ARD-Film „So haben wir dich nicht erzogen“: Eine schrecklich lesbische Familie
Ein Frauenpaar reagiert entsetzt, als ihre vermeintlich lesbische Tochter mit ihrem Verlobten nach Hause kommt. Leider berührt die Regenbogenfamilien-Komödie „So haben wir dich nicht erzogen“ (ARD) eher unangenehm als zu amüsieren.
BR/ORF/Cult Film GmbH/Stefanie Knebel Balbina (Brigitte Hobmeier, l.), Inka (Gerti Drassl, r.) und ihre Tochter Hedwig (Alina Schaller)Von Karin Schupp
15.3.2026 - Für ein Frauenpaar bricht eine Welt zusammen, als ihre Tochter - die sie bisher für lesbisch hielten – ihnen ihre große Liebe vorstellt: ein MANN! Den sie auch noch HEIRATEN will! „So haben wir dich nicht erzogen“ heißt denn auch die ARD-Komödie - kein Wunder, dass ich sie mir so angeschaut habe, wie andere Leute vor einem Horrorfilm sitzen: mit beiden Händen vor den Augen.
Man hätte schon was Unterhaltsames aus dem Thema Regenbogenfamilie machen können und zumindest das Personal ist gegeben: Die prinzipientreuen und gluckigen Mütter, die erkennen müssen, dass ihre perfekte Tochter ihr eigenes Leben hat. Die Tochter, die Gen-Z-typisch eben nicht so auf sexuelle Identitätslabel fixiert ist wie ihre Eltern. Und sie bei einem Besuch im Wiener Eigenheim mit ihrem Verlobten, einem netten Langweiler, überrascht. Dazu kommen der schwule Freund der Familie (auch noch Priester!), der als Vermittler geladen ist, aber noch mehr Unruhe stiftet, ein (dann doch nicht so) homophober Kneipenwirt und die (dann doch nicht so) traditionellen Eltern des Verlobten.
So stellen sich anti-woke Kreuzzügler Regenbogeneltern vor
Komödien müssen überzogen sein, aber diese hier trifft einfach nicht den richtigen Ton, insbesondere bei den Müttern. Balbina (Brigitte Hobmeier), die an einer gendergerechten Übersetzung der Bibel sitzt und akademisch herumschwadroniert, und die frustrierte Hausfrau Inka (Gerti Drassl) rasseln schon in den ersten Minuten sämtliche queeren und feministischen Buzzwords runter und haben ihre Tochter natürlich – siehe Filmtitel – lesbisch, männerkritisch und als Ehe-Gegnerin erzogen: So dogmatisch-verkniffen stellen sich anti-woke Kreuzzügler Regenbogeneltern vor.
Das Drehbuch übertreibt hier so genüsslich, als gäbe es aktuell kein Erstarken von Homophobie und immer lauter werdenden (religiösen) Rechten, die genau dieses absurde Konstrukt „Lesben erziehen ihre Töchter zu männerhassenden Lesben mit 'Gender-Ideologie'“ ja in voller Überzeugung verbreiten - diese schräge Truppe wird im Film allerdings nicht auf die Schippe genommen.
... ohne dass das Klischee gebrochen und Sympathie geweckt wird
Wer bei Hauptfiguren so klischeehaft auf die Pauke haut, muss das Bild irgendwann brechen, damit das Publikum dann doch mit ihnen sympathisieren kann. Doch anstatt Balbina und Inka als „ein bisschen drüber“, aber doch irgendwo liebenswert zu zeichnen, schauen wir unangenehm berührt dabei zu, wie sich das Paar permanent entweder kabbelt oder handfest streitet. Die dominante Balbina kommt dabei schlicht unsympathisch rüber und Inka weckt allenfalls Mitleid, während alle anderen Charaktere nett sind, aber blass bleiben.
BR/ORF/Cult Film GmbH/Stefanie Knebel Die Mütter, die Tochter, ihr Freund und der PriesterEine Lernkurve für die Mütter - und sogar ein Happy End
Und so stolpert die Handlung ohne viele Pointen oder Situationshumor so vor sich hin. Das junge Paar, Hedwig (Alina Schaller) und Andreas (Julian Pichler), hält sich raus und überlässt den zeternden Müttern und dem schwulen Familienfreund (Thomas Mraz) die Bühne. Und selbst Andreas‘ in Tracht auftauchende Eltern aus Tirol (Carmen Gratl und Roland Silbernagl) - auf dem Papier der größtmögliche Kontrast zur queeren Großstadt-Familie - beiben hinter den Comedy-Erwartungen zurück.
Am Ende gibt’s eine Lernkurve für die Mütter (die auch damit zu tun hat, dass selbst die überzeugteste Lesbe mal Sex mit Männern hat) und das genretypische Happy End für alle. Ja, auch für Balbina und Inka, die sich doch tatsächlich lieben - puh, noch mal die Kurve gekriegt!
Nicht die lesbischen Identifikationsfiguren, die wir uns wünschen
Da fragt man sich ratlos, für wen „So haben wir dich nicht erzogen“ eigentlich gedreht wurde. Klar, das lesbische Publikum wird in TV-Redaktionen keine große Rolle spielen, aber dass Bablina und Inka keine guten Identifikationsfiguren abgeben, wird auch dem klassischen Publikum solcher Filme - weiblich und älter (also wie die beiden!) - nicht gefallen.
Menschen, die ein Problem mit Homosexualität haben, werden zwar ihre Vorurteile bestätigt sehen, aber bestimmt nicht 85 Minuten lang hinschauen, nur um das Paar in den letzten Minuten dann doch ins Herz zu schließen.
Mehr lesbische TV-Stoffe mit frischerem Blick
Fürs lesbische Publikum, das sich eigentlich begeistert auf jeden lesbischen TV-Stoff stürzt, könnte „So haben wir dich nicht erzogen“ eine doppelte Enttäuschung sein.
Bekanntlich produziert das deutsche Fernsehen nur selten Filme mit lesbischen Hauptfiguren, und wenn das alle Jubeljahre mal passiert, würde man sich wünschen, dass der Auftrag an jemanden mit frischerem Blick und größerer Nähe zum Thema vergeben wird, als es Uli Brée (Drehbuch) und Michaels Kreihsl (Regie), zwei Männer über 60, zu bieten haben.
Dennoch darf man „So haben wir dich nicht erzogen“ keine schlechten Einschaltquoten wünschen. Denn daraus könnten Programmverantwortliche fälschlicherweise folgern, dass „Lesbenfilme halt nicht funktionieren“. Die jedoch - das müsste doch längst klar sein – kommen auch bei Heteras an, solange sich bei den Hauptfiguren und ihrer Story mitfiebern lässt. Bitte dreht mehr solcher Filme!
So haben wir dich nicht erzogen (BR/ORF 2026), Das Erste, Mi, 18. März 2026 (20:15 Uhr) oder schon jetzt in der ARD-Mediathek

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