K-Word #650: Neues aus der Lesbenwelt
Nessi Borck kämpft sich durch „Let’s Dance“ und bekommt Online-Hate, „The Cooking Academy“: Mal wieder steht eine Soap mit Frauenpaar vor dem Aus, neue lesbische ARD-Komödie, Amber Glenn fordert lesbisches „Heated Rivalry“, Oscar-Verleihung - und mehr!
Von Karin Schupp
13.3.2026 - Es ist mir ein Rätsel, wieso nicht jede deutsche Serie ein Frauenpaar einbaut, denn eine treue Fangemeinde wäre ihnen damit absolut sicher – wie es jetzt auch bei The Cooking Academy passierte: In der Soap, die an einer Kochschule spielt, erleben die Dozentin Matilda (Lea Marlen Woitack, GZSZ, Rote Rosen, K-Word #329) und die Kochschülerin Juliette (Tiesan-Yesim Atas, Schloss Einstein) eine „verbotene Liebe“. Die tägliche Serie floppte im Herbst bei ProSieben und wurde nach nur einem Monat aus dem Vorabendprogramm genommen, jetzt stehen die Folgen nach und nach bei Joyn und Disney+. Das Schicksal der Serie ist angesichts der mageren TV-Quoten mehr als ungewiss, aber die Fans halten unverdrossen dagegen und starteten eine „Rescue-Aktion“ und eine Petition – hoffentlich mit mehr Erfolg als die Fans von Hotel Mondial, die vor zwei Jahren die Absetzung nicht verhindern konnten (K-Word #548). Immerhin: Von The Cooking Academy wurden 120 Folgen gedreht – und im Streaming kann das Publikum ja durchaus noch anwachsen.
Joyn/Screenshot Eins der wenigen Frauenpaare im deutschen Fernsehen: Juliette und Matilda in „The Cooking Academy“Die pansexuelle US-Eiskunstläuferin Amber Glenn (K-Word #647), Olympiasiegerin im Teamwettbewerb, wünscht sich eine lesbische Version der schwulen Eishockeyserie Heated Rivalry. „Ich habe sie während der Olympischen Spiele gesehen und will eine Yuri-Version von Heated Rivalry“, sagte sie auf dem roten Teppich der US-Medienpreisverleihung GLAAD Awards. „Castet mich! Ich kann mich auch in meinen Ko-Star verlieben!“ Yuri ist das aus Japan stammende Genre, das Liebesgeschichten zwischen Frauen erzählt (vergleichbar mit den Girls Love-Serien aus Thailand). Auch für einen Cameo-Auftritt in Heated Rivalry zeigte sich die Texanerin gegenüber Access Hollywood offen: „Uh, yeah!“
Anna Camp (Pitch Perfect, True Blood), aktuell in Scream 7 (K-Word #648) zu sehen, sprach in einem US-Podcast über ihre sexuelle Identität. Die Schauspielerin, die 2025 - nach zwei Ehen mit Männern - ihre Beziehung zu Jade Whipkey öffentlich machte (K-Word #615), sagte in I’ve Never Said This Before: „Als 43-jährige Frau bin ich sehr stolz auf mich, dass ich in diesem Alter zu meiner Sexualität stehe. Ich bin wirklich stolz darauf, bisexuell zu sein.“ Natürlich mache es ihr auch Angst, so öffentlich darüber zu sprechen, „aber zu sagen: ‚Nein, ich habe nur ein Leben und ich möchte glücklich sein‘: darum geht es doch im Leben!“
Bei den Academy Awards in der Nacht auf Montag (ab 0:00 Uhr bei ProSieben, Joyn und Disney+) halten zwei Filme die Regenbogenfahne hoch: Die Doku Come See Me in the Good Light (Apple TV) über das Dichter:innen-Paar Andrea Gibson (✝ 2025) und Megan Falley ist als bester Dokumenatrfilm nominiert. Produziert wurde sie von Comedian Tig Notaro, Musikerin Brandi Carlile, Ex-Fußballstar Abby Wambach und deren Ehefrauen. Und der Coming-out-Film A Friend of Dorothy (Disney+) des schwulen Filmemachers Lee Knight könnte zum besten Kurzfilm gekürt werden. In der Rolle der Witwe, die sich mit einem schwulen Teenager befreundet, ist die einzige offen lesbische Schauspielerin im Oscar-Line up zu sehen: Miriam Margolyes (K-Word #511). Zwei weitere Schwule sind zumindest ko-nominiert: An „Golden“ aus KPop Demon Hunters, nominiert als „Best Original Song“, war der Komponist Mark Sonnenblick beteiligt. Elio, bei dem Adrian Molina Ko-Regie führte, könnte den Oscar für den besten Animationsfilm bekomme
