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7 neue Streamingserien mit L-Faktor

Comedy, Psychothriller, Science Fiction, Drama, Familien- und Jugendserien: Wir stellen neue Produktionen mit lesbischen oder bisexuellen Hauptfiguren vor, die in diesem Jahr bei Amazon, Netflix, Apple TV+, TVNOW & Co. starteten.

Netflix Mildred Ratched (Sarah Paulson, l.) und Gwendolyn Briggs (Cynthia Nixon) in „Ratched“

Von Karin Schupp

18.10.2020 - Nachdem wir euch schon im September acht neue Streamingserien vorgestellt haben, legen wir jetzt noch sieben neue Serien drauf, die in diesem Jahr bei Amazon, Netflix, Apple TV+, TVNOW & Co. starteten.

*** Achtung: zum Teil leichte Spoiler! ***

 

1. Ratched (USA, 2020), 8 Folgen, Netflix

Stylisher Psychothriller: Die Vorgeschichte der tyrannischen Krankenschwester Mildred Ratched aus Einer flog übers Kuckucksnest bewegt sich genremäßig in ganz anderen - blutigeren - Bahnen als der Buch- und Kinoklassiker. Zu Beginn, 1947, erschummelt sich Mildred einen Job in einem psychiatrischen Krankenhaus, gewinnt das Vertrauen des Klinikchefs und verfolgt dabei ein bestimmtes Ziel... Könnte auch eine neue Staffel von Ryan Murphys American Horror Story sein und ist eine typische Serie des schwulen Über-Produzenten: superstylish, dabei aber ein bisschen zu glatt und perfekt, um wirklich zu berühren.

L-Faktor: Wie in fast allen von Murphys Serien gibt es LGBT-Charaktere, allen voran Gwendolyn Briggs (Cynthia Nixon), die lesbische Assistentin des Gouverneurs, die wenig Zeit verliert, Mildred (Sarah Paulson) anzubaggern – letztlich mit Erfolg und: Diese Szenen gehören zu den wenigen, in denen Mildred ihre wahren Gefühle zeigt. Eine sehr gelungene Storyline und Extrapunkte gibt's dafür, ein Frauenpaar mit queeren Schauspielerinnen zu besetzen!

2. Mapleworth Murders (USA, 2020), 12 Folgen, Quibi (nur als App)

Altmodisch-skurrile Comedy: „Häppchen-Serie“ (jede Folge dauert nur 8-9 Min.) von und mit Paula Pell als resolute Krimiautorin Abigail Mapleworth, die - die überraschend häufigen - Mordfälle in ihrer beschaulichen Kleinstadt löst. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Insta-affinen Nichte Heidi (Hayley Magnus), in Gastrollen tauchen Comedy-Stars wie Tina Fey, Wanda Sykes und Maya Rudolph auf. Recht alberner Humor, der fast an Kinderserien erinnert – wenn es nicht ständig sexuelle Anspielungen gäbe...

L-Faktor: Abigail ist ebenso lesbisch wie Paula Pell, die früher Autorin der Sketchcomedyshow Saturday Night Live war (und auch in Amy Poehlers Netflix-Komödie Wine Country eine Lesbe spielte). Das lebt sie aber - abgesehen von einem Flirt mit einer butchigen Handwerkerin – vor allem in ihren Fantasien aus, in denen sie sich stets eine Gefährtin hinzudichtet.

Quibi Abigail Mapleworth (Paula Pell, r.) und Heidi (Hayley Magnus) in „Mapleworth Murders“

3. For All Mankind (USA, 2019), 10 Folgen, Apple TV+

Lesben im Weltall: Was wäre, wenn 1969 kein Ami, sondern ein Russe als erster Mensch den Mond betreten hätte? In dieser Alternate Reality-Serie entfacht die NASA einen „Space Race“ mit der damaligen UdSSR. Sie plant eine Mondstation und entschließt sich (zögerlich) dazu, auch Frauen ins All zu schicken. Erinnert in Sachen Sexismus, Mackerhaftigkeit und nikotinverhangenen Räumen an Mad Men, bietet aber spannendere Frauenfiguren und ist nicht so rührselig wie Hilary Swanks neue Astronautinnen-Serie Away (siehe „8 neue Serien mit L-Faktor“).

L-Faktor: Eine der Astronautinnen, Ellen (Jodi Balfour, ab Folge 3), ist heimlich lesbisch, aber Jahrzehnt und Beruf erlauben es ihr nicht, mit der Barfrau Pam (Meghan Leathers) glücklich zu werden. Stattdessen muss sie eine Scheinbeziehung mit einem schwulen NASA-Ingenieur führen.

