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K-Word #457: Neues aus der Lesbenwelt

Werbung mit Anne Hathaway und Zendaya weckt lesbische Fantasien, Ellen DeGeneres' letzte Show, Brittney Griners Frau bittet Joe Biden um Hilfe, Adèle Haenel macht kein Kino mehr, „The L Word: Gen Q“-News, Ariana DeBose, Hayley Kiyoko, Kehlani und mehr!

Bulgari/ ScreenshotSexy rich lesbian murder drama? Zendaya (l.) und Anne Hathaway in „Unexpected Wonders“

Von Karin Schupp

27.5.2022 - Twitter ist sich einig: Bei dem sinnlichen Kurzfilm Unexpected Wonders mit Oscar-Gewinnerin Anne Hathaway und Euphoria-Star Zendaya handelt es sich nicht etwa um Werbung für die Luxusmarke Bulgari, sondern um den Trailer für ein „sexy rich lesbian murder drama“, wie ein User schrieb. In dem Krimi, so mutmaßte die Vampirroman-Autorin Francesca Flores, gehe es um zwei Topspioninnen und Ex-Loverinnen, die in ein „Liebesdreieck“ mit einem „kriminellen Superhirn (Anya Taylor Joy)“ geraten. Und eine queere Userin lobt den Mut „von Bulgari, für ihren Schmuck zu werben, indem sie die sapphische Liebesgeschichte der reichen, aber einsamen CEO Anne Hathaway erzählen, die mit ihrer feurigen Assistentin Zendaya Freude und Sinn findet.“

Adèle Haenel will keine Filme mehr drehen, „denn die Filmindustrie ist absolut reaktionär, rassistisch und patriarchalisch“ sagte der Star des Lesbendramas Porträt einer jungen Frau in Flammen (unsere Filmkritik) in einem wütenden Interview mit dem österreichischen FAQ Magazin. Sie habe „versucht, etwas zu verändern. Zum Beispiel die Perspektive von Frauen in den Filmen“, erklärte sie, wolle aber „kein Teil eines feminist washing sein. Es ist Verarschung.“ Ausnahmen will die 33-Jährige nur noch bei aktivistischen Regisseur:innen machen, etwa bei ihrer Ex-Lebensgefährtin Céline Sciamma, mit der sie Porträt einer... drehte, und Gisèle Vienne, in deren Inszenierung „Der Teich“ sie bei den Wiener Festwochen noch bis Sonntag auf der Bühne steht.

Alamode Adèle Haenel (l.) mit Noémie Merlant in „Portrait einer jungen Frau in Flammen“

Cherelle Griner gab am Mittwoch der lesbischen TV-Moderation Robin Roberts ihr erstes Interview, seit der Verhaftung ihrer Frau Brittney Griner am 17. Februar in Moskau (K-Word #446). Seitdem ist der Basketball-Star nach Meinung der US-Regierung in Russland „zu Unrecht inhaftiert“. Gesprochen habe sie seitdem nicht mit ihr, nur „sporadisch, hier und da“ gebe es brieflichen Kontakt, sagte die Juristin und forderte die US-Regierung zum Handeln auf. An Außenminister Anthony Blinken, der sie letzte Woche anrief, richtete sie die Worte: „Sie sagen, dass sie höchste Priorität hat, aber ich will es sehen!“ Und auch Präsident Joe Biden sprach sie direkt an: „Sie ist eine politische Geisel. Wenn sie sie also festhalten, weil sie wollen, dass Sie etwas tun, dann will ich, dass Sie es tun.“ Der zweifachen Olympiasiegerin wird in Russland „Drogenschmuggel im großen Stil“ vorgeworfen, letzte Woche wurde ihre Untersuchungshaft um einen weiteren Monat auf Mitte Juni verlängert (K-Word #456).

„Wenn ich in den letzten 19 Jahren irgendetwas getan habe, dann hoffe ich, dass ich Sie dazu inspiriert habe, Sie selbst zu sein - Ihr wahres, authentisches Selbst!“ So verabschiedete sich Ellen DeGeneres gestern von ihrem TV-Publikum: Nach 19 Jahren endete ihre tägliche TV-Show. Darin warf die lesbische Entertainerin (64) auch einen Blick zurück und thematisierte wie zuvor schon in einem Interview (K-Word #456), dass sie anfangs nicht das Wort „gay“ verwenden und „nicht ‚wir‘ sagen [durfte], weil das implizierte, dass ich mit jemandem zusammen war. Natürlich konnte ich nicht Ehefrau sagen. Das lag daran, dass es für Homosexuelle nicht legal war, zu heiraten. Und jetzt sage ich ständig ‚Ehefrau‘“, erklärte sie. „Vor fünfundzwanzig Jahren wurde meine Sitcom abgesetzt, weil sie nicht wollten, dass eine Lesbe einmal pro Woche in der Hauptsendezeit zu sehen ist. Also habe ich gesagt: ‚Okay, dann werde ich jeden Tag im Daytime-Programm zu sehen sein, wie wäre das?‘“

