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10 neue Lesbenfilme, die (hoffentlich) bald auch bei uns laufen

Liebesdrama, Psychothriller, Mystery, Horror, Romantic Comedy und eine 6-minütige Sexszene: Lesbenfilme sind längst mehr als die klassische Coming Out-Story. Wir stellen zehn neue Filme mit lesbischen und bisexuellen Hauptfiguren vor.

Sony Pictures Ohne Professor Marston geht's auch: Rebecca Hall und Bella Heathcote in "Professor Marston & the Wonder Women"

Von Karin Schupp

15.10.2017 - Lesbische Liebe in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde in London, eine Dreier-Ehe in den 1940er Jahren, eine besitzergreifende Lesbe mit Mutterkomplex, ein Segeltörn, der zum Horrortrip wird … Zehn neue Filme aus sieben Ländern, die in den letzten Wochen bei internationalen Filmfestivals Premiere hatten, erzählen Geschichten, die weit über die klassische Coming Out-Story hinausgehen.

1. Disobedience (USA/ GB/ IRL 2017), Regie: Sebastián Lelio - noch ohne deutschen Kinostart

Liebesfilm nach dem Roman von Naomi Alderman (dt. Titel: Ungehorsam): Die Fotografin Ronit (Rachel Weisz, die den Film auch produzierte) kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre streng jüdisch-orthodoxe Gemeinde in London zurück und trifft dort ihre Jugendliebe Esti (Rachel McAdams) wieder, die inzwischen mit dem künftigen Rabbi verheiratet ist… Neugierig macht eine lesbische Sexszene, die Regisseur Sebastián Lelio (sein Trans*-Drama Eine fantastische Frau gewann 2017 den LGBT-Preis Teddy der Berlinale) einbaute: Sie hat mit sechs Minuten Dauer fast Blau ist eine warme Farbe-Ausmaße, wurde nach der Premiere aber mit viel mehr Lob bedacht als seinerzeit der kontroverse französische Film.

TIFF 2017 Rachel McAdams und Rachel Weisz - bisher das einzige Bild von "Disobedience", das veröffentlicht wurde

2. Professor Marston & The Wonder Women (USA 2017), Regie: Angela Robinson - Kinostart: 2. Nov.

Das Trio hinter Wonder Woman hat definitiv seinen eigenen Film verdient: Uni-Professor William Moulton Marston (Luke Evans) gilt zwar als Schöpfer der ersten Superheldin der Geschichte (1941), die Idee dazu kam aber von seiner Frau Elizabeth (Rebecca Hall), und als Inspiration diente ihre gemeinsame Geliebte Olive Byrne (Bella Heathcote). Ein queeres Team – Regisseurin Angela Robinson (The L Word) und die Produzentinnen Jill Soloway (Transparent), Andrea Sperling (Weil ich ein Mädchen bin) und Clare Munn (The Late Bloomer) – sorgte dafür, dass die lesbische Seite der Dreierbeziehung nicht untergeht. Historisch verbürgt ist die zwar nicht, aber dass Elizabeth ihre Tochter „Olive“ nannte und die beiden Frauen nach Marstons Tod 1947 noch 38 Jahre zusammenlebten, ist wohl Beweis genug.

3. Battle of the Sexes – Gegen jede Regel (USA 2017), Regie: Jonathan Dayton und Valerie Faris - Kinostart: 23. Nov.

Tennisstar Billie Jean King fegte 1973 im titelgebenden Tennismatch ihren männlichen Herausforderer, den Ex-Profi Bobby Riggs, vom Platz – der Film erzählt aber viel mehr: King (Oscar-Gewinnerin Emma Stone) und ihre Mitstreiterinnen gründeten die rein weibliche Virginia Slims Tour, um damit gegen die schlechte Bezahlung der weiblichen Profis zu protestieren (mit Erfolg: Tennis ist heute eine der wenigen Sportarten, in denen Frauen und Männer die gleichen Prämien gewinnen!), und auch Kings lesbisches Coming Out – sie verliebte sich in ihre Frisörin Marilyn Barnett (Andrea Riseborough) – nimmt einen großen Raum ein.  (Dass Barnett sie nach ihrer Trennung 1981 auf Unterhalt verklagte und die heutige LGBT-Aktivistin damit outete, wäre einen Teil 2 wert…).

4. The Dark Mile (GB 2017), Regie: Gary Love – noch ohne deutschen Kinostart

In diesem Psychothriller bucht ein Londoner Paar (Rebecca Calder und Deirdre Mullins) einen Segeltrip im schottischen Hochland, um sich vom Großstadtleben und einem misslungenen Versuch, schwanger zu werden, zu erholen. Es ist aber nicht nur die Mischung aus beruflichem Stress, kriselnder Beziehung und unerfülltem Kinderwunsch, die sie mit aufs Boot bringen – die beiden werden auch von einem düsteren schwarzen Lastkahn mit einer gruselig-exzentrischen Besatzung verfolgt...

The Bridge Films Gruseliger, als dieses Bild vermuten lässt: "The Dark Mile"

5. My Days of Mercy (USA 2017), Regie: Tali Shalom Ezer - noch ohne deutschen Kinostart

Lucy (Ellen Page), deren Vater zum Tode verurteilt wurde, und die Pro-Todesstrafe-Aktivistin Mercy (Kate Mara) verlieben sich ineinander – eine Liebe, die ideologische und geografische (sie leben in unterschiedlichen Bundesstaaten) Entfernungen überwindet und von der ihre Familien nichts erfahren sollen. Ellen Page – in ihrem zweiten Lesbenfilm (nach Freeheld) seit ihrem Coming Out 2014 – produzierte gemeinsam mit ihrer besten Freundin Kate Mara und der lesbischen Power-Produzentin Christine Vachon (Carol). Auf dem Regiestuhl saß die Israelin Tali Shalom Ezer, die die Sexszenen zusammen mit ihrer Frau choreografierte, wie Mara in einem Interview verriet.

