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K-Word #539: Das lesbische Familienalbum 2023

In den lesbischen Standesämtern weltweit herrschte 2023 reger Betrieb: Es gab 14 Promi-Hochzeiten, 12 Verlobungen, 9 Regenbogen-Babys, und von fünf Persönlichkeiten mussten wir Abschied nehmen.

Instagram V.l.n.r.: Svenja Huth, Ramona Agruma & Rebel Wilson, Tahnee & Juliette Schoppmann (Fotocredit: Giulia Vasta)

Von Karin Schupp, 29.12.2023

Die erste queere Hochzeit des Jahres fand streng genommen noch 2022 statt: statt: Comedian Tahnee und Juliette Schoppmann, DSDS-Zweite (Staffel 1) und heute Vocal Coach, heirateten zum Jahreswechsel in Mexiko, wie sie Ende Januar auf Instagram verrieten. Damit bestätigten sie erstmals das seit Sommer kursierende Pärchen-Gerücht über sie. Wie’s in ihrem Ehealltag so läuft (gut!), erzählen sie in ihrem Podcast Fühl Vergnügen.

Am 2. Januar folgten die Fußballnationalspielerinnen Gunnhildur Jónsdóttir (Island) und Erin McLeod, seit 20 Jahren Torfrau des kanadischen Nationalteams. Für McLeod ist es die zweite Ehe; ihre Ex-Frau Ella Masar ist inzwischen mit der deutschen Ex-Fußballerin Babett Peter verheiratet. Ebenfalls im Januar gaben sich Nadine Keßler, Weltfußballerin 2014, und die Fußball-Funktionärin Emily Shaw  das Ja-Wort. Die große Party feierte das Paar, das in der Schweiz lebt und bei der UEFA arbeitet, aber erst Ende Juni.

Die Brasilianerin Ana Marcela Cunha, Olympiasiegerin 2021 über 10 km Freiwasserschwimmen, heiratete Anfang April die Personal Trainerin Juliana Melhem. Für eine Hochzeit in Las Vegas entschieden sich Anfang Mai Chrishell Stause, bekannt aus der Netflix-Reality-Serie Selling Sunset, und G Flip, nichtbinäre Musiker:in aus Australien. Ihre Beziehung hatte Stause, die zuvor nur mit Männern liiert war, ein Jahr zuvor öffentlich gemacht (K-Word #455). Ein rauschendes Hochzeitsfest feierten im Mai die Golden Globe-nominierte Schauspielerin Beanie Feldstein (Booksmart) und die britische Filmproduzentin Bonnie Chance Roberts. Zu den Gästen gehörten auch Feldsteins Ko-Stars Kaitlyn Dever (Booksmart) und Sarah Paulson (American Crime Story: Impeachment).

@weddingantotherstories, Corbin Gurkin, Instagram V.l.n.r.: Nadine Keßler & Emily Shaw, Beanie Feldstein & Bonnie Chance Roberts, G Flip & Chrishell Stause

Der Juni - klar: nach Saisonende und vor Beginn der WM - war der Hochzeits-Monat Nr. 1 der Fußballerinnen. Am 9. Juni heirateten die Schweizer Nationalspielerin Ramona Bachmann (PSG Paris) und die Tänzerin Charlotte Baret. Die große Hochzeitsparty gab’s aber erst im Dezember auf La Réunion. Am selben Tag gaben sich in Österreich Nationaltorfrau Manuela Zinsberger (Arsenal) und ihre Freundin Madeleine das Ja-Wort. Die Nationaltorfrau hatte ihre Beziehung - und sich - 2021 geoutet (K-Word #429). Auch ihre Ex-Kapitänin Viktoria Schnaderbeck, lange bei Bayern München und heute Inhaberin einer Sportberatungsagentur, feierte im Juni Hochzeit mit ihrer norwegischen Frau Anna. Im April werden sie Eltern einer Tochter (K-Word #537).

