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K-Word #435: Die Coming Outs 2021

In unserem traditionellen Rückblick stellen wir 35 Promis aus aller Welt vor, die sich in diesem Jahr als lesbisch, bisexuell, queer und nichtbinär outeten.

HBO, Twitter, MDR/ MadeFor/ Hardy Spitz V.l.n.r.: Shannon Woodward in „Westworld“, JoJo Siwa, Karin Hanczewski in „Tatort“

Von Karin Schupp

23.12.2021 - Instagram sei’s gedankt: Seit Promis und angehende Promis sich dort unkompliziert mit einem beiläufigen Bekenntnis oder einem Foto mit der Liebsten outen können, gibt es so viel Coming Outs wie noch nie.

JoJo Siwas Coming Out auf ihren Social Media-Kanälen trendete im Januar – kein Wunder: der Teenie-Star hat über 31 Millionen Fans auf TikTok und über 12 Millionen Youtube-Abonnent:innen. Die mittlerweile 18-Jährige, die durch die Dokuserie Dance Moms bekannt wurde und sich als pansexuell, gay und queer bezeichnet, landete im Herbst auf Platz 2 der US-Promi-Tanzshow Dancing with the Stars – als erste Kandidatin, die mit einer Frau tanzte (K-Word #431).

Als „queer and proud“ outete sich im Januar auch Mary Wiseman (Star Trek: Discovery). Vor ihrer Ehe mit ihrem Ko-Star Noah Averbach-Katz habe sie „Menschen aller Geschlechter gedatet und geliebt“, sagte sie auf StarTrek.com. „Als ich mit Frauen zusammen war, mochte ich es nie, wenn hetero wirkende Frauen die Diskussionen über Bisexualität/ Pansexualität dominierten, deshalb versuche ich das jetzt auch nicht.“

Shannon Woodward (Westworld, Raising Hope) outete sich  auf Twitter als queer, und die australische Schauspielerin Adelaide Kane, die als Hauptfigur der Serie Reign bekannt wurde, stellte im Februar auf TikTok ihre Freundin, das holländische Model Marthe Woertman, vor.

Anfang Februar forderten 185 LGBTQ-Schauspieler:innen in ihrem #actout-Manifest mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz in Film, Fernsehen und auf Theaterbühnen – und etliche outeten sich bei dieser Gelegenheit, etwa Tatort-Kommissarin Karin Hanczewski, die die Aktion mitinitiierte (unser Interview), Lana Cooper (aktuell in einer lesbischen Rolle in Eldorado KaDeWe zu sehenk), Lea Willkowsky (Dark, Loving Her), Emma Bading (Der Usedom-Krimi), Nadine Wrietz (Der Lehrer), Eva Maria Jost (WIR - unser Interview) und Bineta Hansen (Loving Her, WIRunser Interview).

Vogue Taiwan/ CC-BY, Instagram, RTL/ Rolf Baumgartner V.l.n.r.: Emma Corrin, Kehlani, Olivia Marei

„Ich bin queer und sage das gerne offen“, twitterte im März die englische Schauspielerin Ella Hunt, die in der Serie Dickinson (Apple TV+) eine Liebesgeschichte mit Hauptfigur Emily (Hailee Steinfeld) erlebte.

Für ihre Rolle als Lady Diana in The Crown gewann Emma Corrin in diesem Jahr einen Golden Globe, und zwei Monate später outete sich die Brit:in im April auf Instagram als queer, im Juli als nichtbinär sei (Pronomen: she/ they).

„Ich möchte mich nicht verstecken. Ich möchte auch nicht noch einmal gefragt werden, ob ich wieder einen Freund habe. Würde ich einfach nicht darüber reden, käme mir das vor wie lügen.“ Mit diesen Worten erklärte die Schweizer Ex-Kunstturnerin  Ariella Kaeslin (33), Europameisterin und Vize-Weltmeisterin 2009 ihr Coming Out.

„Wisst ihr das Neueste über mich? Ich weiß endlich, dass ich lesbisch bin!“, erklärte Kehlani am Osterwochenende auf Instagram Live (K-Word #399). Zuvor hatte sich die Musiker:in, die mit ihrem Ex Javie Young-White eine Tochter (2) hat, als queer und nichtbinär (Pronomen she/ they) bezeichnet.

