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K-Word #523: Neues aus der Lesbenwelt

Lesbisches Happy End in „Disenchantment“, „Princess Charming“, Irina Schlauch, lesbische Tennisstars, Miley Cyrus, Romy Madley Croft, lesbische Kandidatin bei „Drag Race Germany“, Filmtipps und mehr!

Netflix Und wenn sie nicht gestorben sind, dann küssen sie sich noch heute: Bean und Mora in „Disenchantment“

Von Karin Schupp

8.9.2023 - Happy End für Prinzessin Bean in Disenchantment! Die Netflix-Animationsserie von Matt Groening (The Simpsons) endete nach fünf Staffeln mit einem Kuss der trinkfreudigen Hauptfigur und Meerjungfrau Mora im Sonnenuntergang (zuvor waren sie ihrer Hochzeit entflohen, weil sie keine Lust darauf hatten). Schon im Finale der vierten Staffel hatte es einen Kuss zwischen Bean (im Original von der queeren Schauspielerin Abbi Jacobson gesprochen) und Mora gegebe, viel Raum bekam ihre Beziehung dazwischen aber nicht. Dennoch: Die Fans freuten sich - ein L-Pluspunkt für den Streaminganbieter, der zuletzt für die Absetzung queerinklusiver Serien wie First Kill und Warrior Nun heftig kritisiert wurde.

A propos trinkfreudige Prinzessinnen: In der dritten Staffel von Princess Charming scheint der Alkohol-Level bisher niedriger zu sein, als es sonst in Datinghows leider üblich ist. Princess Madleen (K-Word #520) hat aber auch ein straffes Programm: In Folge 2 (jetzt bei RTL+) lädt sie gleich zu zwei Gruppendates an einem Tag ein. Außerdem ziehen – zur mäßigen Freude der anderen - zwei neue Singles ein, in der Villa werden neue Sportarten eingeführt, es gibt den ersten Kuss, und – Achtung! – gegen Ende der Folge geht es um psychische Probleme und depressive Gefühle. Unser Episodenrückblick steht am Samstag hier auf l-mag.de.

RTL Noch ahnt Princess Madleen (Mitte) nichts von der geballten Datingkompetenz der zwei Neuzugänge: Ex-„Bachelor“-Kandidatin Stephie (l.) und Datingcoach Meli (r.)

Die erste „Princess Charming“, Irina Schlauch, längst in der Reality-Promi-Kartei von RTL, sucht sich ihre Auftritte glücklicherweise mit Verstand aus und entschied sich jetzt für Die Verräter – Vertraue niemandem! In der Krimi-Reality-Show, die in einem französischen Schloss gedreht wurde, müssen 16 Promis drei Verräter in ihren Reihen enttarnen - ähnlich wie in dem beliebten Gesellschaftsspiel Die Werwölfe. Im RTL-Interview sagte Irina, dass sie „Strategiespiele, Escape Rooms und das Lösen von Rätseln liebt“ und gerne zur Verräterin bestimmt werden würde, weil man da „viel mehr Einfluss auf den Spielverlauf nehmen kann, alle Identitäten kennt und so gezielter manipulieren kann. Und man hat eine größere Chance, länger im Spiel zu bleiben.“ Die Sendung startet bei RTL+ am 13. Sept., bei RTL eine Woche später (Mi, 20:15 Uhr).

RTL/ Stefan Gregorowius Wäre lieber Verräterin als „Loyale“: Irina Schlauch in „Die Verräter“

Für eine TikTok-Serie zum Start ihrer neuen Single „Used to be Young“ schaut sich Miley Cyrus alte Bilder von sich an und kommentiert ein Foto, das sie in Jogginghosen, Oversize-Pulli und gemütlichen Latschen neben ihren aufgebrezelten Begleiterinnen Taylor Swift, Demi Lovato und Emily Osment zeigt so: „Wenn ihr auf diesem verdammten Bild nicht erkannt habt, dass ich bisexuell bin, dann weiß ich auch nicht, was mit euch los ist.“ Die Sängerin outete sich 2015 als bi und hatte Affären mit dem Supermodel Stella Maxwell (2015) und Influencerin Kaitlynn Carter (2019), aktuell ist sie mit dem Schlagzeuger Maxx Morando liiert.

Wir sind einfach überall: Auch Drag Race Germany hat eine lesbische Kandidatin (seit 5. Sept. bei Paramount+)! Die Österreicherin Pandora Nox ist Tänzerin und Choreografin und war 2019 Trauzeugin bei der Hochzeit von „Siri“ und „Alexa“, einer Werbeaktion der Stadt Wien für den Europride (K-Word #299). Im Q&A-Clip verrät Pandora, dass sie gerne höchstmögliche Heels trägt, ihre erste CD von DJ Ötzi war und sie gerne nackt ist, was aber „nicht überall gern gesehen“ sei.

