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K-Word #672: Neues aus der Lesbenwelt

Offizielles Aus für „Princess Charming“, queere Fernsehpreis-Nominierungen, lesbische Fußballstars: die eine wechselt nach Saudi-Arabien, andere kritisieren die FIFA, Trauer um Dolly Parton, LP, Filmtipps - und mehr!

Von Karin Schupp

28.8.2026 - Das Ende von Princess Charming ist besiegelt: Heute bestätigte ein RTL-Sprecher gegenüber DWDL, was wir längst ahnten: Aktuell ist keine Fortsetzung geplant. Eine Begründung lieferte er nicht, und seine vage Aussage, dass ein Comeback in der Zukunft nicht ausgeschlossen sei, wird wohl vor allem dazu dienen, allzu lauten Fanprotest abzufedern. Zu verdanken haben wir dieses Statement wohl der TV-Producerin Yvonne Plume, die gestern das lange Schweigen brach und das Show-Aus auf LinkedIn verkündete: „Ausgerechnet in diesem Jahr, in dem die letzte Staffel so erfolgreich war und für die wir nun diese wunderbare Anerkennung bekommen, wird es (vorerst?) keine weitere Staffel geben“, schrieb sie dort. „Auch unser Team, das über Jahre für die Charming-Formate gearbeitet und sie mit so viel Herzblut, Kreativität und Überzeugung gestaltet hat, wurde aufgelöst.“ Mit der „Anerkennung“ meint Plume die gestrige Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis 2026. 

RTL/Seapoint Productions Staffel 5 war die erfolgreichste - und doch ist jetzt Schluss mit „Princess Charming“

Die fünfte Staffel der lesbischen Datingshow kann in diesem Jahr auf ihre zweite Trophäe hoffen: Princess Charming gewann für die Premierenstaffel mit Irina Schlauch bereits 2021 den Preis in der Kategorie „Beste Unterhaltung: Reality“ (K-Word #421). Damals wurde ein Realityformat mit Herz und Haltung ausgezeichnet, die letzte Staffel sticht nun wohl heraus, weil Vanessa Borck die Allererste war, die eine Datingshow (mit gebrochenem Herz) vorzeitig abbrach (K-Word #627). Für den Deutschen Fernsehpreis nominiert sind auch die queere Schauspielerin Karin Hanczewski (Interview) für ihre lesbische Hauptrolle in der Serie Call My Agent Berlin (Disney+) und Derya Akyol für ihre queere Hauptrolle in Euphorie (RTL+). Die Verleihung wird am 9. Sept. von RTL übertragen.

Disney+ Karin Hanczewski: Beim Deutschen Fernsehpreis für ihre lesbische Rolle in „Call My Agent Berlin“ nominiert

Die spanische Fußball-Weltmeisterin Esther González (K-Word #641) sorgte mit einem Club-Wechsel für Enttäuschung und Kritik. Vor einem Monat hatte die lesbische Stürmerin ihren Vertrag bei Gotham FC kurzfristig aufgelöst, um sich „vorübergehend vom Fußball zurückzuziehen, um sich in Spanien um persönliche Angelegenheiten zu kümmern“, wie es offiziell hieß – und jetzt unterschrieb sie bei Al-Qadsiah in Saudi Arabien. Die 33-Jährige spielt also künftig in einem Land, in der auf Homosexualität die Todesstrafe steht, Frauen weniger Rechte als Männer haben und Menschenrechte allgemein nur wenig gelten. Auf der Plus-Seite hingegen: sicherlich mehr Geld, als Spielerinnen anderswo verdienen können. Wie Fans berichten, habe González in ihrem Instagram-Profil sofort Fotos mit ihrer Partnerin Estefania Cruz, mit der sie ein Kind hat (geboren im Januar), gelöscht. Zumindest das unten stehende (allerdings unverfängliche) Bild von 2021 steht dort aber noch.

Instagram/esthergonzalezEsther Gonzaléz (r.) und ihre Partnerin Estefania Cruz

Die Niederlande und Argentinien stehen im Finale der Hockey-WM (29. Aug., 16 Uhr), um Platz 3 spielen Belgien und Australien (29. Aug, 13 Uhr, beide Spiele bei Magenta). Die deutschen Frauen, Vize-Europameisterinnen 2025 und Hallen-Europameisterinnen 2026, mussten sich mit Platz 6 begnügen. Von den elf offen queeren Spielerinnen des Turniers (darunter die deutsche Torfrau Nathalie Kubalski) sind noch fünf dabei: Im Tor der Ko-Gastgeberinnen und Titelverteidigerinnen Niederlande steht Anne Veenendaal, die auf ihrem Weg zum Olympia-Sieg 2024 einen Progress Pride-Sticker am Helm trug, außerdem im Kader sind Marleen Jochems und Pien Sanders, die im letzten Jahr ihre Beziehung mit der Fußballnationalspielerin Jill Roord bestätigte. Und im Team von Ko-Gastgeber Belgien gibt's ein Paar: Kapitänin Charlotte Englebert und die Verteidigerin Emma Puvrez sind seit 2019 zusammen.