Sie sei sich noch nicht zu 100 Prozent sicher, antwortete die Sängerin Becky Hill einem Fan auf Twitter, „aber ich denke, ich bin queer!“ Die Britin (27) wurde 2012 durch die Castingshow The Voice UK bekannt, ihre Hits „Gecko“ (2014) und „Lose Control“ (2019) waren auch in den deutschen Charts.

„I’m gay“, kommentierte die US-Singer Songwriterin Angel Olsen auf Instagram knapp ein Foto ihrer Liebsten, der nichtbinären Drehbuchautor:in Adele Thibodeaux. In früheren Interviews hatte Olsen noch mehrfach ohne Not betont, hetero zu sein…

„Meine erste Beziehung war mit einer Frau“, verriet  Olivia Marei, „Toni“ in der RTL-Soap GZSZ, am Tag der lesbischen Sichtbarkeit auf Instagram. „Ich bin für mehr Sichtbarkeit, denn Liebe ist Liebe.“ Von ihrem Coming Out haben wir leider nichts: Sie ist seit 2018 mit einem Mann verheiratet.

Instagram/ Canal plus V.l.n.r.: Alexandra Shipp, Daniela Sea, Astrid Guyart

Die US-Musikerin Bebe Rexha („Me, Myself & I“, „Say My Name“) sagte im Mai der Gay Times: „Habe ich schon Girls gedatet? Ja, hab ich. Sogar berühmte, aber ich nenne keine Namen. War ich schon in ein Girl verliebt? Ja, aber im Moment bin ich in einer Beziehung mit einem Mann.“

Daniela Sea spielte in The L Word den trans Mann Max und galt damals als eine der wenigen offen lesbischen Stars der Serie. Jetzt aber erklärte Sea im Interview mit Autostraddle, sich schon während der Dreharbeiten als „trans und nichtbinär“ identifiziert zu haben.

„Ich hatte mein Coming Out erst mit 28. Wenn ich an Reue glauben würde, wäre das definitv meine Nr. 1“, schrieb  Alexandra Shipp (30), bekannt aus dem schwulen Teeniefilm Love, Simon und als „Storm“ aus der X-Men-Reihe auf Instagram. Zeitgleich erschien Hayley Kiyokos Video „Chance“, in dem Shipp und der lesbische Popstar ein Paar spielen.

„Hi, mein Name ist Kaylee, und ich bin queer!“, schrieb die US-Schauspielerin Kaylee Bryant Anfang Juni auf Instagram. Die 23-Jährige ist als pansexuelle Hexe Josie aus Legacies (bei Streamingdiensten) bekannt.

Jessica Fiorini, Teilnehmerin der Hetero-Datingshows Love Island (Staffel 2, 2018) und Der Bachelor (10. Staffel, 2020), stellte auf Instagram ihre Freundin vor (K-Word #409) Sie sei „Frauen gegenüber nie abgeneigt“ gewesen, sagte die Schweizerin dem Blick, habe es „aber nicht wirklich wahrhaben“ wollen und erst jetzt gemerkt, „dass ich Männer einfach nicht mehr attraktiv finde und ich mich zu Frauen viel mehr hingezogen fühle.“

In einer französischen TV-Dokumentation outeten sich mehrere Sportler:innen als schwul oder lesbisch, darunter die Florettfechterin Astrid Guyart, die anschließend bei den Olympischen Spielen in Tokio Silber holte.

Der chinesische Fußballstar Li Ying (28) ist die erste offen lesbische Spitzensportlerin ihres Landes: Sie postete auf auf Sina Weibo, dem chinesischen Twitter, ein Pärchenfoto plus Liebeserklärung an ihre Freundin (K-Word #410). Die 116-fache Nationalspielerin wurde im Januar als einzige Fußballerin Chinas ins „Asiatische Team des Jahrzehnts“ gewählt.

Die Südafrikanerin Jodie Balfour – sie spielte Jackie Kennedy in The Crown und zuletzt eine lesbische Rolle in der Apple+-Serie For All Mankind - schrieb auf Instagram, „wie befreiend es gewesen ist, meine Queerness endlich anzunehmen und zu erforschen.“ Im Oktober erfuhren wir, dass sie und die Schauspielerin Abbi Jacobson seit einem Jahr ein Paar sind.

