K-Word #673: Neues aus der Lesbenwelt
Ein Paar und zehn weitere queere Spielerinnen bei der Basketball-WM in Berlin, Lena Oberdorf: Comeback und Überraschung ihrer Freundin, Luna verarbeitet CSD-Anschlag in neuem Song, Filmtipps und mehr!
Instagram/fibawwcEin Paar bei der Basketball-WM: Marine Johannès & Gabby Williams vom französischen NationalteamVon Karin Schupp
4.9.2026 - Heute beginnt in Berlin die Frauen-WM im Basketball (4.-13. Sept.) – zumindest in den USA eine noch größere Lesbensportart als der Fußball. Und so stehen fünf der zwölf offen lesbischen und queeren Spielerinnen des Turniers im Kader des hochfavorisierten Titelverteidigers: Kahleah Copper, Chelsea Gray und Breanna Stewart waren bereits im WM-Team 2022. Jackie Young gab beim Olympiasieg 2024 ihr Debüt, nachdem sie in Tokio 2020 bereits Gold beim 3x3 gewonnen hatte. Und Newcomerin Paige Bueckers spielt ihr erstes internationales Turnier. Alle drei sind mit (Ex-)Basketballprofis zusammen, Gray hat mit ihrer Frau Tipesa Moore einen Sohn (K-Word # 417). Der amtierende Europameister Belgien bringt mit Julie Allemand eine offen queere Spielerin mit.
Zafer/CC-BY, John Mac/CC-BY-SA (2) Julie Allemand vom Europameister Belgien und Chelsea Gray und Kahleah Copper vom WM-Titelverteidiger USA (v.l.n.r.)Im französischen Team gibt’s ein Paar: Die WNBA-Spielerinnen Gabby Williams und Marine „Wizard“ Johannès kennen sich offenbar aus der Nationalmannschaft, mit der sie bei den Olympischen Spielen 2020 und 2024 Bronze und Silber holten. Die deutsche Nationalspielerin Emily Bessoir, beim spanischen Erstligisten Lointek Gernika unter Vertrag, machte 2019 die Beziehung mit der späteren 3x3-Olympiasiegerin Svenja Brunckhorst (Paris 2024) öffentlich; ob sie noch zusammen sind, ist nicht bekannt.
WNBA/Screenshot, Instagram/blackrollMarine Johannès & Gabby Williams, das Pärchen in Team Frankreich, und die deutsche Nationalspielerin Emily Bessoir Sevgi Uzun stand schon bei über 150 Spielen fürs die Türkei auf dem Court. Alex Wilson gibt ihr Debüt im australischen Kader, während ihre Lebensgefährtin Amy Atwell (Bronze in Paris 2024) diesmal nicht mitfahren durfte. Und die Italienerin Cecelia Zandalasini, seit 2017 Nationalspielerin, scheint die einzige in dieser Liste zu sein, deren Freundin nicht aus dem Basketball kommt.
Zafer/CC-BY (2), John Mac/CC-BY-SA Sevgi Uzun (Türkei), Alex Wilson (Australien) und Cecelia Zandalasini (Italien)Beim Filmfestival in Venedig (2.-12. Sept.) ist nur einer der zwölf Filme, die ins Rennen um den LGBTQ-Filmpreis Queer Lion gehen, lesbisch: In Huangyan shenghuo - Big Little Things kehrt Lei (Cuishan Liang) nach Jahren in den USA in ihre chinesische Heimatstadt zurück und versucht vor ihrer Familie zu verbergen, dass sie mit einer Frau zusammen ist. Doch dann taucht überraschend ihre echte Partnerin auf… Der Film basiert auf echten Erfahrungen, die die Filmemacherin Michelle Zhou und ihre Lebensgefährtin und Produzentin Chun Yu machten. Chun habe sie bei ihrer Familie zunächst als gute Freundin vorgestellt, schreibt Zhou in den Produktionsnotizen - bis ihre Beziehung beim dritten Besuch rauskam: „Ich wurde Zeugin des Zerfalls ihrer Familie und war an ihrer späteren Versöhnung beteiligt.“
Golden Horse Coming-out vor der Familie in China: „Huangyan Shenghuo - Big Little Things“ beim Filmfestival in VenedigLena Oberdorf (K-Word #639) feierte nach über 300 Tagen Verletzungspause ihr Comeback im Bayern-Trikot. Beim 2:0-Sieg gegen Aufsteiger Mainz 05 wurde sie in der 71. Minute eingewechselt – und nach dem Abpfiff von einem Blumenstrauß ihrer Liebsten, der Ex-Bayern-Spielerin Natalia Padilla Bidas (die jetzt in Spanien spielt; K-Word #664) überrascht. „Die hat mir meine Freundin liefern lassen, hier ins Stadion“, sagte Obi am Sport1-Mikrofon über die Blumen in ihrer Hand und verriet, dass sie bei der Einwechslung „ein bisschen emotional [war], ich hatte ein bisschen Tränen in den Augen, ich musste mich kurz straffen.“
Das Sport-Biopic That’s Why The Lady is a Champ (seit 3. Sept. im Kino) erzählt die Geschichte von US-Box-Ikone Christy Martin (Sydney Sweeney). Die heute 58-Jährige wurde von ihrem Coach und späteren Ehemann (Ben Foster) dazu gezwungen, ihre lesbische Identität zu verstecken, und wurde von ihm beinahe umgebracht, als sie ihn endlich verlassen wollte. Lest hier unsere Filmkritik.
