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K-Word #462: Neues aus der Lesbenwelt

Österreichs Rekordnationalspielerin Sarah Puntigam hat geheiratet, die Fußball-EM wird so lesbisch wie nie, Basketball-Star Brittney Griner: heute beginnt ihr Prozess in Moskau, bisexuelle Valkyrie in „Thor 4“, „Princess Charming“, Filmtipps - und mehr!

Von Karin Schupp

1.7.2022 - DFB-Ko-Kapitänin Svenja Huth war nicht die einzige, die ihren Urlaub vor der Fußball-Europameisterschaft nutzte, um ihre Freundin zu heiraten (K-Word #459): Auch die österreichische Rekordnationalspielerin Sarah Puntigam gab im Juni der US-Fußballerin Genessee Daughetee das Ja-Wort. Zur Hochzeit in ihrer südsteirischen Heimat war das halbe Nationalteam geladen, darunter auch ihre lesbischen Kolleginnen Viktoria Schnaderbeck (die sich 2019 am selben Tag wie Puntigam outete, K-Word #331) und Manuela Zinsberger (K-Word #429), die ebenfalls noch in diesem Jahr heiratet. Sarah, die zuletzt in Montpellier spielte, unterschrieb gerade zusammen mit Genessee beim 1. FC Köln. In einem Interview mit Kleine Zeitung erklärte sie, dass sie Frankreich auch deswegen verlässt, weil dort „das LGBTQ-Thema verschwiegen wird.“

Puntigam/ InstagramSarah Puntigam (l.) und Genessee Daughetee-Puntigam

Am Wochenende beginnt unsere Berichterstattung zur Fußball-EM (6.-30. Juli). ARD und ZDF übertragen sämtliche 31 Partien, einige aber nur im Livestream (hier alle Termine), auch DAZN streamt alle Begegnungen.

Und selbst wenn euch Fußball nicht interessiert, könnt ihr doch wenigstens Lesben gucken: Im Gegensatz zur EM 2017, wo nur elf Spielerinnen offen lesbisch oder bisexuell waren, sind es in diesem Jahr (mindestens) 50 - und sieben (Ko-)Kapitäninnen: Huth (D), Schnaderbeck (AUS), Ingrid Paredes (ESP), Tinja-Riika Korpela (FIN), Caroline Seger (SWE), Magdalena Eriksson (SWE) und ihre Lebensgefährtin Pernille Harder (DK). Hier stellen wir euch alle offen queeren Spielerinnen des Turniers vor!

ÖFB, deportebalear/ CC-BY-SA, Instagram Bei der EM gibt's mehr Lesben als in der „Princess Charming“-Villa, darunter die Teamkapitäninnen Viktoria Schnaderbeck, Irene Paredes und Pernille Harder (v.l.n.r.)

Bei Disney+ stehen die ersten beiden Folgen der zweiten Staffel von Only Murders in the Buildingmit Steve Martin, Martin Short und Selena Gomez (K-Word #378) als stümperhafte True Crime-Podcaster:innen. Und schon in Folge 2 küsst Mabel (Gomez) ihre neue Bekanntschaft Alice, gespielt von der queeren Schauspielerin Cara Delevingne (K-Word #441). Allerdings macht das plötzliche Auftauchen der Galeristin auch misstrauisch, denn in dem neuen Fall geht’s um ein verschwundenes Kunstwerk…

Hulu/ Screenshot Cara Delevingne (l.) und Selena Gomez sind übrigens privat miteinander befreundet

Gestern wurde in Moskau die Untersuchungshaft von US-Basketball-Star Brittney Griner bis 20. Dezember verlängert, heute beginnt der Prozess gegen die zweifache Olympiasiegerin, die Mitte Februar am Moskauer Flughafen festgenommen wurde (K-Word #460). Weil bei ihr Cannabisöl gefunden wurde (was in den USA legal ist), drohen ihr in Russland bis zu zehn Jahre Gefängnis, und nur unter 2 Prozent aller Prozesse enden mit Freisprüchen. Die US-Regierung geht davon aus, dass BG, wie sie genannt wird, zu Unrecht verhaftet wurde und als politische Geisel festgehalten wird, Gerüchten zufolge will Russland den in den USA inhaftierten Waffenhändler Viktor Bout freipressen. Ihre Frau Cherelle Griner wirft indes ihrer Regierung vor, sich nicht genug zu engagieren. Was ihr versprochen werde, stimme nicht mit dem überein, was getan werde, sagte die Juristin gestern dem Sender CNN. „Es sind über 130 Tage vergangen und BG ist immer noch nicht zurück.“ Griner hielt sich in Russland auf, weil sie sich – wie viele US-Basketballprofis - außerhalb der WNBA-Saison beim UGMK Jekaterinburg etwas dazuverdient.

CNN/ ScreenshotBrittney Griner am Donnerstag auf dem Weg zu ihrer Anhörung

In Thor 4: Love and Thunder (Kinostart: 7. Juli) soll die Marvel-Superheldin Valkyrie endlich – wie in der Comic-Vorlage – bisexuell sein dürfen. Dass in Thor 3 das Thema noch ausgeklammert wurde, hatte auch ihre Darstellerin Tessa Thompson kritisiert (K-Word #224). Jetzt sagte die bisexuelle Schauspielerin (K-Word #257) im Interview mit Yahoo!Entertainment, dass Valkyries sexuelle Identität ein „großes Thema“ zwischen ihr und Regisseur/ Ko-Drehbuchautor Taika Waititi war, „weil ich denke, dass das Publikum in diesem Bereich zu Recht den Wunsch hat, Figuren zu sehen, die ganz eindeutig queer oder LGBTQIA sind.“ Sie sagte, dass sie „ein gutes Gefühl“ bei der Darstellung von Valkyries Bisexualität habe, deutete aber an, dass sie keine Lovestory erleben wird: „In so einem Film gibt’s es offen gesagt nicht Platz für Handlung. (…) Aber egal, ob sie in diesem Film Liebe findet oder nicht, das heißt nicht, dass sie nicht immer noch eine fabelhafte queere Figur ist, die offen dafür ist, Liebe zu finden, wenn es Sinn macht.“