Screenshot/ TIFF 2017 "Mercy" heißt Gnade - und es ist natürlich reine Ironie, dass ausgerechnet eine Todesstrafen-Befürworterin (gespielt von Kate Mara, r., mit Ellen Page) so heißt...

6. Thelma (Norwegen 2017), Regie: Joachim Trier - noch ohne deutschen Kinostart

Thelma (Eili Harboe), die sehr isoliert in einer frommen Familie aufgewachsen ist, zieht zum Studium nach Oslo und verliebt sich dort zum ersten Mal. Aber Anja (Kaya Wilkins) löst mehr in ihr aus als nur ein Kribbeln im Bauch – Thelma wird von krampfartigen Anfällen gepackt, und merkwürdige Dinge passieren um sie herum… Thelma ist kein Coming Out-Drama im Mystery-Mäntelchen, sondern eher ein Horrorfilm mit zufällig lesbischer Haupfigur - „wie eine Adaption von Carrie, bei der Ingmar Bergman Regie führte“, schrieb IndieWire über den Film des norwegischen Regisseurs Joachim Trier.

7. Embrasse-moi! (Frankreich 2017), Regie: Océanerosemarie und Cyprien Vial – noch ohne deutschen Kinostart

Océane (Océanerosemarie) verliebt sich in Claire (Alice Pol) und ist (nicht zum ersten Mal!) davon überzeugt, die Frau ihres Lebens gefunden zu haben. Doch kaum sind die beiden ein Paar, wird sie ihr untreu, Claire verlässt sie - und Océane setzt alles daran, ihre Liebste wieder zurückzuerobern. „Romantic Comedies mit zwei Frauen funktionieren immer nach demselben Muster“, sagt Comedian/ Sängerin (und Ex der Musikerin Christine and the Queens) Océanerosemarie, die auch das Drehbuch schrieb. „Eine Hetera trifft eine Lesbe und fragt sich, was ihr da passiert. Wenn ein Mann den Film dreht, kehrt sie am Ende zu ihrem Kerl zurück, und wenn eine Frau Regie führt, fahren sie im Umzugswagen davon. Nicht dass ich diese Filme nicht mag, aber ich hatte einfach Lust auf eine echte Liebesgeschichte, in der die Homosexualität kein Thema ist.“

Christophe Brachet Umarme mich! - Océanerosemarie (r.) und Alice Pol in "Embrasse-moi!"

8. A Worthy Companion (USA 2017), Regie: Carlos und Jason Sanchez - noch ohne deutschen Kinostart

Erotischer Psychothriller, in dem Laura (Evan Rachel Wood), eine 30-Jährige Putzfrau, die jugendliche Ausreißerin Eva (Julia Sarah Stone) bei sich aufnimmt und für sie eine Mischung aus Ersatzmutter, große Schwester und besitzergreifende Loverin wird. Und was Eva erst allmählich klar wird: Laura hat nicht vor, sie gehen zu lassen… Ihre Rolle war ursprünglich für einen Mann geschrieben, erzählte Wood, selbst bisexuell (und kürzlich für einen Emmy nominiert), in einem Interview. „Ich finde es toll, dass es jetzt zwei Frauen sind, ohne dass das im Film ein Thema ist.“

Accusoft Inc. Evan Rachel Wood (l.) und Julia Sarah Stone in "A Worthy Companion"

9. Porcupine Lake (Kanada 2017), Regie: Ingrid Veninger - noch ohne deutschen Kinostart

Ein Blick in einem Diner: So beginnt eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei sehr unterschiedlichen 13-Jährigen auf dem Land. Die stille und brave Großstädterin Bea (Charlotte Salisbury), die mit ihren ständig streitenden Eltern hier den Sommer verbringt, und die laute, dominante Kate (Lucinda Armstrong Hall), die mit ihrer ständig verkaterten Mutter in der Gegend lebt, fühlen sich stark voneinander angezogen – ungeachtet der missbilligenden Blicke ihres Umfelds. Der ruhige Film der feministischen Regisseurin Ingrid Veninger feierte beim Toronto Film Festival im September Weltpremiere und bekam gute Kritiken.

10. Montana (Israel 2017), Regie: Kimor Shmila - noch ohne deutschen Kinostart

Nach vielen Jahren in der Stadt kehrt Efi (Noa Biron) zur Beerdigung ihres Opas wieder in ihr Heimatdorf zurück. Der Kurztrip verlängert sich unterwarteterweise, als sie sich dort verl in Karen (Netta Shpigelman) verliebt, eine verheiratete Lehrerin mit zwei Kindern. Die lesbische Regisseurin Limor Shmila, die Montana in ihrem eigenen Heimatdorf Acre drehte, erzählte in einem Interview: „Als ich meine Familie um Erlaubnis bat, in ihren Häusern zu drehen, fragte sie mich, worum es in dem Film geht. Ich sagte: ‚Es ist eine lesbische Liebesgeschichte.‘ Sie sagten: ‚In Acre gibt es keine Lesben.‘ Und ich erwiderte: ‚Ach ja?‘ Durch diesen Film wollte ich meinen Verwandten zeigen, dass es kein Problem ist, dass ich lesbisch bin. Und ich wollte ihnen zeigen, dass es auch in Acre nicht unüblich ist.“

TIFF Noa Biron und Netta Shpigelman in "Montana"

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