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Nicht so profitabel wie Moms und Mode

Ein weiteres Kreuz auf dem Friedhof der Lesbenmedien: Am Freitag wird "After Ellen", die wohl weltweit bekannteste Webseite für lesbische, bisexuelle und queere Frauen, abgeschaltet: Sie bringt dem Eigentümer nicht genug Gewinn.

Von Karin Schupp

UPDATE: Der Eigentümer von After Ellen postete inzwischen eine Stellungnahme: Man habe lediglich die Chefredakteurin entlassen, die Seite und ihre Foren sollen bestehen bleiben. "Wir werden weiter mit unseren freiberuflichen Mitarbeiterinnen zusammenarbeiten", kündigte der offenbar neue, männliche Geschäftsführer an. Einige AE-Autorinnen machten bereits öffenlicht, dass sie von ihm bisher nicht angesprochen wurden und auch nicht mehr für die Seite schreiben wollen.

l-mag.de, 21.9.16 - Vierzehn Jahre lang versorgte uns die US-Webseite After Ellen mit lesbischem News und Klatsch aus der Popkultur. Promis, Musik, Filme, Literatur, Fernseh- und Webserien – wer das täglich mit mehreren Artikeln bestückte Portal besuchte, war rundum informiert, zumindest was den englischsprachigen und vor allem den US-amerikanischen Teil der Lesbenwelt anging.

Wer entscheidet so etwas? Hetero-Männer!

Heute gab die aktuelle Chefredakteurin, Trish Bendix, überraschend bekannt, dass das Portal am Freitag eingestellt wird. Auf Tumblr (auf AE selbst durfte sie den Text nicht veröffentlichen) erklärt sie die Hintergründe: Es geht – natürlich – ums Geld. Eigentümer Evolve Media „fand, dass wir nicht so profitabel wie Moms und Mode sind.“ Und ja, bei den Entscheidern „handelt sich hauptsächlich um weiße, heterosexuelle Männer, was wichtig zu erwähnen ist, denn das betrifft ja nicht nur uns. (…) After Ellen ist nur eine von vielen Heimaten, die lesbische, bisexuelle und queere Frauen im letzten Jahrzehnt verloren haben.“ Medien, aber auch Cafés, Bars und Buchläden: Tatsächlich brechen immer größere Teilen des lesbischen Infrastruktur weg - und das nicht erst seit zehn Jahren.

Das Archiv soll erhalten bleiben

After Ellen, 2002 von Sarah Warn als Fansite gegründet und nach Ellen DeGeneres benannt, wurde 2006 vom Medien-Riesen und MTV-Eigentümer Viacom gekauft und an dessen LGBT-Kabelsender Logo angegliedert. Seit 2014 gehört AE dem Verlag Evolve Media, der über 40 „Lifestyle-Sites“ betreibt.

Evolve kündigte an, die Webseite und ihr großes Archiv an Interviews, Filmkritiken und TV-Serien-Recaps nicht zu löschen und gelegentlich neue Artikel zu posten. Mitarbeiterinnen gibt es dann aber wohl keine mehr: Bendix, die seit zehn Jahren für AE schreibt und vor zwei Jahren Chefredakteurin wurde, muss jedenfalls am Freitag ihre Sachen packen; sie plant, einen Roman zu veröffentlichen und sich als Drehbuchautorin zu versuchen.

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