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"Atomic Blonde": Die in Eiswürfeln badet

Blutig, rau, sexy - In ihrem neuen Actionthriller prügelt sich Charlize Theron als knallharte Top-Agentin durchs Berlin kurz vorm Mauerfall und findet zwischendurch Zeit für eine Affäre mit einer französischen Spionin (Kinostart: 24. August).

Universal Pictures International Küsst sie Delphine (Sofia Boutella) gleich, oder will sie sie umbringen? Oder beides? Bei Lorraine (Charlize Theron, l.) weiß man nie...

Von Karin Schupp

24.8.2017 - November 1989: Wenige Tage vor dem Mauerfall wird Lorraine Broughton (Charlize Theron), knallharte Elite-Spionin des britischen MI6, nach Berlin geschickt. Dort soll sie ein verschwundenes Stasi-Dossier finden, das alle Agenten in der Stadt auflistet, und einen Doppelagenten enttarnen. Ihr dort stationierter Kollege Percival (James McAvoy) ist gar nicht begeistert von ihrem Eintreffen und hält, ganz der Platzhirsch, nicht viel von Teamwork. Und da auch alle anderen Geheimdienste hinter der Liste her sind, beginnt eine wilde Jagd durch den Ost- und Westteil der Stadt. Aber Lorraine ist - auch wenn’s nicht immer danach aussieht - allen meist einen Schritt voraus…

Dank Charlize Theron kein Agentenfilm von der Stange

Es handelt sich also um einen klassischen, actionreichen Agententhriller, der sich, abgesehen vom geschichtsträchtigen Schauplatz, wenig von der Masse abhebt. Die Zeitreise ins raue Berlin inklusive "Hits der 80er-Jahre"-Soundtrack bietet einigen Wiedererkennungswert (auch wenn überwiegend in Budapest gedreht wurde), dass Atomic Blonde aber mehr als ein Möchtegern-007-Film von der Stange wurde, ist einzig Charlize Theron zu verdanken.

Die Oscar-Gewinnerin (für ihre Rolle als lesbische Massenmörderin in Monster, 2004), die sich als Ko-Produzentin die Hauptfigur des Comics „The Coldest City“ auf den Leib schneidern ließ, stürzte sich mit sichtlichem Elan in ihre Aufgabe, verzichtet dabei auf so genannte „weibliche Waffen“ wie Charme und vorgetäuschte Naivität und schreckt vor keiner handgreiflichen Auseinandersetzung zurück - ganz so, wie sie es auch in Mad Max: Fury Road (2015) schon zeigen konnte.

Brutale Prügeleien und Sex mit einer Kollegin

Pistolen sind offenbar nicht so ihr Ding, stattdessen nutzt Lorraine in den langen, brutalen Kampfszenen alles, was ihr zwischen die Finger kommt: Wasserschlauch, Kochplatte, Schlüssel oder Korkenzieher. Und während sich James Bond nach einer Prügelei höchstens mal das blütenweiße Hemd glatt zieht und am nächsten Tag wieder aussieht wie neu, ist sie jedesmal so übel zugerichtet, so dass man ihre Blessuren – trotz regelmäßigem Eiswürfelbad - auch Tage später noch sieht.

Eins jedoch schaute sie sich von ihrem legendären MI6-Kollegen ab: Lorraine gönnt sich eine Affäre (und uns eine schöne Sexzene!) – und zwar nicht mit dem rüpeligen Percival oder einem anderen Mann, sondern mit der französischen Nachwuchs-Spionin Delphine (Sofia Boutella). „Warum darf James Bond in jedem Film mit jeder Frau schlafen, und niemand sagt: ‚Wow, er liebt die doch gar nicht‘“, sagte Theron im Interview mit Entertainment Weekly und stellte auch gegenüber Variety klar, dass sie dem Kinoklischee der "Frau, die sich verlieben muss, sonst ist sie eine Hure", etwas entgegensetzen wollte.

Bisexuelle im Kino stärker repräsentieren 

Dass aber vor allem Lorraines Bisexualität Atomic Blonde die größte Medienaufmerksamkeit bescherte (dabei bleibt es Therons Behauptung, dass die Spionin bi und nicht lesbisch ist - im Film wird das gar nicht thematisiert), war aus PR-Gründen sicher erfreulich und machte Theron, selbst hetero, zur Vorkämpferin für Bisexuelle. „Aus Frust darüber, wie wenig diese Community im Kino repräsentiert ist oder nicht vorkommt“, erklärte sie diese Entscheidung gegenüber Variety. „Und es passte einfach zu ihr.“

Aber auch wenn Delphine die einzige ist, bei der Lorraine ihr Visier ein wenig runterlässt: Wer nur deswegen ins Kino geht, wird enttäuscht sein. Wer jedoch das Genre mag und auf harte Action steht, zugunsten einer starken und intelligenten Frauenfigur aber gerne auf den stereotypen Macho-Helden verzichtet, ist hier genau richtig und erlebt atemlose 115 Minuten.

Atomic Blonde (USA/ D/ S 2017), Regie: David Leitch, Buch: Kurt Johnstad, mit: Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman, Toby Jones, Sofia Boutella, Til Schweiger u.a., 115 min., Kinostart: 24.8.2017

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