Disney/ Marvel Valkyrie (Tessa Thompson, l.), die Königin von New Asgard, und Thors Ex-Freundin Jane Foster/ Mighty Thor (Natalie Portman)

Schon im fünften Jahr zeigt der TV-Sender rbb die Filmreihe rbb QUEER (Sa, 23:30 Uhr), und in diesem Jahr gesellt sich auch der Bayerische Rundfunk mit BR QUEER  (Do, 23:15 Uhr) dazu. Vom 2. Juli bis 13. August werden elf LGBTQ-Filme gezeigt, danach stehen sie noch zwei Wochen Tage in der ARD-Mediathek. Gezeigt werden auch vier Lesbenfilme: Der BR startet am 7. Juli mit dem Doppelprogramm Zomer – Nichts wie raus! (am 16. Juli auch im rbb) und dem schwedischen Lesbenklassiker Küss mich. Außerdem laufen  Princess Cyd (rbb, 23. Juli) und Siebzehn (BR, 28. Juli). Ein Klick auf die Titel führt euch zu unserer jeweiligen Filmkritik.

Salzgeber Anne (Sigrid ten Napel, l.) und Lena (Jade Olieberg) in „Zomer“: Eine junge lesbische Liebe in der holländischen Provinz

In Folge 3 von Princess Charming wurde zum ersten Mal geküsst! Früher dran als Irina in Staffel 1 war Princess Hanna damit nicht, aber anders als ihre Vorgängerin küsste sie gleich mehrfach! Unser Episoden-Rückblick steht hier, und für Vox-Zuschauerinnen, die ja eine Woche später dran sind, steht hier unser Recap von Folge 2. Bei Youtuber Nico gibt’s Interviews mit den beiden freiwilligen Aussteigerinnen Jay (Folge 2) und *** No Spoiler *** in Folge 3. Und so geht's in der vierten Episode weiter (Dienstag bei RTL+): Es gibt ein Übernachtungsdate, eine sexy Dusch- und Flaschendrehparty in der Villa (ohne Hanna!), möglicherweise das erste In-House-Paar und natürlich Eifersucht und Tränen.

RTL+… und Tyshea (l.) kriegt endlich ihr ersehntes Gespräch mit der Princess

Jetzt bei Netflix: In Beauty geht’s um die begnadete junge Sängerin Beauty (Gracie Marie Bradley), die Anfang der 80er Jahre ihren ersten Plattenvertrag bekommt. Die einzige, die dabei wirklich ihre Interessen im Blick hat, ist ihre beste Freundin und Loverin Jasmine (Aleyse Shannon, die im Charmed-Reboot die lesbische „Jada“ spielte), die von Beautys religiösen Eltern (Giancarlo Esposito und Niecy Nash, K-Word #368) feindselig abgelehnt wird. Und auch in den Augen ihrer Produzentin (Sharon Stone) steht eine lesbische Beziehung ihrer Weltkarriere im Weg. Das klingt nach einem inoffiziellen Whitney Houston-Biopic: die Parallelen zu ihr und ihrer Freundin/ Jugendliebe Robyn Crawford (K-Word #327) sind nicht zu übersehen. Allerdings ist der Film, dessen Drehbuch Hollywoods Power-Lesbe Lena Waithe schrieb, so elliptisch erzählt und gebremst inszeniert, dass es schwer fällt, emotional anzudocken (und dass man nie Beautys wunderbare Singstimme hört, ist zudem eine sehr seltsame Entscheidung). 

Den Trailer gibt's nur im englischen Original:

 

Neu auf DVD und bei Streamingdiensten: In den besten Händen, Gewinner des LGBTQ-Filmpreises Queer Palm in Cannes 2021, erzählt von dem zerrütteten Paar Raf (Valeria Bruni Tedeschi) und Julie (Marina Foïs), das eine Nacht in der überfüllten Notaufnahme eines Pariser Krankenhaus verbringen muss. Für die Regisseurin Catherine Corsini (La Belle Saison) ist Raf „so etwas wie mein Alter Ego. Ich bin tatsächlich auch auf der Strasse gestürzt, als ich mit meiner Lebensgefährtin unterwegs war, und musste eine Nacht in der Notaufnahme verbringen“, sagte sie dem Mannschaft Magazin. „Es gibt wenige andere Orte, wo man so viele so verschiedene Menschen trifft, die sich alle mehr oder weniger auf Augenhöhe begegnen, weil sie alle im gleichen Boot sitzen.“ 

Alamode Film Raf (l.) und Julie in „In den besten Händen“

Es gibt noch Karten: Die queere Musikerin LP (K-Word #437) tritt Anfang Juli in Frankfurt, Wiltz (Luxemburg), Köln und Wien auf (Termine/ Tickets), und auch Lesben-Ikone Melissa Etheridge gibt ab dem Wochenende noch sieben Konzerte in Deutschland und der Schweiz (Termine/ Tickets). Und wie dieses Video von ihrem Auftritt in Stuttgart am Mittwoch beweist, gibt sie auf der Bühne nach wie vor alles:

 

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