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K-Word #415: Neues aus der Lesbenwelt

Raven Saunders, Jasmin Grabowski und weitere lesbische Medaillengewinnerinnen in Tokio, Ruby Rose, Kehlani, „The L Word: Generation Q“, „Princess Charming“, „Eldorado KaDeWe“: neue deutsche Serie mit Frauenpaar im Mittelpunkt - und mehr!

Von Karin Schupp

6.8.2021 - Wenn es bei den Olympischen Spielen ein „Team LGBTQ“ gäbe, stünde es zurzeit mit 26 Medaillen, darunter 9x Gold, in der Top 10 des Medaillenspiegels! Kugelstoßerin Raven Saunders (USA), die im Wettkampf mit gefärbten Haaren und Hulk-Maske auffiel, gewann Silber und erregte auch bei der Siegerehrung Aufsehen: Als Zeichen ihrer Solidarität für unterdrückte Menschen kreuzte sie ihre Arme über dem Kopf. „Wenn ihr SCHWARZ seid, LGBTQIA+ oder mentale Probleme habt: Die ist für euch!“, schrieb die lesbische Sportlerin, die auch ihren Kampf gegen Depressionen öffentlich machte, auf Instagram und schickte via US-Olympiasender NBC „Grüße an die LGBTQ-Community. Ich bin mit dem Ziel hergekommen, eine Medaille zu holen, weil sie für alle da draußen steht, die zu kämpfen haben. Es geht nicht nur um mich!“ Wegen ihrer X-Geste ermittelte prompt das IOC, ließ sie aber ungerügt. Weitere Medaillen: Gold gewann Ana Marcela Cunha (Brasilien) im 10 km-Freiwasserschwimmen, Bronze die Judoka Jasmin Grabowski im Mixed-Teamwettkampf.

Screenshot Access/ Instagram Silber, Gold, Bronze: Raven Saunders, Ana Marcela Cunha und Jasmin Grabowski (v.l.n.r.)

„Ich bin stolz, der LGBTQ-Community anzugehören“, sagte Nesthy Petecio (Philippinen) nachdem sie im Boxen Silber erkämpft hatte. „Dieser Sieg ist auch für euch.“ Die französische Florettfechterin Astrid Guyart gewann einen Monat nach ihrem Coming Out im Fernsehen (K-Word #409) Bronze im Teamwettbewerb. Gold und Weltrekord holte Venezuelas Leichtathletik-Star Yulimar Rojas im Dreisprung. Und die Bogenschützin Lucilla Boari (Italien) outete sich nach dem Gewinn von Bronze, als sie während der Pressekonferenz mit einem Videocall ihrer Freundin überrascht wurde. „I love you so much“, sagte die Holländerin, worauf Boari vorsichthalber noch mal erklärte: „Das ist Sanne, meine Freundin.“ Das - ständig upgedatete - „Team LGBTQ“ stellen wir hier und hier vor: mittlerweile sind es 187 Sportler:innen, davon 90 Prozent Frauen.

Screenshot Sportschau/ Instagram Yulimar Rojas, Lucilla Boari, Astrid Guyart und Nesthy Petecio (im Uhrzeigersinn, ab oben links)

In den USA startet heute die zweite Staffel von The L Word: Generation Q und zur Feier des Tages läuft dort die erste Folge kostenlos auf Youtube, allerdings leider nur fürs US-Publikum. Wenigstens müssen wir nicht allzu lang auf die zehn neuen Folgen warten: Sie starten am 29. September bei Sky und Sky Ticket, wo auch die erste Staffel steht. Und wer ein TVNOW-Abo hat: Auch dort gibt’s die erste Staffel plus die komplette Originalserie.

Ruby Rose rief letzte Woche in ihrer Instagram Story dazu auf, sich gegen Corona impfen zu lassen. Hintergrund war die schwierige Suche nach einer Notaufnahme, die sie wegen Komplikationen nach einer Operation aufsuchen musste. Obwohl ihr Fall „recht ernst“ war, habe „es Stunden gedauert, ein Krankenhaus zu finden, das mich oder sonst jemanden aufnehmen konnte“, erzählte die lesbische Schauspielerin (Batwoman) und sagte angesichts der wegen der Pandemie überfüllten Krankenzimmer: „Passt auf euch und andere auf! Und lasst euch bitte impfen, wenn ihr könnt.“

Rose/ InstagramJetzt geht's Ruby Rose aber wieder gut!