Instagram V.l.n.r.: Nathalie Kubalski mit ihrer Freundin, der Hockeyspielerin Emma-Sophie Hessler, Pien Sanders und Jill Roord, das belgische Teamcouple Emma Puvret und Charlotte Englebert

Am 2. September erscheint „Room 12“, das achte Studioalbum von LP; jetzt schon da ist der Song „Mi Corazón“. Die Ballade beschreibe „zwei der größten und schwierigsten Dinge, die ich je in meinem Leben getan habe: mich zu outen und Musiker:in zu werden“, wird LP im Begleitmaterial zitiert. Der lesbische und nichtbinäre Rockstar ist seit 2023 mit Iveta Maurerová (K-Word #659), Miss Tschechien 2018, zusammen, die anlässlich des CSD in Prag Anfang August auf Instagram schrieb, dass sie oft gefragt werde, „ob ich schon früher mit Mädchen zusammen war? Wie ich lesbisch geworden bin? Was die Leute um mich herum dazu sagen? Was, wie, warum und immer wieder von vorne. Wisst ihr, ich liebe sie einfach, und das ist alles.“ Ihr Appell: Wir sollten uns nicht um die „hasserfüllten Kommentare von Menschen, die sich selbst hassen. Das ist es nicht wert.“

Jetzt im Kino: In Staatsschutz von Faraz Shariat (Futur Drei) wird die lesbische Staatsanwältin (Chen Emilie Yan) Opfer rassistischer Gewalt und kämpft – auch gegen die eigenen Reihen – darum, den Fall vor Gericht zu bringen.

Dass dem deutschen Trailer jeder Hinweis auf den lesbischen Content fehlt, ist mal wieder typisch: Am 3. Sept. startet das Sport-Biopic That’s Why The Lady Is A Champ über Christy Martin (Sydney Sweeney). Die erfolgreichste US-Boxerin der 90er Jahre unterdrückte während ihrer Karriere ihre lesbische Identität und wurde von ihrem Coach/Eheman (Ben Foster) beinahe umgebracht, als sie ihn verlassen wollte. In den USA gab's viel Wirbel darum, dass die lesbische Hauptrolle mit Sweeney besetzt wurde, die als Trump-Wählerin verdächtigt wird. Immerhin spielt aber die lesbische Schauspielerin Katy O’Brian (Love Lies Bleeding) ihre offen lesbische Box-Rivalin Lisa Holeywine, mit der Martin heute – Plottwist! - verheiratet ist.

Der neue Trailer von Staffel 4 der True Crime-Reihe Monster (Netflix, ab 17. Sept.) vertuscht hingegen nicht, dass diesmal ein Frauenpaar im Mittelpunkt steht. In Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden geht's um die berüchtigte Lizzie Borden (Ella Beatty), die 1893 ihren Vater und ihre Stiefmutter mit einer Axt getötet haben soll, am Ende aber freigesprochen wurde. Als Entlastungszeugin trat vor Gericht ihre Hausangestellte Bridget (Vicky Krieps) auf, mit der sie liiert gewesen sein soll. Der Stoff wurde schon mehrmals verfilmt, zuletzt in Lizzie Borden – Mord aus Verzweiflung (2018) mit Chloë Sevigny und Kristen Stewart (L-MAG-Filmkritik).

Die Luft um FIFA-Boss Gianna Infantino wird dünner. Neben mehr und mehr Landesverbänden haben nun auch einige so genannte „FIFA Legends“, darunter die englische Europameisterin Lucy Bronze (K-Word #590), ihren Weltverband kritisiert und einen Führungswechsel gefordert. „Genug ist genug“, schrieben sie in einem Statement auf Instagram. Sie hätten „wie Millionen von Fans auf der ganzen Welt“ beobachtet, „wie sich der Sport, den wir lieben, unter der derzeitigen Führung der FIFA von seinen Grundwerten entfernt hat“, und deshalb sei „ein Wandel nötig.“ Neben Bronze gehören auch Emmanuel Petit und Mikaël Silvestre zu den Erstunterzeichnenden – die drei sind Mitglied des FIFA-Gremiums gegen Rassismus. Inzwischen schlossen sich weitere Fußballstars an, bisher aber nur eine Frau, die Ex-Torhüterin Briana Scurry, US-Weltmeisterin 1999 und ebenso offen lesbisch wie Bronze (die mit der spanischen Nationalspielerin Ona Batlle zusammen ist).

Die Ex-Weltfußballerin Lucy Bronze schloss sich der Kritik an der FIFA an

Die Welt trauert um Dolly Parton: Der Country-Superstar starb am Dienstag im Alter von 80 Jahren an einer Krebserkrankung. Parton war auch eine queere Ikone, die sich schon 2003 – bei einem gemeinsamen Auftritt mit Melissa Etheridge – für die Ehe für alle aussprach. Homosexuelle sollten das Recht haben, genauso unglücklich wie Heterosexuelle sein zu dürfen, witzelte sie damals auf der Bühne. Zwar betonte Parton häufig, unpolitisch zu sein, kommentierte aber 2023 die Anti-Trans-Gesetzgebung ihres Heimatstaats Tennessee so: „Ich sage immer: ‚Ich möchte einfach, dass jeder gut behandelt wird.“ In ihrer Familie und ihrem Staff gebe „es von allem etwas, trans Personen, Schwule, Lesben.“ Sie liebe sie alle und: „Ich urteile nicht über sie.“ Bekannt ist unter anderem, dass Jason Pirro, seit den Neunzigern Partons Chauffeur, ein trans Mann ist. Tolerant war Parton in beide Richtungen: Auf ihrem Album „Rockstar“ (2023) sang sie unter anderem Duette mit den lesbischen und schwulen Musiker:innen Linda Perry, Joan Jett, Melissa Etheridge, Brandi Carlile, Elton John und Judas Priest-Sänger Rob Halford, aber auch mit Trump-Fan Kid Rock.

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