Tobis Sydney Sweeney als Box-Ikone Christy Martin in „That's Why The Lady is a Champ“Ebenfalls seit 3. Sept. im Kino: In Vaterland (Kinostart: 3. Sept.) von Pawel Pawlikowski kehren Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter Erika (Sandra Hüller) 1949 erstmals aus dem US-Exil nach Deutschland zurück. Anlässlich des 200. Geburtstags von Goethe reisen sie quer durch ihre zerstörte Heimat – ein Roadtrip von Frankfurt/Main nach Weimar. Dass Erika Mann Frauen liebte – unter anderem war sie mit der Schauspielerin Therese Giehse liiert -, spielt in dem Film allerdings keine Rolle und wird nur in einer Szene angedeutet.
Pathé Films Sandra Hüller als Erika Mann und Hanns Zischler als Thomas Mann in „Vaterland“Noch mehr Kino: Vom 10.-16. September zeigt das Queerfilmfestival parallel in 13 Städten aktuelle LGBTQ-Filme und den Lesbenklassiker Paris Was a Woman (1996) über die queere und feministische Künstlerinnenszene im Paris der 1920er- und 30er-Jahre. Im Programm sind unter anderem auch zwei lesbische Liebesfilme, Bearcave aus Griechenland und Skiff aus Belgien, und Monika Treuts Dokumentation Cooking Up Democracy über queere Demokratie-Aktivist:innen in Taiwan. Alle Titel, Orte und Termine stehen hier.
Salzgeber Erste Liebe in der Kleinstadt: „Skiff“ beim Queerfilmfestival in 13 StädtenDie pansexuelle US-Eiskunstläuferin Amber Glenn wird Kandidatin in der US-Ausgabe von Let’s Dance. Die Team-Olympiasiegerin, die bei den Winterspielen 2026 mit ihrer Kritik an der Trump-Regierung Schlagzeilen machte (K-Word #646), tritt bei Dancing With The Stars aber leider nicht mit einer Frau, sondern mit dem Profitänzer Pasha Pashkov an. Die Staffel startet am 15. September.
Instagram/dancingwiththestarsDie pansexuelle US-Eiskunstläuferin Amber Glenn tanzt bei „Dancing With The Stars“ (leider) mit einem MannBeim Berliner CSD stand Luna (K-Word #669) auf der Bühne und musste wegen des terroristischen Anschlags wenig später mit ihrer Freundin evakuiert werden. „Es war ein extrem krasser Tag“, sagte sie im Interview mit msn.com zu ihrem neuen Song „Der einzige Ort“, der aus diesen Eindrücken entstand. Sie habe ihn geschrieben, „weil ich das Erlebte für mich in Worte fassen musste. „Auf CSDs gehen viele Menschen, die sich dort endlich sichtbar und gesehen fühlen, obwohl sie im Alltag vielleicht noch nicht offen so leben, wie sie möchten. Für diesen Moment ist es ein Ort, an dem man einfach man selbst sein kann.“
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