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Bubikopf und Hosenrollen: Frauen in Kunst und Film der „Goldenen Zwanziger“

Marlene Dietrich, Lesbenclubs, "Mädchen in Uniform" - in der Weimarer Republik herrschte eine nie zuvor erlebte Freiheit. Anlässlich einer Ausstellung in Berlin reisen wir in die Vergangenheit und schauen, was das für die Frauen in dieser Zeit bedeutete.

Deutsche Kinemathek - Fotoarchiv Edith Posca als Detektivin Miss Madge Henway in "Das Achtgroschenmädel" (1921)

Von Simone Veenstra

29.9.2019 - „Kino der Moderne - Film in der Weimarer Republik“ heißt die Ausstellung, die noch bis 13. Oktober in der Deutschen Kinemathek Berlin besucht werden kann. Wir von L-MAG waren begeistert und haben uns vor allem über „Weimar Weiblich“ gefreut, einen der Schwerpunkte, der einen Blick auf Frauen im Film dieser Zeit richtet. Für Kuratorin Kristina Jaspers ist das auch eine Herzensangelegenheit, denn nicht selten ist bei diesem Oberthema von den immer gleichen Männern die Rede.

Grund genug für uns, hier einmal etwas tiefer in das Thema „Frauen und die Frauenrolle der Weimarer Republik“ einzutauchen. Dank der freundlichen Unterstützung der Deutschen Kinemathek und ihrem Archiv haben auch jene von euch, denen kein Besuch der Ausstellung gelingt, die Gelegenheit, einige seltene historische Kleinode dazu zu bestaunen!

Neue Frauen braucht die Welt!

Deutschland nach dem ersten Weltkrieg brauchte sie ganz sicher! Wir aber wollen wissen: Was war dran an der damaligen „neuen Frau“ der Weimarer Republik?

Wer die Serie Babylon Berlin kennt, konnte sich einen ersten Eindruck verschaffen. Und generell zog das 100-jährige Jubiläum der Weimarer Republik - oder im internationalen Begriff „der Goldenen Zwanziger“ - eine Vielzahl an weiteren Veröffentlichungen nach sich. Viel konnte man erfahren über Nachtclubs, Varietés, Mode, Tanz, über weibliche Freiheit und Selbstbestimmung.

Doch wie sah es wirklich aus mit der Gleichberechtigung und dem entspannten Feiern beispielsweise in lesbischen Nachtclubs, bevor sich die neue Frau am nächsten Morgen zu ihrer selbstbestimmten Arbeit aufgemacht hat - und bevor das goldene Jahrzehnt sich in einen absoluten Tiefpunkt der deutschen Geschichte verwandelte?

Frédéric Batier/ X Filme Severija Janusauskaite als mysteriöse Sängerin Svetlana Sorokina in "Babylon Berlin"

Raus aus dem Korsett

Die neue Frau, so hört und liest man immer wieder, brachte die Weimarer Republik angeblich automatisch mit sich. Selbstbewusst und eigenständig hatte sie während des ersten Weltkriegs Verantwortung übernehmen müssen und sich danach geweigert, sich erneut in das starre Korsett ihrer bisher angestammten Rolle drängen zu lassen.

Als Metapher dafür steht der Look: Lange Haare fallen dem Bubikopf zum Opfer, Kunstseide macht Kleider erschwinglicher, der Rocksaum steigt und führt das erste Mal wirklich zur Entwicklung einer Strumpf- und Schuhmode. Doch auch Männerkleidung - Hosen und Anzüge - wurde attraktiv, (Nackt-)Tänzerin und Schauspielerin Anita Berber bleibt nicht nur wegen ihres öffentlichen Auftritts „nackt unterm Pelz“ in Erinnerung, sie brachte auch den Smoking-und-Monokel-Trend.

Auf Gleichberechtigung bestand die Frau in der Weimarer Republik also, darauf wählen zu dürfen und zu studieren. Sie hatte gelernt sich zu organisieren – unter anderem auf Frauenkonferenzen, auf denen sie sich über Erziehungsfragen ebenso mit internationalen Gleichgesinnten austauschte wie über das Thema Frieden, Sexualität und Beziehungen.

