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"Battle of the Sexes": Film und Wirklichkeit

Faktenvergleich zum aktuellen Kinofilm “Battle of the Sexes” über die lesbische Tennislegende Billie Jean King: Ihre Verdienste für das Frauentennis, ihr Match gegen Tennis-Macho Bobby Riggs, ihr Coming Out und wie es mit ihr und Marilyn weiterging.

Twentieth Century Fox Emma Stone und Billie Jean King

Von Karin Schupp

27.11.2017 - Im September 1973 spielte Tennis-Star Billie Jean King im legendären „Kampf der Geschlechter“ gegen den Ex-Tennisprofi Bobby Riggs und wies den selbsternannten Obermacho in drei Sätzen in seine Schranken.

Mehr noch als um dieses Match geht es in Battle of the Sexes aber um die schlechte Bezahlung von Tennisspielerinnen, gegen die sich King und ihre Kolleginnen wehrten, indem sie ihre eigene Tour auf die Beine stellten. Und auch Kings (Emma Stone) lesbisches Coming Out und ihre erste – heimliche - Liebesbeziehung mit einer Frau, der Frisörin Marilyn Barnett (Andrea Riseborough), spielen eine große Rolle.

Der Film erlaubt sich einige erzählerische Freiheiten, wie das Regie-Duo Valerie Faris und Jonathan Dayton im L-MAG-Interview verrät (hier lesen). Wir schauen genauer hin: Wie war das alles in Wirklichkeit? Wie groß ist Kings Beitrag zum Tennis? Wie ging’s mit Billie Jean und Marilyn weiter? Und ist das Frauentennis tatsächlich ein Lesben-Hotspot?

Billie Jean King, Marilyn Barnett und ihr langes Coming Out

King, die am vergangenen Mittwoch ihren 74. Geburtstag feierte, ist eine der größten Tennisspielerinnen aller Zeiten: Sie gewann 39 Grand Slam-Titel, die meisten davon zwischen 1966 und 1975. Im Alter von 40 Jahren spielte sie ihr letztes offizielles Einzel, im Doppel trat sie noch bis 1990 an und war danach Kapitänin des US-Fed Cup-Teams und Trainerin des Olympiateams.

Ihr lesbisches Coming Out hatte King bereits Ende der 60er Jahre, mit ihrem damaligen Mann Larry King blieb sie aber noch bis 1987 verheiratet, bis heute sind sie gut befreundet.

Kings (heimliche) Beziehung mit Marilyn Barnett begann 1972, also - anders als im Film - erst nach Gründung der Virginia Slims Tour. Ihre Trennung und Versöhnung im Film sind erfunden, tatsächlich war Barnett vor, während und nach dem Showkampf die ganze Zeit an Kings Seite.

Ihre echte Trennung war hingegen viel dramatischer: Barnett verklagte ihre Ex 1981 auf Unterhalt und machte King damit zu einem der ersten Outing-Opfer der Mediengeschichte. Die Klage blieb erfolglos, aber weil King die Beziehung nicht leugnete (sie spielte sie allerdings als einmaligen Ausrutscher herunter und bezeichnete Barnett, die seit einem mutmaßlichen Selbstmordversuch querschnittsgelähmt war, als „labil“), verlor sie all ihre Werbeverträge. Um ihre sexuelle Orientierung wirklich zu akzeptieren und die LGBT-Aktivistin zu werden, die sie heute ist, musste sie allerdings erst 50 werden, wie sie kürzlich dem Sender NBC sagte.

1987 wurde King in die „International Tennis Hall of Fame“ aufgenommen, für ihr Engagement für Frauen- und LGBT-Rechte wurde sie 2009 von Präsident Obama mit der „Medal of Freedom“, ausgezeichnet.

Seit 1987 ist King mit ihrer damaligen Doppelpartnerin Ilana Kloss zusammen. Bei Battle of the Sexes war sie beide als Beraterinnen eingebunden.

Die revolutionäre Virginia Slims Tour

Weil die Preisgelder der Frauen nur ein Zwölftel (!) von dem der Männer betrug, gründete Gladys Heldman (im Film gespielt von Sarah Silverman), Herausgeberin eines Tennismagazins, mit Billie Jean King und acht weiteren Spielerinnen - die "Houston 9" - eine eigene Tennis-Tour und nahmen damit in Kauf, deswegen anfangs von internationalen Turnieren ausgeschlossen und aus der Weltrangliste gestrichen zu werden.

Der Virginia Slims Circuit, der mit dem symbolischen 1 $-Vertrag (auch im Film zu sehen) schon im September 1970 startete, wurde zur Erfolgsstory: Bis Ende des Jahres hatten sich 40 Spielerinnen der Tour angeschlossen. 1973  initiierte King die Gründung der Women Tennis Association, in deren (heute noch existierende) WTA-Tour der Virginia Slims Circuit später aufging.

Mit ihrem mutigen Schritt bahnten King & Co. den Weg dafür, dass Tennis zu einer der wenigen Profi-Sportarten wurde, in denen Männer und Frauen die gleichen Preisgelder verdienen können (zumindest bei den Grand Slam-Turnieren – alles in allem, so schrieb die New York Times 2016, verdienen die Top 100-Spielerinnen zurzeit im Durchschnitt 120.000 Dollar weniger als die Männer).