Die niederländische Nationalspielerin Merel van Dongen (Atlético Madrid) nutzte ebenfalls die fußballfreie Zeit vor der WM und heiratete die spanische Ex-Fußballerin Ana Romero. Die australische Nationalspielerin Emily Gielnik (2019/20 bei Bayern München) wartete bis nach der WM: Ende August heiratete sie ihre langjährige Freundin Temica Sayer. Ihre Verlobung ist in der Fußball-Doku Matildas (Disney+) zu sehen; dort spricht Gielnik auch über ihr schwieriges Coming-out wegen ihrer konservativen Familie.

Anfang Juli standen Gloria Carter, Mutter von Jay-Z, und ihre Partnerin Roxanne Wilshire vor dem Traualtar. Zu den Gästen gehörten neben Sohn und Schwiegertochter Beyoncé auch die TV-Journalistin und Frühstücksfernseh-Moderatorin Robin Roberts (Good Morning America), die ihrerseits im September ihrer langjährige Lebensgefährtin Amber Laign das Ja-Wort gab.

Und noch mal Fußball: In Wales heirateten im Dezember Jess Fishlock, Kapitänin des walisischen Nationalteams, und Tziarra King, mit der sie beim US-Club OL Reign spielt. Geladen waren etliche ihrer Fußball-Kolleginnen, darunter Megan Rapinoe (und deren Verlobte Sue Bird) und Ali Krieger.

Instagram V.l.n.r.: Anna & Viktoria Schnaderbeck, Tziarra King & Jess Fishlock, Ramona Bachmann & Charlotte Baret

Auch bei den Verlobungen 2023 sind die Fußballerinnen führend. Nachzutragen ist zunächst die Verlobung der schwedischen Nationalspielerinnen Emma Kullberg und Julia Zigliotti (beide beim englischen Club Brighton & Hove Albion) Ende Dezember 2022. Im Februar verlobte sich die englische Ex-Nationalspielerin Lianne Sanderson mit ihrer Freundin Ellis. Die 35-Jährige, die sich für LGBTQ-Rechte und gegen Rassismus engagiert, beendete ihre aktive Karriere 2019 und arbeitet heute als Fußballreporterin.

Ebenfalls im Februar machte Rebel Wilson (Pitch Perfect) der Designerin Ramona Agruma in Disneyland einen Heiratsantrag. Der australische Filmstar hat sich im Juni 2022 geoutet (K-Word #460), im Herbst desselben Jahres wurde das Paar Eltern einer Tochter.

Zurück zu den Fußballerinnen: Im März gab die US-Nationalspielerin Tierna Davidson (Chicago Red Stars) ihre Verlobung mit ihrer Freundin Alison bekannt. Die 25-Jährige war beim WM-Sieg 2019 die jüngste Spielerin im Team USA, musste bei der WM 2023 aber aussetzen. Die australische Nationalspielerin Emily van Egmond, die auch mal beim FFC Frankfurt und VfL Wolfsburg spielte, verlobte sich im Mai mit der Fotografin Kat Thompson.Sie hielten es zunächst geheim, aber im November verrieten die Fußballstars Sam Kerr (Australien) und Kristie Mewis (USA), dass sie sich am 1. September verlobt haben. Die beiden Nationalspielerinnen lernten sich 2020 auf Instagram kennen und führen seitdem eine Fernbeziehung zwischen New York (Mewis) und London (Kerr).

Instagram V.l.n.r.: Sam Kerr & Kristie Mewis, Kat Thompson & Emily van Egmond, Emma Kullberg & Julia Zigliotti

Auch im Basketball gab's zwei Heiratsanträge: Im April verkündete WNBA-Star Jonquel Jones (New York Liberty) ihre Verlobung mit ihrer Freundin Nesha. Die 29-Jährige spielt fürs Nationalteam von Bosnien-Herzegowina und wurde bei der EM 2021 ins All-Star-Team des Turniers gewählt. Im Juli feierten auch die US-Nationalspielerin Alyssa Thomas und DeWanna Bonner, ihre Teamkollegin bei Connecticut Sun, Verlobung. Für Bonner wird es die zweite Ehe; mit ihrer Ex-Frau Candice Dupree ist sie Mutter von Zwillingen (6).