Ernst Schneider/ gemeinfrei Anita Berber, 1921

Wie golden ist golden?

Allerdings tendieren historische Rückblicke nicht selten zu Stereotypen, gerade wenn es sich um ein Kultphänomen wie die Goldenen Zwanziger handelt. Denn nur für einen geringen Teil der Gesellschaft waren diese Jahre tatsächlich so gleißend. Vornehmlich für jene, die nicht aufgrund der inzwischen wertlosen Kriegsanleihen ihr gesamtes Vermögen verloren hatten. Oder aber unter der rasenden Inflation litten.

Zugegeben, geändert hatte sich vieles: Väter, Ehemänner, Freunde, Brüder und Söhne waren ab 1914 in einen Krieg gezogen, von dem sie erwartet hatten, binnen weniger Monate als Siegende zurückzukehren. Sie hatten sich schwer getäuscht. Der erste hochtechnisierte Stellungskrieg kostete vielen das Leben und jene, die ihn überlebten, rund vier Jahre und nicht selten die geistige oder körperliche Unversehrtheit.

Frauen zogen mit in den Krieg, ließen sich zu Krankenschwestern ausbilden, halfen, wo Not am Menschen war und übernahmen Positionen abwesender Männer: Sie führten Bauernhöfe und Firmen, ernährten Familien, eigneten sich Wissen an, das ihnen bislang mitunter verwehrt geblieben war.

Die Männer, die 1918 nach Hause zurückkehrten, mussten sich zurechtfinden in einer Zeit, die ganz anders war als die letzten Jahre und anders als die Zeit vor dem Krieg. Und sie mussten mit Frauen umgehen, die anders waren als jene, die sie verlassen hatten.

Frauen vor!

Rückbetrachtend wird der zweite Weltkrieg nicht selten als „Schlangenei“ des ersten bezeichnet. Nur 21 Jahre liegen dazwischen, nur 15 sind es bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten. Und doch gab es dazwischen eine Zeit, in der diese Konsequenz nicht zwangsläufig, unabänderlich und logisch schien. Eine Zeit, in der sich Freiräume entwickelten und Möglichkeiten vor allem für bisher Benachteiligte.

Hatten beispielsweise Künstlerinnen bisher den Umweg über das Ausland wie Skandinavien oder Paris genommen, wo ihnen schon früher Zugang zu Hochschulen gewährt wurde, öffneten 1919 auch die Deutschen Akademien Studiengänge für Frauen, denen allerdings eher eine Fähigkeit für Gebrauchskunst wie Grafik und Werbung zugestanden wurde als tatsächlich Kunst zu machen.

Trotzdem wurde im gleichen Jahr mit Käthe Kollwitz seit langer Zeit die erste Frau als Lehrende an die Berliner Akademie der Künste berufen. Und in Weimar entstand unter der Leitung des Architekten Walter Gropius (der übrigens darin nie einen Studienabschluss gemacht hatte) das Bauhaus, dessen Satzung – Studierende wurden frei von Geschlecht ausgewählt – damals eine kleine Sensation war, die sehr viele Frauen anzog, aber nicht allen gleichermaßen behagte.

Hugo Erfurth/ gemeinfrei Käthe Kollwitz, 1927

Filmboom und - bis 1920 - keinerlei Filmzensur

Mit der Gründung der Universum Film AG – kurz Ufa – im letzten Kriegsjahr 1917 bildete sich ein schnell wachsendes Filmunternehmen in Berlin, das Frauen nicht nur vor der Kamera gelten ließ, sondern auch als Kamerafrauen, Drehbuchautorinnen, Cutterinnen beschäftigte.

Bis 1920 und dem Lichtspielgesetz bestand keinerlei Filmzensur. Überraschend offene Filme über soziale und gesellschaftliche Probleme entstanden, Themen wie Homosexualität wurden unvoreingenommen beleuchtet und für Verständnis und Offenheit geworben. Mit Unterstützung des Sexualforschers Magnus Hirschfeld drehte der als Aufklärungsfilmer bekannte Richard Oswald den ersten ernsthaften Film über das Thema Homosexualität, der unterstützen und helfen wollte, nicht verteufeln: Anders als die Anderen.

