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Ägypten: Regenbogenfahne als Verhaftungsgrund

Nach einem Rockkonzert in Kairo kam es zu massenhaften Verhaftungen, nachdem dort einige Besucher eine Regenbogenfahne geschwenkt hatten. Amnesty International ruft zum Protest gegen die homofeindliche Verfolgung in Ägypten auf.

Von Julius Brockmann

8.10.17 - Bei einem Auftritt der libanesischen Rockband Mashrou' Leila in Kairo schwenkten Ende September mehrere Besucher eine Regenbogenflagge (hier zu sehen). Soweit nichts Besonderes, könnte man meinen. Doch es folgte ein Sturm der Entrüstung in ägyptischen Medien, der mit Festnahmen und einer Verurteilung zu sechs Jahren Haft endete. Wie war es dazu gekommen?

„Wenn ich eine IS-Flagge geschwenkt hätte, wäre mir das nicht passiert“, wird ein junger Ägypter von der deutschen Presseagentur dpa zitiert. An ihm entlud sich in den vergangenen Wochen der Hass vieler Userinnen und User auf Homosexuelle in dem Land am Nil. Dabei hatte er nur ein Foto von sich mit der Regenboggenflagge - eigentlich ja ein Symbol für Toleranz - gepostet.

"Propaganda von Homosexualität" ist verboten

Gewagt in einem Land, dessen Gesellschaft als äußerst homophob gilt und dessen Regierung die Tonlage gegenüber Lesben und Schwulen weiter verschärft. So hat in der vergangenen Woche das staatliche Organ für Presseregulierung die "Propaganda von Homosexualität" in den Medien untersagt und diese zu einer "schädlichen Krankheit" erklärt.

In Ägypten ist Homosexualität zwar nicht gesetzlich verboten, das Land stimmte letzte Woche aber im UN-Menschenrechtsrat - mit zwölf weiteren Staaten - gegen die Forderung, die Todesstrafe für Homosexualität abzuschaffen (wir berichteten).

Mashrou' Leila-Sänger Hamed Sinno ist offen schwul

Dass die international bekannte Indie-Band Mashrou' Leila überhaupt auftreten durfte, verwundert, denn ihr Sänger Hamed Sinno ist einer der wenigen arabischen Prominenten, die offen schwul leben. In anderen Ländern des Nahen Ostens erhielt die Band ein Auftrittsverbot. Mittlerweile darf Mashrou' Leila auch in Ägypten nicht mehr auf die Bühne. Sinno hatte zunächst zu den Vorfällen nach seinem Konzert öffentlich geschwiegen und stattdessen mit ägyptischen Menschenrechtlern gesprochen.

Amnesty International: 58 Verhaftete, darunter eine Frau

Die Lage spitzte sich zuletzt jedoch weiter zu. Sprach Spiegel Online letzte Woche noch von 22 Inhaftierten, zählte Amnesty International mittlerweile 58 Menschen; viele von ihnen waren vermutlich gar nicht auf dem Konzert. Ihnen wird "Unzucht" und "Beleidigung der Religion" sowie "Anstiftung zur Homosexualität" vorgeworfen, der einzigen Frau, Sara Hegazy, das "Werben für sexuelle Abweichungen und Ausschweifungen" (Hegazy gehört zu den wenigen Verhafteten, die ihren Fall öffentlich machten). Den Angeklagten drohen jahrelange Haftstrafen.

Protestschreiben an den ägyptischen Innenminister

Ein 19-Jähriger wurde laut Amnesty International bereits wegen ausschweifendem Verhalten zu sechs Jahren Gefängnis mit anschließender sechsjähriger Bewährung verurteilt. Die Organisation fordert die sofortige Freilassung aller Festgenommenen. Auf der deutschen Amnesty-Seite können Userinnen und User dazu einen Brief an den ägyptischen Innenminister unterzeichnen.

Sänger Hamed Sinno und seine Band zeigen sich tief erschüttert. Auf ihrer Facebook-Seite heißt es am 2. Oktober: "Wir können nicht ansatzweise erklären, wie traurig wir sind, dass wieder eine neue Ära der rückwärtsgerichteten Tyrannei über eines unserer liebsten Länder und die Zuschauer kriecht."

Mehr Informationen und Vorschläge, wie ihr selbst aktiv werden könnt, stehen auf der Webseite von Amnesty International Deutschland.

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