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Bad Girls auf Dämonenjagd

In "Wynonna Earp" bekämpft die Ur-Ur-Enkelin von Westernheld Wyatt Earp Dämonen, und ihre ebenso unerschrockene Schwester verliebt sich nebenbei in die lesbische Dorfpolizistin. Alles über den kanadischen Serien-Hit plus eine Vorschau auf Staffel 2.

Syfy Starkes Schwesternduo: Wynonna (Melanie Scrofano, r.) und Waverly Earp (Dominique Provost-Chalkley)

Von Karin Schupp

l-mag.de, 23.4.2017 - Horror und Western – das sind die beiden Genres, die ich normalerweise weiträumig umfahre, aber als die TV-Produzentin Emily Andras im Frühjahr 2016 eine “schräge, dämonenjagende, feministische Cowboyserie” versprach, war ich sofort im Boot. Immerhin produzierte sie zuvor den queeren Kulthit Lost Girl und versprach, dass auch ihre neue Serie “superlesbisch” werden würde.

Und der Neustart aus Kanada kam im richtigen Moment, nämlich vor genau einem Jahr, als nach Lexas Tod in The 100 die Bewegung “LGBT Fans Deserve Better” entstand, um gegen die vielen lesbischen und bisexuellen TV-Toten zu protestieren – allein in der US-Saison 2015/16 waren es 30! Und was soll ich sagen: Wynonna Earp (zurzeit exklusiv bei Netflix) enttäuschte nicht und wurde - nicht nur - meine Lieblingsserie 2016!

Cooles Bad Girl gegen Kleinstadt-Dämonen

In der Comicbuch-Adaption kehrt die Ur-Ur-Enkelin des Westernhelden Wyatt Earp, von Melanie Scrofano kongenial gespielt, in ihr Heimatstädtchen Purgatory (= Fegefeuer) zurück, und was nur eine Stippvisite bleiben soll, zögert sich auf unbestimmte Zeit hinaus, denn sie wird gebraucht: In dem Kaff haben sich dämonische “Revenants” breitgemacht, und nur Wynonna Earp kann diese Untoten in Menschengestalt mit Uropas Colt “Peacemaker” ins Jenseits befördern – was sie mit einer Mischung aus Wut, Widerwillen und Sarkasmus zuverlässig erledigt.

Dem coolen Bad Girl, das vermutlich dieselbe Antiheldinnen-Schule wie Jessica Jones (ebenfalls Netflix; wir berichteten) besuchte, stehen der stoische Spezialagent Dolls (Shamier Anderson), Wynonnas jüngere Schwester Waverly (Dominique Provost-Chalkley) und der mysteriöse Doc Holliday (Tim Rozon) zur Seite. 

Und der Hashtag #WayHaught war geboren

Aber bleiben wir bei Waverly: Die wandelnde Familienchronik, schlau und unerschrocken, blieb in Purgatory bisher unter ihren Möglichkeiten und ist mit dem tumben Champ (Dylan Koroll) zusammen – vorerst! Denn in Folge 2 betritt Officer Nicole Haught (Katherine Barrell) die Kneipe, in der Waverly arbeitet, und lässt keinen Zweifel daran, dass sie an ihr interessiert ist. Schon dieser erste Auftritt der selbstbewussten Polizistin löste im Internet einen Heartstorm aus (oder wie man das Gegenteil von “Shitstorm” nennt!), und der Hashtag #WayHaught war geboren (= "way hot" = schaaaarf).

Die WayHaught-Story bleibt zwar eine Nebenhandlung, es dauert auch eine Weile, bis Waverly ihre aufwallenden Gefühle versteht, und Nicole taucht leider nur in neun der 13 Folgen auf - aber jede Begegnung, jeder Blick, jede verliebte Bemerkung, die Nicole macht, sitzt. Und Andras erhöhte zudem die Vorfreude, indem sie – entgegen der sonstigen Gepflogenheiten – versprach, dass beide die Staffel überleben würden!

