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K-Word #433: Neues aus der Lesbenwelt

Was die Show nicht schaffte: „Princess Charming“-Irina ist vergeben! Und macht sich mit Ex-Kandidatinnen für den Begriff „Lesbe“ stark! Le Tigre kommen zurück, Wonder Woman, Ebow, „West Side Story“, queere Hauptfigur in neuer „Star Wars“-Serie? Und mehr!

Von Karin Schupp

10.12.2021 - Bisher galt es als offenes Geheimnis (K-Word #429), aber nach den internationalen Regeln der Instagram-Postings kann es jetzt wohl als offiziell gelten, dass Irina Schlauch und Ricarda Hofmann ein Paar sind: Die Princess Charming-Prinzessin postete gestern Abend ein mit Herzchen versehenes Foto von sich und der Busenfreundin-Podcasterin (die übrigens auch die Off-Texte der lesbischen Datingshow schrieb) - zuvor war's vermutlich nicht erlaubt, da das Finale bei Vox erst am letzten Freitag lief. Die beiden Kölnerinnen sind seit der Ausstrahlung der Sendung auf TVNOW schon häufig zusammen aufgetreten und tun das auch im nächsten Jahr auf ihrer „Love is Live“-Tour zusammen mit Miri, der Princess Charming-Kandidatin der Herzen. Und wer sehen will, wie Irina ihre in der Sendung häufig geäußerte Begeisterung für Sport und Action auslebt, sollte am Sonntag beim Ninja Warrior Germany Promi Special reinschauen (RTL, 12. Dez., 20:15 Uhr).

InstagramRicarda (l.) und Irina: Wir schließen uns den Instagram-Glückwünsche von Jochen Schropp, Motsi Mabuse, diversen „Princess Charming“- und „Prince Charming“-Kandidat:innen und „PC“- Fans an!

„Ich bin eine Lesbe“: Irina, weitere Ex-Princess Charming-Kandidatinnen, darunter die Finalistinnen Lou und Elsa, und diverse Influencerinnen beteiligten sich an einer Aktion, mit der PC-Kandidatin Wiki den bei vielen unbeliebten Begriff „Lesbe“ ins Alltagsvokabular holen will: „Lesbe, Lesbe, Lesbe, Lesbe – lasst uns dieses fucking Wort aussprechen! Lesbe ist kein böses Wort.“ Wasser auf meinen Mühlen: In meinem Artikel „Lesbisch, lesbisch, lesbisch! Plädoyer für einen unpopulären Begriff (2019) plädiere ich ebenfalls für einen entspannteren und pragmatischen Umgang mit „Lesbe“.

In den beiden Kinofilmen mit Gal Gadot ist Wonder Woman hetero, aber in der neuen DC-Comic-Reihe Dark Knights of Steel darf sie endlich queer sein: In Band 2 küsst die Amazonenprinzessin Zala-El, Supermans Schwester. Ob die beiden ein Paar sind oder werden und ihre Beziehung auch weiterhin Thema sein wird, ist aber noch nicht bekannt. Dass die Superheldin queer ist, bestätigte der langjährige Wonder Woman-Autor Greg Rucka bereits 2016: Schließlich lebe sie auf der nur von Frauen bewohnten Amazoneninsel - „wie können sie da nicht alle gleichgeschlechtliche Beziehungen haben? Das wäre doch unlogisch.“ Dark Knights of Steel ist auch online erhältlich, Band 3 erscheint am 4. Januar.

Kuss vorm Sonnenuntergang: Wonder Woman (l.) und Zala-El

Da lässt sich doch die Konkurrenz von Marvel nicht lumpen und führte in seiner neuen Disney+-Serie Hawkeye (mit Jeremy Renner und Hailee Steinfeld) eine lesbische Figur ein: In Folge 4, die in dieser Woche erschien, wird die New Yorker Polizistin Wendy Conrad aka Bombshell (Adetinpo Thomas) eingeführt und outet sich gegen Ende der Folge beiläufig mit den Worten „Ich habe diese Tasche von meiner Frau bekommen.“ Mit der Figur in der Comicvorlage hat Bombshell übrigens nur wenig zu tun: Da ist sie eine Killerin, die Hawkeye umbringen soll, und queer ist sie auch nicht.

MCU/ Disney+/ Screenshot „My wife gave me this bag“: Bombshell in „Hawkeye“

Legt euch nicht mit Lesben an: Am Mittwoch während des Champions League-Spiels gegen  Juventus Turin streckte FC Chelsea-Stürmerin Sam Kerr einen jungen Mann mit einem gezielten Bodycheck zu Boden. Der Störer war aufs Spielfeld gerannt, hatte zunächst vergeblich versucht, eine Selfie mit Chelsea-Kapitänin Magdalena Eriksson (K-Word #368) zu machen und sich dann selbst dabei gefilmt, wie er andere Spielerinnen anstänkerte. Die australische Nationalspielerin bekam für ihre Aktion empörenderweise die gelbe Karte! Kerr, die schon lange offen lesbisch lebt, machte im Sommer ihre neue Beziehung mit der US-Nationalspielerin Kristie Mewis (Houston Dash) öffentlich (K-Word #416).