Im Mai verlobten sich die erfolgreichen kanadischen Eishockey-Nationalspielerinnen Marie-Philip Poulin, dreifache Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin, und Laura Stacey (ein Olympiasieg, zwei WM-Titel).

Captain Sandy Yawn, bekannt aus der Realityserie Below Deck Mediterranean (steht beim Amazon–Kanal hayu unter dem Titel Die Yacht – Drama unter Deck) machte im September ihrer Freundin Leah Shafer einen Antrag. Der Realitystar und die Kosmetikerin lernten sich 2018 via Facebook kennen.

Im November verlobten sich die Drag Race Germany-Gewinnerin Pandora Nox (die als weltweit erste cis Frau die Show gewann) und ihre Partnerin Lisa, die als Dragking Liam ChoClit auftritt. Die Hochzeit soll natürlich in Drag stattfinden, wie die Wienerin auf Instagram ankündigte.

Ihre Verlobung gaben im Dezember auch Thembi Kgatlana (Racing Louisville), Stürmerin des südafrikanischen Fußballnationalteams, und ihre Freundin Abongile bekannt. Das Paar ist seit fast neun Jahren miteinander glücklich.

Instagram V.l.n.r..: DeWanna Bonner & Alyssa Thomas, Pandora Nox & Liam ChoClit, Leah Shafer & Sandy Yawn

Regenbogenfamilien:

Die oben bereits erwähnte Ex-Fußballerin Nadine Keßler und ihre Frau Emily Shaw feierten in diesem Jahr nicht nur Hochzeit, sondern am 23. Februar auch die Geburt ihres Sohns Jordi Leon.

In Spanien freuten sich am 2. Juni Ex-Tennisprofi Carla Suárez Navarro und die katalanische Fußballnationalspielerin Fußballerin Olga García (EdF Logroño) über die Geburt ihrer Zwillinge Ona und Noa. Zur Welt brachte sie die frühere Tennis-Weltranglisten-Sechste, die nach einer überstandenen Krebserkrankung 2021 ihre Karriere beendet hat.

Da Brat („SockIt2Me“) und ihre Frau Jesseca „Judy“ Harris-Dupart wurden am 6. Juli Eltern eines Sohns, den sie (bescheiden) True Legend tauften. „Ich kann nicht GLAUBEN, dass er aus mir rauskam. Es fühlt sich wie ein Traum an“, sagte die Hip Hop-Legende (49), die im Vorjahr eine Fehlgeburt hatte.

Am 20. August begrüßten die österreichische Singer-Songwriterin Virginia Ernst und ihre Frau Dorothea ihr zweites Kind, ebenfalls einen Sohn. In ihrem gemeinsamen Podcast Jetzt wird’s ernst spricht das verpartnerte Paar über die Familienplanung und das Leben mit Kind(ern).

Auch Svenja Huth (VfL Wolfsburg) wurde Mutter: Am 10. September brachte ihre Frau Laura ihren gemeinsamen Sohn Emil zur Welt. Die Nationalspielerin prangerte seitdem in mehreren Interviews die Diskriminierung von Regenbogenfamilien an und kritisierte als „demütigend“, dass sie ihr eigenes Kind adoptieren muss (K-Word #515).

In Mexiko wurden zum ersten Mal weltweit zwei Fußballerinnen desselben Nationalteams Eltern: Bianca Sierra und Stephany Mayor stellten Anfang Oktober ihre neu geborenen Zwillinge Kenzo und Nova auf Instagram vor. Die beiden waren 2016 die ersten LGBTQ-Sportler:innen, die sich in Mexiko outeten. 

