Nine), ein Paar. In weiteren Rollen: Dascha Polanco (Orange is the New Black) und Melissa Barrera (Vida).

Screenshot In der Bühnenversion von „In the Heights“ sind sie nur Freundinnen: Carla und Daniela

Wer in Berlin wohnt und nicht weiter auf den schon mehrfach verschobenen Kinostart von Ammonite (am 4. Nov., K-Word #367) warten will, kann den Liebesfilm mit Kate Winslet und Saoirse Ronan am 22. Juli als Deutschland-Premiere beim Berlin Lesbian Non-Binary Filmfest sehen. Karten für die Vorstellung im Open Air-Kino am Kulturform gibt’s hier.

Und für die Freundinnen des Couch-Kinos gibt's auch was: In der Filmreihe rbb QUEER läuft am 22. Juli (23:25 Uhr) Küss mich (2011) von Alexandra-Therese Keining. Der schwedische Lesbenklassiker erzählt die Liebesgeschichte zwischen Mia (Ruth Vega Fernandez) und Frida (Liv Mjönes), beide eigentlich liiert - Mia mit einem Mann, Frida mit einer Frau -, die sich bei der Hochzeit von Mias Vater und Fridas Mutter kennen lernen.

Salzgeber Mia (Ruth Vega Fernandez) und Frida (Liv Mjönes) in „Küss mich!“

Vom Stummfilm Anders als die anderen (1919) über Kommt Mausi raus?! (1995) bis Futur Drei (2020): Die Dokumentation Queer Cinema macht einen Streifzug durch 100 Jahre queere Filmgeschichte in Deutschland (3sat, 17.Juli, 19:20 Uhr und  in der Mediathek). Zu Wort kommen unter anderem Rosa von Praunheim, die Regisseurin Angelina Maccarone, der trans Schauspieler Brix Schaumburg und L-MAG-Verlegerin und Filmexpertin Manuela Kay.

Screenshot/ 3satManuela Kay in „Queer Cinema. Eine Reise durch 100 Jahre deutschen Film“

Gruuuusel: In Teil 1 der blutrünstigen Teen-Slasher-Trilogie  Fear Street  (Netflix) stellt sich die queere Schülerin Deena (Kiana Madeira) mit ihrer Ex Sam (Olivia Welch) und ihren Freund:innen einem übernatürlichen Killer in ihrer Kleinstadt entgegen. Madeira und Welch spielen ihre Charaktere auch in den anderen beiden Teilen, obwohl die Trilogie in den Jahren 1994, 1978 und 1966 angesiedelt ist – ist halt übernatürlich...

In Staffel 1 der Highschool-Comedy Noch nie in meinem Leben kam Fabiola (Lee Rodriguez), die frisch geoutete Freundin von Hauptfigur Devi, ein bisschen kurz, in Staffel 2 – jetzt bei Netflix – scheint’s für sie aber mit ihrem Schwarm, der coolen Lesbe Eve (Christina Kartchner), voranzugehen.

Netflix Direkt romantisch sieht das aber nicht aus: Fabiola und Eve in „Noch nie in meinem Leben“

Trans – I Got Life von Imogen Kimmel und Doris Metz gewann am letzten Wochenende den Publikumspreis beim Internationalen Filmfest München. Die Dokumentation, die sieben trans Menschen von München über San Francisco bis Moskau begleitet, startet am 23. September im Kino.

Zwei Jahre nach ihrem Debütalbum „Immunity“ ist die bisexuelle Singer-Songwriterin Clairo mit ihrem zweiten Album „Sling“ zurück. Ihre sexuelle Identität nimmt darin weniger Raum ein als in ihren Songs „Sofia“ und „Bags“, das bedeutet aber nicht, „dass meine Erfahrung nicht wichtig ist, sondern einfach, dass andere das eleganter und intelligenter erklären können“, sagte sie dem Rolling Stone. In dem Interview widersprach die 22-Jährige auch der allgemeinen Annahme, dass ein Tweet 2018 ihr offizielles Coming Out war („Boy of My Dreams is also Girls of My Dreams“): „Irgendwie dachte ich, dass das schon bekannt war“, sagte sie. „Ich versuche nicht, mich in der Community breit zu machen und möchte deshalb nicht immer darüber reden.“

 

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