Bei den US Open kam es am letzten Samstag zu einem seltenen Aufeinandertreffen von zwei offen lesbischen Spielerinnen (K-Word #522): Die Russin Daria Kasatkina (Platz 14 der Weltrangliste) schlug dabei die Belgierin Greet Minnen (Platz 97) mit 6:3 und 6:4. Uneinigkeit besteht darüber, ob es das erste rein lesbische Grand Slam-Match war – so spielte Billie Jean King 1990 in Wimbledon gegen Martina Navratilova, die wiederum traf dort 1993 auf Jana Novotná und Amélie Mauresmo (K-Word #197) 2008 bei den French Open auf Carla Suárez Navarro - doch offen lesbisch war zu diesem Zeitpunkt wohl nur jeweils die Erstgenannte. Novotná starb übrigens 2017 viel zu früh an Krebs  (K-Word #227). Navarro ist mit der spanischen Fußballerin Olga García zusammen und brachte im Juni Zwillinge zur Welt.

Suárez Navarro/ InstagramCarla Suárez Navarro (l., die es bis auf Platz 11 der Weltrangliste schaffte) und Olga García mit ihren Töchtern Ona und Noa

Zurück nach New York: Im Achtelfinale der US Open verlor Kasatkina gegen die Weltranglisten-Zweite Aryna Sabalenka und nutzte während des Turniers ein Interview, um für ihren neuen Youtube-Kanal zu werben, den sie mit ihrer Freundin Natalia Zabiiako startete – siehe Clip. Die erfolgreichste Spielerin im „Team L“ war Demi Schuurs (K-Word #479), die mit ihrem Mixed-Partner Hugo Nys im Viertelfinale ausschied.

Aktuell im Kino: In Alaska paddelt die wortkarge Einzelgängerin Kerstin (Christina Große) stoisch alleine in ihrem Kajak über die Mecklenburgische Seenplatte, bis sie Alima (Pegah Ferydoni) begegnet, die sich ihr anschließt. Die beiden kommen sich auf ihrer Reise auch körperlich näher, dem stillen Natur-Roadmovie geht es aber nicht um eine Lovestory, sondern um einen Neuanfang und die Suche nach sich selbst. Alaska gewann den Max Ophüls Filmpreises 2023 und ist für den First Steps Award 2023 nominiert.

Am 7. Sept. startete im Kino auch Feminism WTF? Die Regisseurin Katharina Mückstein geht darin der Frage nach, was Feminismus heute bedeutet und gibt (auch queeren und trans) Expert:innen das Wort, anstatt nur diffuse Gefühle und Meinungen aufzugreifen. Und damit's nicht zu wortlastig wird, lockern bunte Tanz- und Performance-Szenen zu einem elektronischen Soundtrack den Dokumentarfilm ein bisschen auf.

mindjazz pictures Ein Hauch von „Orange is the New Black“ in „Feminism WTF?“

Es liegt erst 35 Jahre zurück: Der berührende Spielfilm Blue Jeanspielt in England 1988 und zeigt, wie die lesbische Sportlehrerin Jean (Rosy McEwen) ihre sexuelle Identität im Job verstecken muss, weil die konservative Thatcher-Regierung damals die „Förderung von Homosexualität“ verbot. Eine junge Lesbe (Lucy Halliday) an ihrer Schule bringt Jean jedoch ins Grübeln… Der Film läuft aktuell beim Queerfilmfestival (noch bis 13.9.) und in der Queerfilmnacht September, Kinostart ist am 5. Oktober, und hier steht unsere Filmkritik.

Jetzt bei Streaminganbietern und auf DVD: Sisi & Ich (unsere Filmkritik) erzählt die Geschichte der österreichische Kaiserin (Susanne Wolff) humorvoll anders: Sisi lebt hier in einer Art Frauenkommune auf Korfu und beginnt eine leidenschaftlich-platonische Liebesbeziehung mit ihrer neuen Hofdame Irma (Sandra Hüller).

Der Streamingdienst Hulu setzt die Comedyserie How I Met Your Father nicht fort, und damit verschwindet mal wieder eine lesbische Figur vom Bildschirm: Zu den sechs Hauptcharakteren gehörte Ellen, die in Staffel 2 auch eine Freundin bekam. Ein Grund für die Absetzung wurde nicht genannt, die Serie hatte eigentlich gute Abrufzahlen. Ellen-Darstellerin Tien Tran, die selbst lesbisch ist, hätte allerdings eine bessere Rolle verdient gehabt - das Comedy-Talent hat sie jedenfalls, wie diese Story ihres schlimmsten Dates (von dem die sie nicht wusste, dass es ein Date ist) beweist:

Der wichtigste Song auf Romy Madley Crofts erstem Solo-Album „Mid Air“ (heute erschienen) ist für sie „Loveher“, wie die The xx-Sängerin im L-MAG-Interview verriet (im aktuellen Heft). „In dem Lied ergreife ich zum ersten Mal die Gelegenheit, explizit über die Beziehung zu einer Frau zu singen. Wenn die Leute realisieren, dass hier eine Frau über die Liebe zu einer anderen Frau singt, ist alles erreicht.“

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