Deutsche Kinemathek/ G.W. Pabst-Archiv Louise Brooks (l.), hier in "Tagebuch einer Verlorenen" (1929), machte nicht nur den Bubikopf populär, sondern hatte auch mal einen One-Night-Stand mit Greta Garbo und würde sich heute wohl als pansexuell bezeichnen

Genderfluidität, das dritte Geschlecht und Lesbenclubs

Hosenrollen kamen in Mode und überhaupt wurde Gender zu etwas weitaus Fließenderem als bisher. Magnus Hirschfeld hatte schon 1901 mit seiner Schrift „Was muss das Volk wissen vom dritten Geschlecht“ und dem 1905 erschienen „Geschlechtsübergänge“ nicht nur in der Sexualforschung für die zunehmend verbreitete Annahme von diversen Zwischenstufen gesorgt. Interessant für die Frauenbewegung aber auch für aufgeklärte Pädagoginnen und Pädagogen, die die streng nach Mädchen und Jungen getrennten Erziehungslehre neu ordnen wollten.

Clubs, Cafés, Varietés und (Nacht-)Lokale boten all jenen einen sicheren Ort, die sich für das gleiche Geschlecht interessierten, mit dem eigenen Genderverständnis spielten oder es wechselten: Mali und Igel, La Garconne, Dorian Gray, Domino, Topkeller, die Damenclubs Skorpion und Violetta, um nur einige zu nennen.

Die offen lesbische Kabarettistin Claire Waldoff machte mit Berliner Schnauze und Liedern wie „Hermann heißt er“ oder „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ von sich reden und den Schlips für Frauen gesellschaftsfähig, wie Marlene Dietrich die Hosen. Deren Duett „Wenn die beste Freundin mit der besten Freundin“ mit Margret Lion wiederum (oder auch als Trio mit Schauspieler Oskar Karlweis) entzündete so einige Fantasien. Jeanne Mammen hielt in ihren Skizzen und Aquarellen gerne das lesbische Leben fest und portraitierte dort gerne Berühmtheiten und das Publikum.

Bundesarchiv/ CC-BY-SA 3.0 Marlene Dietrich, 1933

Starkult und starke Frauenrollen

Das Publikum begann, sich an Berühmtheiten und Stars zu orientieren. Mit dem Aufkommen des Kintopps und der Filmspielhäusern wuchs das Interesse am Starkult explosionsartig. Wurde anfangs noch auf versierte Theaterdarsteller und –darstellerinnen hinabgesehen, die auch „kintoppten“, also in Filmen auftraten, bald hatte sich das erledigt.

Der Großteil der Bevölkerung ging nur zu gerne ins Kino und ließ sich unterhalten: Vor den Filmen von den Wochenschauen, die eine kuriose Zusammenstellung aus Neuigkeiten, Nachrichten und erheiternd seltsamen Einblicke boten. Aber natürlich vor allem von dem abendfüllenden und weitgefächertem Programm: Sozialdramen und Dokumentarfilme über Menschen wie du und ich wie auch exotische Länder und sportliche Höchstleistungen. Komödien und Historisches und Roman- oder Theaterstückverfilmungen – mit Asta Nielsen wurde 1921 beispielsweise die Rolle des Hamlets zu einer weiblichen. Und mit Miss Madge (gespielt von Edith Posca, s.o.) aus der Filmreihe Das Achtgroschenmädel entstand eine starke, weibliche Frauenfigur – eine Detektivin, die mit Witz, Verstand aber auch einer gehörigen Portion Körpereinsatz und Action Fälle löste.

Asta Nielsen als „Hamlet“, 1921

Die Darstellerinnen als Rollenvorbilder

Zunehmend beliebt wurde es, sich wie die filmischen Vorbilder zu kleiden und mit dem Aufkommen der sogenannten Photomatons, sich auch in dieser Verkleidung abzulichten. Das Publikum übernahm Modeerscheinungen wie auch moralische Einstellungen der Hauptfiguren ihrer Lieblingsfilme, die nicht selten mit den Darstellerinnen und Darstellern gleichgesetzt wurden.