Instagram "Starke weibliche Charaktere": Katherine Barrell (l.) und Dominique Provost-Chalkley

"Das Beste, was mir in meiner Karriere passiert ist"

Dass die beiden Schauspielerinnen ihre Rollen mit Begeisterung spielen (“Wir hatten keine persönlichen Grenzen", sagte etwa Barrell über ihren erste Kuss-Szene, “Wenn ich so etwas drehe, sehe ich mich selbst als Zuschauerin und denke: Was würde ich jetzt unbedingt sehen wollen?”), ist spürbar – und ebenso ihre Dankbarkeit für die unerwartete lesbische Begeisterung (Dominique Provost-Chalkley: “Ich wusste nicht, was mich erwartet. Emily sagte: Du wirst ein paar LGBT-Fans kriegen...”). Beide sind auf Twitter sehr aktiv und zeigen sich in Interviews und bei Fan-Conventions beeindruckt über die Bedeutung ihrer Rollen.

„Ein Mädchen schrieb mir, dass die Serie ihr half, mit ihrer Mutter zu reden“, sagte Barrell auf der queeren Fan-Convention ClexaCon Anfang März in Las Vegas. “Als Schauspielerin spielst du normalerweise in diese schwarze Loch hinein, und hier habe ich das Gefühl, dass ich etwas Gutes tun kann. Deshalb ist diese Rolle das Beste, was mir in meiner Karriere passiert ist.“

Und umgekehrt profitiert Wynonna Earp von ihr: Officer Haught, die keine Originalfigur aus der Comivorlage von Beau Smith ist, taucht jetzt auch dort auf, und in der 2. Staffel spielt sie eine größere Rolle. Lest unter dem Foto eine Vorschau auf die neuen Folgen und schaut euch den ersten Trailer an.

*** Achtung: Enthält auch Spoiler auf Staffel 1! ***

Emily Andras/ Twitter Der Cast bei den Proben für Staffel 2: Shamier Anderson, Katherine Barrell, Dominique Provost-Chalkley, Melanie Scrofano, Tim Rozon

Wie geht's in Staffel 2 weiter?

„Das Fandom hat uns Staffel 2 gebracht“, zeigte sich Emily Andras auf ClexaCon dankbar und versprach, dass Nicole - die ja jetzt auch zum “Black Badge-Team” gehört - und #WayHaught und  nicht zu kurz kommen. “Wir haben aber keine Zeit, jede Minute in so einer Flitterwochen-Phase zu verbringen, weil wir Dinge zu tun haben”, bremst Provost-Chalkley allzu romantische Hoffnungen. “Sie müssen als Team zusammenarbeiten, und das wird nicht unbedingt einfach, denn es passiert ihnen einfach unglaublich viel.”

Richtig: Waverly erfuhr ja im Staffelfinale, dass sie vielleicht gar keine Earp ist – und infizierte sich zudem mit einem dämonischen Modder…

Das Team - mit einem Neuzugang: Rosita (Tamara Duarte), die von Doc Holliday ins Team geholt wird - “kämpft und arbeitet jetzt so richtig zusammen, und ich freue mich schon auf ein paar witzige Paarungen", verrät Andras, und Melanie Scrofano ergänzt: „Alle Beziehungen werden noch stärker und komplizierter. Ich finde, die Beziehungen sind der stärkste Part unserer Story. Aber es gibt auch wieder jede Menge Action, jede Menge Sprüche.“

In Nordamerika startet Staffel 2, die bis Anfang April in der kanadischen Provinz Alberta gedreht wurde, am 9. Juni. Wann sie auch bei uns läuft, ist noch nicht bekannt.

Mehr über Schauspielerinnen in lesbischen Rollen und ihre Fans im Mai/ Juni-Heft der L-MAG - ab 28. April am Kiosk!

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