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K-Word #467: Neues aus der Lesbenwelt

Moskau: Hartes Urteil gegen US-Basketballstar Brittney Griner, Princess Charming: Amelia spricht erstmals über Hanna und den Kuss ohne Consent, Demi Lovato, Jojo Siwa, Fletcher, Fußball-EM-Nachlese, Serien-News und mehr!

Von Karin Schupp

5.8.2022 - US-Basketballstar Brittney Griner wurde gestern in Moskau wegen Drogenschmuggels zu neun Jahren Haft verurteilt – nur ein Jahr unter der möglichen Höchststrafe. Die zweifache Olympiasiegerin wurde Mitte Februar am Flughafen festgenommen, weil in ihrem Gepäck etwa 0,5 Gramm Cannabisöl gefunden wurde - was in ihrem Bundesstaat Arizona legal ist, ist in Russland verboten. Griner, die sich als schuldig bekannt (K-Word #466) und um Milde gebeten hatte, sagte beim Verlassen des Gerichtssaals: „Ich liebe meine Familie.“ Laut ihrer Anwältin sei sie „sehr aufgebracht, sehr gestresst. Sie kann kaum sprechen.“ US-Präsident Joe Biden betonte in einer Stellungnahme, dass „Russland Brittney zu Unrecht festhält“, und forderte das Land auf, sie sofort freizulassen, damit sie bei ihrer Frau, ihren Lieben, Freunden und Teamkameradinnen sein kann.“ Während die US-Regierung an einem Austausch gegen einen in den USA inhaftierten russischen Waffenhändler arbeitet, bediente Donald Trump in einem Radiointerview mal wieder erzkonservative Animositäten. „Sie ging mit Drogen beladen in ein feindliches Gebiet, in dem sie sehr wachsam sind, was Drogen angeht“, sagte der Ex-Präsident. „Und sie wurde erwischt, und jetzt sollen wir sie rausholen. Sie verdient eine Menge Geld, schätze ich - und wir sollen sie für einen schlimmen Killer und einen der größten Waffenhändler der Welt rausholen.“

FAZ/ Youtube/ ScreenshotBrittney Griner hielt an den Prozesstagen immer wieder Bilder von ihrer Frau Cherelle, Freund:innen und Teamkolleginnen hoch, hier ein Fotos des Clubs UMMC Ekaterinburg, für den sie außerhalb der US-Saison spielte

Eine Folge vor dem Finale endete Princess Charming unerwarteterweise nicht mit der Enthüllung der beiden Finalistinnen (unser Folgenrückblick). Wer neben (der als gesetzt geltenden) Jessi ins Finale kommt – Caro, Laura oder Amelia – wird also erst in Folge 9 verraten. Dass Amelia nicht das Rennen um Hannas Herz gewann, bestätigte sie indirekt gegenüber dem Youtuber Nico (der seine Interviews leider immer mit reißerisch-verzerrten Titeln anpreist – lasst euch davon nicht abschrecken) und sprach darin auch erstmals über den Kuss, den die Princess ihr in Folge 5 ungefragt gab - trotz ihres Kuss-Traumas (unser Folgen-Rückblick). In der Villa habe sie darüber nicht mehr sprechen wollen, „sonst wäre ich in ein Loch gefallen, und das wollte ich nicht.“ Als aber nach der Ausstrahlung der Folge ein Shitstorm gegen die Produktion und Hanna ausbrach, ging es ihr „richtig, richtig schlecht“, erzählte sie, und es habe ihr sehr gut getan, mit ihren Mitkandidatinnen darüber sprechen zu können. 

RTL+/ Screenshot In Folge 8 küsst Amelia Hanna - der erste Kuss mit Consent in dieser Staffel

Zu Hanna hat Amelia - anders als viele Zuschauerinnen - bis heute ein gutes Verhältnis: „Wir sehen uns ziemlich regelmäßig, wir telefonieren auch sehr oft. Und wir hatten mehrfach Momente, wo wir bei mir oder bei ihr saßen, Arm in Arm, und geweint haben und auch darüber gesprochen haben“, sagte sie. „Und ich mich auch in ihre Lage versetzen konnte, weil sie mir auch ihre Sicht der Dinge erklärt hat, was es mit ihr gemacht hat. Nicht nur der ganze Shitstorm, sondern auch an dem Abend selbst. Das fand ich schön.“

Die DFB-Frauen haben zwar das EM-Finale in Wembley gegen England verloren, wurden aber zu unseren Siegerinnen der Herzen (unser Bericht), wie die 23 Spielerinnen und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg am Montag beim Empfang am Frankfurter Römer erleben durften:

Und schon am Vorabend beim DFB-Empfang in London waren die Spielerinnen wieder mit ihren Liebsten vereint, so auch Lea Schüller mit Lara Vadlau (K-Word #445) und Sara Doorsoun mit Lou Schaaf (K-Word #463), und auch Svenja Huths frischgebackene Ehefrau (K-Word #459) war vor Ort.