2012 in Charleston: Die erste Reunion der "Houston 9" seit ihrem legendären 1-Dollar-Foto 1970 (Billie Jean King stehend, 2.v.l.)

Was war eigentlich mit Bobby Riggs los?

Bobby Riggs, im Film gespielt von Steve Carell, führte in den 1940er Jahren zeitweise die Weltrangliste an, verdiente sein Geld damals aber vor allem damit, indem er auf seine Siege wettete. Auch nach seiner Karriere machte er aus seiner Spiel- und Wettleidenschaft keinen Hehl. Von seiner zweiten Ehefrau Priscilla Wheelan (Elisabeth Shue), einer reichen Erbin, war er zum Zeitpunkt des "Battles of the Sexes" bereits geschieden, 1991 heirateten sie aber ein zweites Mal.

Was Riggs im Alter von 55 Jahren auf die Idee brachte, weibliche Tennisstars herauszufordern, ist nicht bekannt, aber offenbar sah er eine Gelegenheit, aus einer Provokation sein persönliches Geschäftsmodell zu machen („Ich zeig‘ euch die Show in Chauvinismus!“).

Wie im Film gezeigt, spielte Riggs nach Kings anfänglicher Absage zunächst gegen die damalige Weltranglisten-Erste Margaret Court. Erst deren Niederlage (und möglicherweise auch die 100.000 $ Preisgeld) bewogen King dazu, die Herausforderung anzunehmen. Sie wusste, welche Verantwortung auf ihr lastete: „Ich dachte, dass es uns 50 Jahre zurücksetzen würde, wenn ich das Spiel nicht gewinne. Dass es die Frauentennis-Tour und das Selbstwertgefühl aller Frauen ruinieren würde“, sagte sie später.

Nach ihrem Sieg kam prompt das Gerücht auf, Riggs habe absichtlich verloren, weil er gegen sich selbst gewettet hätte – er selbst hat das aber immer dementiert.

Das Match in Houston war ein riesiges Medienereignis, 90 Millionen Menschen sollen weltweit am Fernseher die Pre-Show (im Film sehr akkurat nachgestellt, siehe Clip unten) und Kings Triumph mitverfolgt haben. Tourveranstalter Jack Kramer (Bill Pullman) spielte tatsächlich die unrühmliche Rolle, die ihm das Drehbuch gibt. Dass King den Sender ABC dazu nötigte („Entweder er geht – oder ich!“), ihn nicht als TV-Kommentator des Spiels einzusetzen, ist wahr.

King und Riggs verstanden sich privat übrigens gut – noch am Abend vor seinem Tod 1995 telefonierten sie ein letztes Mal miteinander.

Lesben im Tennis

Wie im Film angedeutet, war King schon damals nicht die einzige Lesbe im Frauentennis. Zu den „Houston 9“ gehörte, wie man heute weiß, mit Kings langjähriger Doppelpartnerin Rosie Casals mindestens eine zweite. Gespielt wird sie übrigens von Natalie Morales, die sich in diesem Jahr als queer outete.

Noch bekannter ist natürlich Martina Navratilova, deren professionelle Karriere 1974 begann und die, wie King, ebenfalls 1981 geoutet wurde.

Aber erst die nächste Generation mit Spielerinnen wie Conchita Martinez, Hana Mandlikova, Gigi Fernandez oder die am letzten Sonntag verstorbene Wimbledon-Gewinnerin Jana Novotná (s. K-Word #227) ließ den Tennis in den 90er Jahren zum Lesbensport Nr. 1 werden. Zurzeit steht in der Top 100-Weltrangliste aber nur eine offen lesbische Spielerin: die Schwedin Johanna Larsson (s. K-Word #185).

Der damaligen Weltranglisten Margaret Court (Jessica McNamee), die im Film als homophob angedeutet wird, wurde damit nicht unrecht getan: Sie ist mittlerweile eine religiös-homophobe Fundamentalistin, die zuletzt gegen die Ehe-Öffnung in ihrem Heimatland Australien agitierte (s. K-Word #226).

 

Kings Match gegen Riggs ist ein beliebtes Filmthema

Battle of the Sexes ist nicht die erste Verfilmung des legendären Tennismatches. Im US-Fernsehen lief 2003 das Dokudrama When Billie Beat Bobby, für das Hauptdarstellerin Holly Hunter mit einer Emmy-Nominierung belohnt wurde. 2013 erschien der Dokumentarfilm Battle of the Sexes von James Erskine and Zara Hayes.

Zeitgleich zum aktuellen Film waren auch ein TV-Movie mit Elizabeth Banks (Die Tribute von Panem) als Billie Jean King sowie ein Kinofilm mit Will Ferrell als Riggs in Planung. Ob aus diesen beiden Projekten noch etwas wird, ist derzeit nicht bekannt.

Weiterlesen: Interview mit dem Battle of the Sexes-Regie-Duo Jonathan Dayton und Valerie Faris auf L-MAG Online.

Und auch in der aktuellen L-MAG (hier erhältlich) berichten wir ausführlich über Battle of the Sexes.

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