In Berlin und Budapest wird zurzeit die 6-teilige ARD-Serie Eldorado KaDeWe gedreht, eine Freundschafts- und Familiensaga um das berühmte Berliner Kaufhaus in den 1920er Jahren, in deren Zentrum ein Frauenpaar steht: Hedi (Valerie Stoll), Verkäuferin in der Textilabteilung, Fritzi (Lia von Blarer), Tochter des Eigentümers, beginnen „gegen alle gesellschaftlichen und familiären Widerstände eine leidenschaftliche Beziehung“ (Pressetext). Weitere Hauptfiguren sind der neue Juniorchef, Fritzis Bruder Harry, und der junge Prokurist Georg. Regie führt Julia von Heinz (Und morgen die ganze Welt). 

Constantin/ Ufa Fiction Wann „Eldorado KaDeWe“ ausgestrahlt wird, ist noch nicht bekannt

Die Amazon Studios versprechen mehr Diversität in ihren Serien und Filmen. Bis 2024 sollen Frauen und ethnisch unterrepräsentierte Gruppen die Hälfte aller wichtigen Posten - Regie, Produktion, Drehbuch – bekommen, und auch vor der Kamera wird es mehr Vielfalt geben, darunter auch mehr LGBTQIA+-Charaktere. Zudem sollen die „echten Identitäten der Schauspielenden mit denen ihrer Charaktere“ übereinstimmen. Für trans Rollen gilt das in den USA inzwischen ohnehin als gesetzt, bei der sexueller Identität lief‘s bisher nicht so streng – schließlich darf man beim Casting nicht danach fragen. Nun ja, es ist schon schön zu wissen, dass eine Schauspielerin „zu uns“ gehört, aber hat(te) jemand etwas gegen Cate Blanchett in Carol oder Jennifer Beals in The L Word? Und heißt das, dass eine lesbische Schauspielerin dann auch keine Hetero-Rolle mehr spielen darf? Was sagt ihr dazu, #ActOut-Beteiligte (K-Word #390)? Ist das nicht genau das Gegenteil von dem, was ihr in eurem Manifest gefordert habt? 

Showtime/ Liz Morris „The L Word: Generation Q“ würde die Amazon-Quote vor und hinter der Kamera erfüllen, aber Jennifer Beals (Bette, r.) und Sephideh Moafi (Gigi, l.) dürften dann wohl nicht mitspielen: Beals ist offen hetero, von Moafi ist es nicht bekannt

Kehlani, die sich im Frühjahr als lesbisch geoutet hat (K-Word #401) gastiert im neuen Song und Video von Kiana Ledé: In dem Clip zu „Ur Best Friend“, bei dem sie auch Regie führte, betrügt Kiana ihren Freund mit dessen bester Freundin, gespielt von Kehlani – inklusive Kuss!

Ein bisschen wie The L Word, nur weniger glamourös, ein bisschen realistischer und mit deutlich weniger Budget: Das ist die kanadische Webserie Féminin/ Féminin über eine Gruppe von lesbischen und bisexuellen Freundinnen in Québec. Die bereits 2014 gedrehte Webserie der lesbischen Regisseurin Chloé Robichaud steht jetzt neu auf der Arthouse-Streamingplattform Sooner.de (2 Staffeln, 16 Folgen à 10-13 min.).

Nachdem Princess Charming-Finalistin Elsa letzte Woche auf Youtube gestanden hat, „teilweise ein Stück weit Schuld“ zu sein, „dass es zwischen [Irina] und Lou nicht so ganz geklappt hat“ (K-Word #414), reagierten die beiden souverän – nämlich gar nicht. Statt Krawall, der ihnen allenfalls die Einladung zu Trashformaten wie Promis unter Palmen verschaffen würde, setzen die Charmings lieber auf Spaß und Freundschaft. Lou, Irina und Miri plauderten auf Instagram mit den Prince Charming-Kandidaten Manuel und Antonio, und mit der Youtuberin Annikazion drehten Irina, Miri und Bine die „Folge 10“ mit dem „echten Finale“ inklusive Einzeldates, dem kuscheligen Morgen danach und einem Happy End für alle – unbedingt sehenswert!

Annikazion/ ScreenshotSo hätte es auch kommen können: „Princess“ Irina mit Miri (oben) und Annika (unten)

Und noch ein queeres Video: Für „Legacy“ taten sich in Schweden die lesbische Sängerin Julia Alfrida (mit „Rich“ in diesem Jahr auf Platz 1 der schwedischen Charts) und der schwule Sänger Sylve zusammen und ernannten ihren Track selbstbewusst zum „International Pride Song“:

 

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