Instagram Von links: Lea Schüller, Lara Vadlau, Lou Schaaf, Sara Doorsoun

Demi Lovato (K-Word #411) verwendet für sich wieder weibliche Personalpronomen. Im Podcast The Spout sagte der pansexuelle Popstar, der sich 2021 als nichtbinär (mit den Pronomen „they/ them“) outete: Sie sei „Ich bin eine sehr fluide Person, und vor allem im letzten Jahr hatte ich das Gefühl, dass meine Energie ausgeglichen war, meine männliche und meine weibliche Energie, so dass ich, wenn ich die Wahl hatte, in eine Toilette zu gehen, auf der ‘Frauen und Männer’ stand, nicht das Gefühl hatte, dass es eine Toilette für mich gab, weil ich mich nicht unbedingt wie eine Frau fühlte. Ich fühlte mich nicht wie ein Mann. Ich fühlte mich einfach wie ein Mensch. Und darum geht es bei ‘they/them’ für mich, es geht einfach darum, sich im Kern als Mensch zu fühlen.” Abgelegt hat sie „they/ them“ nicht, aber „she/ her“ ist ebenso okay.

Lovato/ InstagramAm 19. August erscheint Demi Lovatos neues Album „HOLY FVCK“

Bekanntlich tut sich so manche lesbische Frau schwer damit, sich als lesbisch zu bezeichnen (lest dazu: „Lesbisch – Plädoyer für einen unpopulären Begriff“), und auch US-Teeniestar Jojo Siwa (K-Word #454) geht's so: In einem Interview mit Yahoo! Life erklärte sie,dass sie sich nicht als „lesbisch“, sondern als „gay“ bezeichne. „Ich mag das Wort als solches nicht“, sagte sie. „Es ist wie das Wort moist [=feucht]. Es ist einfach wie ... igitt!“ Nachdem sie in den Sozialen Medien dafür kritisiert worden war, reagierte die 19-Jährige auf Tik Tok: „Ich habe nie gesagt, dass ‚lesbisch‘ ein schmutziges Wort ist, und das würde ich auch niemals sagen, weil es das nicht ist. Es ist kein Schimpfwort, und es ist auf keinen Fall ein Wort, das ich mich auszusprechen schäme.“ Aber es sei eben „kein Wort, das mir leicht von der Zunge geht.“ Jojo könnte sich ein Beispiel an Wiki, Lou, Elsa und anderen Ex-Princess Charming-Kandidatinnen und Influencerinnen nehmen, die einen Clip zu diesem Thema drehten: „Lesbe – lasst uns dieses fucking Wort aussprechen! Lesbe ist kein böses Wort.“

Heute startet bei Sky Atlantic und dem Streamingdienst WOW (früher:Sky Ticket) die zweite Staffel der Serie Gentleman Jack über die lesbische Großgrundbesitzerin Anne Lister (Suranne Jones) und ihre Frau Ann Walker (Sophie Rundle), die es wirklich gab. Leider machte Showrunnerin Sally Wainwright kein The L Word – Das 19. Jahrhundert draus und zeigt in den neuen Folgen neben ihrer (nicht krisensicheren) Ehe auch – deutlich langweiliger - Listers politische und geschäftliche Ambitionen und einen zähen Streit um Anns Erbe. Eine dritte Staffel ist unwahrscheinlich geworden, seit Koproduzent HBO ausgestiegen ist - aber vielleicht springt ja ein anderer Sender/ Streamingdienst der BBC zur Seite?

Aimme Spinks/ HBO/ BBC Anne Lister (r.) und Ann Walker in „Gentleman Jack

Definitiv keine dritte Staffel bekommt The Wilds (Amazon Prime), in der acht Schülerinnen nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel stranden, darunter die fromme Beautyqueen Shelby (Mia Healey), die in Staffel 1 ihr Coming-out erlebte und mit der lesbischen Basketballerin Toni (Erana James) zusammenkam. In Staffel 2 verlor sich die Survival-Serie in zwei parallelen Handlungssträngen – dieselbe Story wiederholte sich unnötigerweise mit einer Jungs-Gruppe -, zudem zog inzwischen mit Yellowjackets eine noch bessere Serie über Teenagerinnen nach einem Flugzeugabsturz die Aufmerksamkeit auf sich - und auch hier gibt’s queere Charaktere (K-Word #437, Staffel 2 wird im Herbst erwartet).

Amazon Prime Video Wie's mit Toni (l.) und Shelby weitergeht, bleibt jetzt der Fanfiction vorbehalten

Auch nicht weiter geht's mit First Kill: Die Netflix-Serie über die verbotene Liebe zwischen einer jungen Vampirin und einer Nachwuchs-Vampirjägerin wurde nach einer Staffel eingestellt. Die - Schätzungen zufolge - 98 Millionen gestreamten Stunden genügten dem Streaminganbieter offensichtlich nicht. 

Lesbischer geht’s ja kaum: In ihrem Trennungssong „Becky’s so Hot“ besingt die queere Musikerin Fletcher die neue Freundin ihrer Ex, der Youtuberin Shannon Beveridge...

Für den „Pehlivan“-Remix haben sich der Musiker Ferhat und die Produzentin/ DJ İpek İpekçioğlu, zwei Berliner:innen mit türkischen Wurzeln, zusammengetan, um ein Zeichen für Akzeptanz von LGBTIQ in der Türkei zu setzen, wo im Juni zahlreiche Pride-Events verboten wurden. „Für mich war die türkische Ringkampfkultur schon immer sehr homoerotisch“, kommentiert İpek im Pressematerial das in der Türkei verbotene Video. „Umso interessanter ist es für mich als Lesbe, aber auch als Queeraktivistin aufgrund der derzeitigen Situation in der Türkei, diesen Track aus meiner Sicht zu interpretieren.“

 

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