Disney+ Die lesbische Schauspielerin Miriam Margolyes und Alistair Nwachukwu im queeren, Oscar-nominierten Kurzfilm „A Friend of Dorothy“ (steht bei Disney+)Vanessa „Nessi“ Borck kämpft sich durch die RTL-Tanzshow Let’s Dance: Nachdem sie in der Auftaktshow nur 10 von 30 möglichen Jury-Punkten erhalten hatte (K-Word #649), bekam sie in der letzten Woche für ihren Wiener Walzer mit 8 Punkten die schlechteste Bewertung aller Kandidat:innen. Rausgewählt wurde am Ende aber nicht sie, sondern Sonya Kraus. Die strenge Kritik der Jury verstärkte sich noch im Internet, wo mächtig gegen die Influencerin und Ex-Princess Charming ausgeteilt wurde. Unterstützung bekam Nessi von ihrem Mitkandidaten Ross Antony, der auf Instagram appellierte, „respektvoll miteinander umzugehen. Nessi hat diesen ganzen Gegenwind mit den vielen verletzenden Kommentaren wirklich nicht verdient.“ Sie sei nun einmal totale Anfängerin und „ich sehe, was diese Negativität mit ihr macht, und das ist wirklich nicht schön.“ Nessi selbst räumte auf Instagram tapfer ein, dass ihre Leistung „deutlich schlechter“ als die der anderen war, „aber ich vergleiche mich eigentlich nur mit mir selbst. Und wenn ich auf die letzte Woche schaue, sehe ich auf jeden Fall eine Veränderung.“ Sie habe jedenfalls Spaß und freue sich „total“ auf die nächste Show (RTL, 13. März). Diesmal tanzen sie und ihre Profi-Partnerin Vica Sauerwald einen Tango zu Katy Perrys „I Kissed a Girl“.
RTL/Stefan Gregorius Trotz harter Kritik an ihrem Wiener Walzer: Vanessa Borck (r.) hat Spaß und freut sich auf ihren nächsten Tanz in „Let's Dance“: einen TangoEndlich zeigt das Erste mal wieder einen Fernsehfilm mit lesbischen Hauptfiguren - aber leider ist die Komödie So haben wir dich nicht erzogen trotz Happy End eine Enttäuschung. Es geht um ein Mütterpaar, deren Welt zusammenbricht, als ihre vermeintlich ebenfalls lesbische Tochter (Alina Schaller) ihren männlichen Verlobten mit nach Hause bringt. Diese gnadenlos überzogene Prämisse könnte mit liebenswert dargestellten Charakteren vielleicht funktionieren, aber Balbina (Brigitte Hobmeier) und Inka (Gerti Drassl) sind so dogmatisch-verkniffen und streitsüchtig, dass man unangenehm berührt zuschaut – und das in Zeiten, in denen das absurde Konstrukt „Lesben erziehen ihre Töchter als männerhassende Lesben mit ‚Gender-Ideologie‘!“ ja tatsächlich (noch/wieder) Verbreitung findet. Für künftige Produktionen wünsche ich mir, dass der Auftrag an jemanden mit frischerem Blick und größerer Nähe zum Thema vergeben wird, als es Uli Brée (Drehbuch) und Michael Kreihsl (Regie), zwei Männer über 60, zu bieten haben. Der Film läuft am 18. März (20:15 Uhr) und steht schon jetzt in der ARD-Mediathek. Lest am Sonntag auf l-mag.de unsere ausführliche Filmkritik.
BR/ORF/Cult Film/Stefanie Knebel Trifft leider nicht den richtigen Ton: Die Regenbogenfamilien-Komödie „So haben wir dich nicht erzogen“ (ARD)Seit 12. März im Free-TV: Staffel 1 der Anwaltserie Matlock mit Kathy Bates in der Titelrolle läuft jetzt bei Super RTL (Do, 20:15 Uhr). In dem - extrem losen - Remake der gleichnamigen 80er-Jahre-Serie verlieben sich die lesbische Anwältin Sarah (Leah Lewis) und die IT-Spezialistin Kira (Piper Curda); die Storyline beginnt in Folge 5. In den USA läuft aktuell die zweite Staffel, Staffel 3 ist bereits bestellt.
CBS Kira (Piper Curda) und Sarah (Leah Lewis) in „Matlock“Neu im Kino: Der dänische Dokumentarfilm Mein neues altes Ich von Louise Unmack Kjeldsen beschäftigt sich auf unterhaltsame Weise mit dem Tabuthema Menopause. Die deutsche Sprecherinnenstimme werdet ihr erkennen: Sie gehört Maren Kroymann (K-Word #568).
K-Word: Jeden Freitag neu auf l-mag.de!
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