Instagram V.l.n.r.: Lauren Price & Karriss Artingstall, Katarzyna Zillmann, Mae Whitman

Bei den Olympischen Spielen in Tokio traten mindestens 189 LGBTQ-Sportler:innen an, darunter 90 Prozent Frauen (hier und hier stellen wir sie vor). Die große Mehrheit war schon vorher out gewesen, zuvor aber - abgesehen von Stars wie Sue Bird, Megan Rapinoe oder Shanice van de Sanden - schlicht zu unbekannt, um die Welt dafür zu interessieren; das gilt auch für die drei Deutschen, Judoka Jasmin Grabowski (Bronze im Mixed Team), Jolyn Beer (Schießen) und Natalie Kubalski (Hockey). Zwei Athletinnen aber nutzten ihren Medaillengewinn für ihr öffentliches Coming Out: Die polnische Rudererin Katarzyna Zillmann schnappte sich nach ihrem Silber-Gewinn im Doppelvierer ein Mikrofon und widmete die Medaille ihrer Freundin, der Kanutin Julia Walczak (K-Word #414). Und Lucilla Boari, Bronze-Gewinnerin im Bogenschießen, wurde während der Pressekonferenz mit einem Videocall ihrer holländischen Freundin überrascht, die ihr ein „I love you so much!“ zurief. Und falls das untergegangen sein sollte, stellte die Italienerin klar: „Das ist Sanne, meine Freundin.“

Nach ihrer Rückkehr aus Tokio outeten sich die britischen Box-Medaillengewinnerinnen Lauren Price (Gold im Mittelgewicht) und Karriss Artingstall (Bronze im Federgewicht) in einem BBC-Interview als Paar (K-Word #417).

Supermodel Lily Cole ist queer, wie die Britin in ihrem neu erschienenen Buch über den Klimawandel „Who Cares Wins: How to Protect the Planet You Love“ schreibt. Der Sunday Times sagte sie, sie wolle „bestätigen, dass ich nicht hetero bin“, ohne konkreter werden zu werden. Ob sienoch mit dem Vater ihrer Tochter (6) zusammen ist, ist unbekannt.

Mae Whitman, bekannt aus den Serien Parenthood und Good Girls, hat sich als pansexuell geoutet. Auf Twitter schrieb sie über ihre Sprechrolle als lesbische Amity in der Disney+-Animationsserie Willkommen im Haus der Eulen: „Da ich selbst pansexuell bin, wünschte ich, ich hätte solche unglaublichen Charaktere wie Amity und Luz in meinem Leben gehabt, als ich aufwuchs. Queere Repräsentation ist so so so wichtig!“

Granada/ CC-BY-SA, Instagram V.l.n.r.: Manuela Zinsberger, Candace Parker, Irma Testa

Und das letzte Quartal gehörte noch einmal den Sportlerinnen: Im Oktober zeigte Manuela Zinsberger, Torfrau in Österreichs Fußballnationalteam, auf Instagram zum ersten Mal mit ihrer Freundin. Die 26-Jährige stand fünf Jahre im Bayern-Tor, bevor sie 2019 zu Arsenal wechselte.

Die italienische Boxerin Irma Testa, Europameisterin 2019 und Bronze-Gewinnerin bei den Olympischen Spielen im Sommer, outete sich in der Vanity Fair Italia, ohne sich ein Label geben zu wollen. „Ich sage nicht, dass ich eine Lesbe bin, weil es einen Mann in meiner Zukunft geben könnte“, sagte die 23-Jährige. „Seit ich ein kleines Kind war, fühlte ich mich zu Frauen hingezogen, aber ich habe auch manchmal etwas für Männer gefühlt.

US-Basketballstar Candace Parker (Chicago Sky) erledigte ihr Coming Out, indem sie ihrer Frau, der russischen Basketballerin Anna Petrakova, auf Instagram zum Hochzeitstag – sie heirateten schon vor zwei Jahren - und zur Schwangerschaft gratulierte. Die Doppel-Olympiasiegerin, die jüngst zu den 25 besten WNBA-Spielerinnen aller Zeiten gekürt wurde, ist seit 2016 von ihrem ersten Mann geschieden, mit dem sie eine Tochter (12) hat.

 

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