Apple TV+ Ellen (Jodi Balfour, ganz links) mit ihren NASA-Kolleginnen in „For All Mankind“

4. The Baker and the Beauty (USA, 2020), 9 Folgen, TVNOW

Bodenständige Familienserie über eine kubanisch-amerikanische Familie, die eine Bäckerei betreibt. Der älteste Sohn beginnt eine Affäre mit einem Supermodel, sein Bruder wäre lieber ein DJ/ Rapper, und Nesthäkchen Natalie (Belissa Escobedo)…

L-Faktor: …verliebt sich in ihre Schulkameradin Amy (Madelyn Sher). Nichts in der Serie ist nicht schon hundert Mal erzählt worden, aber die Teenie-Lovestor ist niedlich. Weitere Staffeln wird es nicht geben, wer mehr will, kann aber auf die 20 Folgen der israelischen Vorlage Die Schöne und der Bäcker (bei Amazon) zurückgreifen, in der die jüngste Schwester Merav ebenfalls ihr Coming Out erlebt.

Kenneth Rexach/ ABC Natalie (Belissa Escobedo, r.) und Amy (Madelyn Sher) in „The Baker and the Beauty“

5. Hunters (USA, 2020), 10 Folgen, Amazon

Naziploitation: New York 1977, eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, angeführt von einem Holocaust-Überlebenden (Al Pacino), spürt aus Deutschland geflohene Nazis auf und ermordet sie - aus Rache und um sie daran zu hindern, in den USA ein „Viertes Reich“ aufzubauen. Erinnert in seiner comichaften Brutalität und dem krassen Humor an Tarantino-Filme, wurde aber auch heftig kritisiert: Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau bezeichnete die KZ-Rückblenden als „gefährliche Dummheit und Karikatur“. Staffel 2 kommt (voraussichtlich) 2021.

L-Faktor: Jerrika Hinton (Grey’s Anatomy) spielt die lesbische FBI-Agentin Millie, die der Spur der Nazi-Rächer folgt, womit sie auch ihre Lebensgefährtin Maria (Julissa Bermudez) in Gefahr bringt. In den eher durchwachsenen Kritiken wurde Millie als „nuancierteste Figur“ (FAZ) gelobt.

Amazon/ Screenshot Millie (Jerrika Hinton, l.) und Maria (Julissa Bermudez) in „Hunters“

6. Snowpiercer (USA, 2020), 10 Folgen, Netflix

Postapokalypse & Revolution: Nach der Klimakatastrophe ist die Erde eine Eiswüste, und die letzten Überlebenden umkreisen in einem langen Zug mit 1001 Waggons die Erde, ohne je anzuhalten. Vorne leben die Reichen und Super-Reichen, in der Mitte ist Platz für ihre Angestellten, und im „Tail“ am Zug-Ende vegetiert die Unterschicht vor sich hin. Als einer der „Tailies“, der frühere Polizist Andre Layton (Daveed Diggs), die Chance bekommt, die vorderen Waggons zu erkunden, wächst die Hoffnung auf eine Revolution gegen die Erste Klasse und die Zug-Chefin Melanie Cavill (Jennifer Connelly). Die Serie hat mit dem gleichnamigen, hochgelobten Spielfilm nur wenig zu tun, aber spannend ist sie allemal (wenn man nicht klaustrophobisch ist!). Staffel 2 kommt 2021.

Der L-Faktor: Eine der interessantesten Figuren, die – als eine der wenigen - eine persönliche Entwicklung durchmacht, ist die lesbische Security-Frau Bess Till, die mit einer Frau aus der Zweiten Klasse zusammen ist. Darstellerin Mickey Sumner ist die Tochter von Sting und Trudie Styler und Schwester der queeren Musikerin Eliot Sumner.

TNT Bess Till (Mickey Sumner) und Andre Layton (Daveed Diggs) in „Snowpiercer“

7. Teenage Bounty Hunters (USA, 2020), 10 Folgen, Netflix

Keine klassische Highschoolserie: Produzentin Jenji Kohan (Orange is the New Black, GLOW) steht bekanntlich für subversive Storys mit starkem weiblichen Cast, so auch hier. Die Zwillinge Sterling (Maddie Phillipps) und Blair (Anjelica Bette Fellini) besuchen eine fromme christliche Privatschule im konservativen Georgia, wo die Leute sonntags zuerst zur Kirche und dann zum Schießstand gehen. Durch Zufall werden sie zu Kopfgeldjägerinnen, wenn ihnen ihre anderen Hobbys – Verliebtsein, Sex und einem großen Familiengeheimnis auf die Spur kommen – Zeit dafür lassen. Temporeich und witzig, aber man muss es tolerieren können, dass hier Teenies mit Waffen rumfuchteln.

L-Faktor: In der zweiten Hälfte der Staffel verliebt sich eine der Zwillinge in eine (heimlich) lesbische Mitschülerin – eine schön erzählte Geschichte, in der es nicht um Coming Out-Probleme geht, aber um die Schwierigkeiten, in einer homophoben Umwelt offen homosexuell zu leben. Leider wird es keine zweite Staffel geben, in der diese Story weitererzählt werden könnte.

Netflix Eine der beiden erlebt ihr Coming Out: Sterling (Maddie Phillipps, l.) und Blair (Anjelica Bette Fellini) in „Teenage Bounty Hunters“

 

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