Le Tigre kommen wieder! Die queer-feministische Electropunk-Band, die 2004 ihr letztes Album „This Island“ veröffentlichte, tritt nächstes Jahr im August beim This Ain’t No Picnic Festival im kalifornischen Pasadena auf. JD Samson, Kathleen Hanna und Johanna Fateman standen vor über zwölf Jahren zum letzten Mal gemeinsam auf einer Bühne, 2016 veröffentlichten sie den Song „I’m with Her“, mit dem sie Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur unterstützten:

Die Neuverfilmung der West Side Story, einer der heterosexuellen Klassiker der Kulturgeschichte (aktuell im Kino), wurde in sechs Ländern im Nahen Osten verboten. Offizielle Erklärungen gibt es dafür nicht, aber es liegt nahe, dass ein trans Charakter der Grund ist: Anybodys, im Original-Musical (1957) ein „burschikoses Mädchen“, das Mitglied der Jungs-Gang The Jets werden möchte, ist in Steven Spielbergs Version ein junger trans Mann, gespielt von der* lesbischen, nichtbinären Iris Menas (hier in einem Youtube-Interview zum Film). In Saudi Arabien und Kuwait bekam der Film von vornherein keine Verleiherlaubnis, Bahrain, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emiraten hatten Schnitte verlangt, die das sonst nicht gerade als kämpferisch bekannte Filmstudio Disney verweigerte. Als Anita ist übrigens die queere Schauspielerin Ariana DeBose zu sehen, die wir aus dem lesbischen Netflix-Film The Prom (unsere Filmkritik) kennen.

20th Century Studios Iris Menas (ganz links) als Anybodys in „West Side Story“

„Meinen ersten queeren Crush hatte ich auf einen trans Mann. Und dann hatte ich vor anderthalb Jahren eine Begegnung mit einer tollen Frau, wo ich gemerkt habe: ‚Meine Güte! Wir sind mehr als nur Freundinnen.‘ Und das Allerschönste war, dass sich das komplett normal angefühlt hat“, erzählte uns die pansexuelle Schauspielerin Bineta Hansen im exklusiven L-MAG-Interview. Die 23-Jährige spielte in der Lesbenserie Loving Her die Mitbewohnerin der Hauptfigur (unsere Serienkritik), ist aktuell in Staffel 2 von WIR (unsere Serienkritik) und bald im ARD-Weihnachtsmehrteiler Eldorado KaDeWe (auch hier gibt’s ein lesbisches Paar!) zu sehen.

Mirko Giommarelli Gehörte auch zu den Unterzeichnenden des #ActOut-Manifests: Bineta Hansen

Das hören wir doch gerne: „Der erste Sex mit einer Frau war einfach super!“, erzählte  Maren Kroymann in der aktuellen Bunte und fügte vorsichtshalber dazu, dass sie ihr lesbisches Coming Out „auf keinen Fall aus Enttäuschung“ über die Männer erlebte. Das komplette Interview steht leider nicht online, sondern nur im Heft.

Die lesbische Schauspielerin Amandla Stenberg (K-Word #257) hat die Hauptrolle in der neuen Star Wars-Serie The Acolyte ergattert. Details zu ihrer Figur, einer jungen Sith-Schülerin, sind noch nicht bekannt, aber es besteht die Hoffnung, dass sie queer ist, denn die lesbische Showrunnerin und Chef-Autorin Leslye Headland (Matrjoschka) erklärte im Sommer in The Advocate: „Es ist unmöglich, dass es sich in meiner Arbeit nicht widerspiegelt, dass ich eine queere Frau bin. Ich könnte versuchen, es nicht zu tun, aber warum sollte ich?“ The Acolyte soll die erste frauenzentrierte Serie des Franchises werden und 2023 bei Disney+ laufen.

Stenberg/ InstagramBevor ich „The Acolyte“ mit Amandla Stenberg gucke, muss ich mich wohl noch ein bisschen ins „Star Wars“-Universum einarbeiten

Die italienische Boxerin Irma Testa hat sich geoutet. Die Europameisterin 2019, die bei den Olympischen Spielen im Sommer Bronze im Federgewicht gewann, sagte der Vanity Fair Italia: „Über die sexuelle Orientierung zu sprechen, hat in der Sportwelt einen besonderen Wert, weil von Siegern erwartet wird, dass sie perfekt sind. Und für viele ist Homosexualität immer noch ein Makel.“ Ein Label wie „bisexuell“, „pansexuell“ oder gar „lesbisch“ will sich die 23-Jährige aber nicht geben: „Ich sage nicht, dass ich eine Lesbe bin, weil es einen Mann in meiner Zukunft geben könnte. Seit ich ein kleines Kind war, fühlte ich mich zu Frauen hingezogen, aber ich habe auch manchmal etwas für Männer gefühlt“, erklärte sie. Außer Testa standen bei den Spielen in Tokio fünf weitere offen queere Boxerinnen im Ring.

Testa/ InstagramIrma Testa ohne Boxhandschuhe

Neu auf DVD und im Streaming: Der queere Indie-Horrorfilm Bloodthirsty beginnt damit, dass die lesbische Pop-Sängerin Grey (Lauren Beatty) mit ihrer Freundin Charlie (Katharine King So) auf ein entlegenes Anwesen in den Wäldern Kanadas fährt, um bei einem berüchtigten Produzenten ihr neues Album aufzunehmen – das kann doch NICHT GUT GEHEN… Mit Hollywood mithalten kann der Film nicht, aber Regisseurin, Autorinnen und die Hauptdarstellerinnen sind queer/ lesbisch, und die psychologisch interessante Story und der Soundtrack machen ihn sehenswert, wie unsere Filmkritikerin urteilte.

„Ich fick halt gern mit Frauen“, rappt Newcomerin Kitana in ihrem neuen Song „Grau“…

... und „Meine Ex ist fresh“, rappt Ebow in ihrem neuen Track „Araba“. Ab 31. März 2022 geht die queere Rapperin auf Tour, ihr neues Album „Canê“ erscheint ebenfalls im März – Infos, Tourtermine und Vorbestellung auf ihrer Webseite.

 

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