Die queere Oscar-Gewinnerin Ariana DeBose (K-Word #449) gehört zu den 100 einflussreichsten Menschen des Jahres – zumindest nach Einschätzung der US-Zeitschrift Time. Auf deren Liste stehen außerdem die lesbische Fußballerin Megan Rapinoe wegen ihrer Verdienste um die Gleichbezahlung der Fußballnationalspielerinnen (K-Word #456) und drei bisexuelle Promis: Basketball-Star Candace Parker (K-Word #444), die Künstlerin Nan Goldin und die – freundlich ausgedrückte – eigenwillige Kongressabgeordnete Kyrsten Sinema der Demokraten aus Arizona, die mit ihrer rechtskonservativen Meinung schon wichtige Abstimmungen blockiert hat. Die einzigen Deutschen auf der traditionell US-lastigen Liste sind Olaf Scholz und Ursula von der Leyen.

DeBose produziert übrigens demnächst die romantische Komödie Bottoms, in der sie selbst die bisexuelle Hauptrolle spielt. Diesen und fünf weitere Filme, auf die wir uns schon freuen, stellen wir hier vor.

In Staffel 4 von Stranger Things (Netflix, ab 27. Mai) ist auch Robin wieder dabei, die sich am Ende der dritten Staffel (2019) als lesbisch outete. Der Webseite Pink News verriet Robin-Darstellerin Maya Hawke (die Tochter von Uma Thurman und Ethan Hawke) damals, dass sie ursprünglich als Steves Love Interest neu eingeführt wurde, „aber während der Dreharbeiten hatten wir das Gefühl, dass sie nicht zusammenkommen sollten und dass sie lesbisch ist. Und darüber bin ich sehr, sehr glücklich.“

Netflix Maya Hawke als Robin in „Stranger Things“

Als ich Hayley Kiyokos Video „For The Girls“ letzte Woche als „ihre eigene Princess Charming-Version“ bezeichnete, lag ich richtiger, als ich dachte: Bei ihrer Auserwählten handelt es sich um die Ex-Bachelor-Kandidatin Becca Tilley – und mit der ist der lesbische Popstar im echten Leben seit 2018 zusammen, wie sie nun öffentlich machte. Das Gerücht kursierte in Fan-Kreisen schon seit drei Jahren, bisher erklärte Hayley aber, dass sie ihre Beziehung privat halten wolle. Am 29. Juli erscheint ihr neues Album „Panorama.“

Kiyoko/ InstagramHayley Kiyoko (r.) und Becca Tilley

Und noch ein Pärchen-Coming-out per Musikvideo: Als „a true story“, kündigte Kehlani den neuen Clip „melt“ an, in dem die lesbische, nichtbinäre Musiker:in (aktuelles Album: „Blue Water Road“) mit der Rapperin 070 Shake turtelt. Dass die beiden ein Paar sind, wird schon seit vergangenem Herbst gemunkelt.

 

Eine neue lesbische Teenie-Komödie steht ab heute bei Disney+: In Crush schließt sich Paige (Rowan Blanchard, Snowpiercer), eher kreativ als sportlich veranlagt, dem Leichtathletik-Team ihrer Schule an, um dort ihrem Schwarm Gabby (Isabella Ferreira) näher zu kommen. Bald lässt aber auch ihre Trainingspartnerin, Gabriellas Schwester AJ (Auli’i Cravalho), ihr Herz höher schlagen… Hinter den Kulissen ging’s wohl nicht so harmonisch zu – die bisexuelle Cravalho bezeichnete  ihren queeren Ko-Star Blanchard auf Tik Tok als „biphob“ –, aber die Kritiker:innen sind sich einig, dass der Film (der von einem queeren Trio, Sammi Cohen, Kirsten King und Casey Rackham stammt) „very queer and cute“ sei.

Im Juni beginnen die Dreharbeiten zur dritten Staffel von The L Word: Generation Q, und auch Rosie O’Donnell wird wohl wieder dabei sein, wie sie in dieser Woche auf TikTok verriet. In Staffel 2 spielte die lesbische Schauspielerin Tinas (Laurel Holloman) Verlobte, die Anwältin Carrie – eine Rolle, die beim Publikum (und vor allem bei den Bette & Tina-Forever-Fans) nicht unumstritten war (wir berichteten).

Seit heute ist Wallis Birds siebtes Album „Hands“ im Handel und dazu veröffentlichte die lesbische Irin, die in Berlin lebt, ein Video voller Frauen zu ihrem neuen Song „I Lose Myself Completely“:

 

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