Mütter wurden am 21. November auch die niederländische Nationalspielerin Shanice van de Sanden (Liverpool FC, Ex-VfL Wolfsburg) und ihre Lebensgefährtin Tattjana Jempormiasse; ihrer Tochter gaben sie den Namen Haló Blu.

Instagram Mit ihrem Nachwuchs (v.l.n.r.): Judy Harris-Duart & Da Brat, Carla Suárez Navarro & Olga García, Dorthea & Virginia Ernst

Abschiede:

Im Juni starb Deborah „Debi“ Sundahl (1.1.1954-13.5.2023) im Alter von 69 Jahren. Die lesbische Sex-Pionierin gründete mit ihrer damaligen Lebensgefährtin Nan Kinney in San Francisco die legendäre sexpositive Lesbenzeitschrift On Our Backs und produzierte die ersten Pornos von und für Lesben.

Im Juli nahmen wir Abschied von Minnie Bruce Pratt (12.9.1946-2.7.2023). Die Autorin, Professorin und LGBT-Aktivistin war mit Leslie Feinberg († 2014), Autor:in und trans Aktivist:in, verheiratet. 1996 trat sie in Rosa von Praunheims Film Vor Transsexuellen wird gewarnt auf; bekannt ist auch ihr Buch Crime Against Nature (1990), in dem sie den Verlust des Sorgerechts für ihre zwei Söhne nach ihrem lesbischen Coming-out thematisiert (Nachruf in der New York Times).

Ebenfalls am 2. Juli starb die Medizinerin Susan Love (9.2.1948-2.7.2023), eine der bekanntesten Brustkrebs- und Frauengesundheitsexpertinnen der USA. Die Gründungsdirektorin der Brustkrebsklinik an der Uni in Los Angeles hinterlässt ihre Frau Helen Cooksey und eine Tochter. Helen und sie schrieben 1988 Geschichte, als sie in Massachussetts gerichtlich durchsetzten, ihr Kind gemeinsam adoptieren zu dürfen – das war Frauenpaaren bis dahin verboten. In der L-MAG 05-2023 (hier als E-Paper bestellen) findet ihr ein ausführliches Porträt.

Sinéad O’Connor (8.12.66 -26.7.23) starb im Juli im Alter von nur 56 Jahren. Die irische Sängerin, die mit „Nothing Compares 2 U“ (1990) einen Welthit hatte, outete sich 2000, damals geschieden, als lesbisch, heiratete danach aber noch drei Männer. Fünf Jahre später erkläre sie, sie sei „zu drei Vierteln heterosexuell, zu einem Viertel lesbisch“, und sagte schließlich 2014: „Ich glaube nicht an irgendwelche Labels. Wenn ich mich verliebe, ist es mir scheißegal, ob es ein Mann oder eine Frau ist.“ Die Mutter von vier Kindern (ihr Sohn Shane nahm sich Anfang 2022 das Leben) litt unter einer bipolaren Störung und war als heftige Kritikerin der katholischen Kirche bekannt. 2018 konvertierte sie zum Islam.

Im Alter von nur 43 Jahren starb im Oktober die queere Musikerin Aérea Negrot (9.10.1980–11.102023). Die gebürtige Venezuelanerin, die seit 2004 in Berlin lebte, wurde durch das Bandprojekt Hercules & Love Affair bekannt, auf deren zweiten Album „Blue Songs“ (2011) sie zu hören ist. Im selben Jahr erschien auch ihr Solo-Debütalbum, „Arabxilla“.

V.l.n.r.: Debi Sundahl, Minnie Bruce Pratt, Susan Love, Sinéad O'Connor, Aérea Negrot (Fotos: Facebook/ Leslie Feinberg/ Wikimedia CC-BY/ Brian Ledgard, CC-0/ Instagram)

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Weiterlesen: K-Word #538: Neues aus der Lesbenwelt

Das lesbische Familienalbum 2022

 

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