Langsam aber sicher entwickelte sich der Film zum Leitmedium. Und langsam aber sicher begannen sich auch vermehrt wieder alte Rollenbilder einzuschleichen und zu verfestigen. Unterstützt von all jenen, denen die weibliche Befreiung dann doch eine Bedrohung auf dem Weg zu einem anders geordneten Deutschland zu sein schien.

Zu erwähnen ist hier beispielsweise der Unternehmer Alfred Hugenberg, Besitzer eines umfassenden Medienkonzerns, der 1927 die Ufa aufkaufte und in dessen Zeitschriften Scherl’s Magazin oder Der Kinematograph Artikel über Kunst und Kultur, Kulturschaffende und Kritiken erschienen. Als Mitbegründer der Deutschnationalen Volkspartei stellte er sein gesamtes Medienunternehmen in den Dienst seiner politischen Überzeugungen, schon bevor er es 1933 an die NSDAP verkaufte.

Ein Schritt vor, zwei zurück

Bereits vor dem ersten Weltkrieg bemühten sich Reformpädagoginnen und –pädagogen darum, Erziehung zu etwas vom Geschlecht Unabhängigen zu machen, um koedukative Schulen, die Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichteten und die Wert auf individuelle Erziehung und Lehre legten. Doch auch hier gab es andere Auffassungen, meist von den männlichen Fachleuten.

Selbst jene, die nicht davon ausgingen, dass anwesende Schülerinnen die Schüler durch ihre pure Teilnahme im Unterricht dazu verführten, sich mehr um sie zu kümmern als um das jeweilige Fach, glaubten oftmals noch ohne zu hinterfragen an „natürliche“ Geschlechtsunterschiede: Logik und Technik für die Jungs, Emotionalität, Weichheit und das Kümmern für die Mädchen. Wie also sollte eine Gesellschaft, die zum großen Teil darauf bestand, bei der nachkommenden Generation weiterhin eine stereotype Einteilung aufrecht zu behalten, dem Typus der „neuen Frau“ Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten?

Und tatsächlich entwickelten sich für jede scheinbar erkämpfte neue Freiheit dazugehörige Grenzen, die dafür sorgten, dass die Rolle der Frau sich nicht zu weit von der bisherigen entfernte, oder auch nur ansatzweise mit der männlichen gleichzusetzen war.

Lilly Reich (Fotograf unbekannt)

Viele Frauen in der Kunst und der Filmbranche blieben namenlos

Nicht wenige Künstlerinnen arbeiteten dementsprechend unter einem männlichen Pseudonym, und wer das nicht tat, wurde von Kritikern kaum erwähnt. Dilettierende „Malweibchen“, ein vom Journalisten und Schriftsteller Fritz von Ostini 1914 geprägter und gerne immer wieder kolportierter Terminus, wurden nicht ernst genommen. Und dass die Beteiligung der Frauen an den Produkten der Männer (wie beispielsweise Lilly Reich und Mies van der Rohe oder Anni und Josef Albers) vermutlich wesentlich höher als ursprünglich ausgezeichnet ist, wurde erst viel später bekannt, Nachweise allerdings gibt es dazu nicht.

Auch im Film ist es eher schwierig, Beweise und Nachweise für die Beteiligung von Frauen hinter den Kulissen zu finden. Anfangs fehlte etwa für Drehbuchschreibende beiderlei Geschlechts nicht selten überhaupt eine Namensnennung, von Kamerakünstlern oder Cutter/ Cutterinnen ganz zu schweigen. Später dann schrieben einige der Frauen unter einem männlichen Alias, andere unterzeichneten im Vorfeld Verträge, in denen sie auf eine Nennung verzichteten. Die Bezahlung war übrigens schon damals nicht gleichwertig war – die meisten Frauen in der Filmbranche erhielten ein Bruchteil des Honorars ihrer männlichen Kollegen und hatten noch einen Zweit- oder Drittjob.

„Mädchen in Uniform“ - ein kleines Wunder im deutschen Kino

Das macht den 1931 erschienenen Mädchen in Uniform (siehe Clip) beinahe zu etwas wie einem kleinen Wunder. Es handelt sich um die Verfilmung eines Theaterstücks von Christa Winsloe, die dazu in Zusammenarbeit mit Friedrich Dammann das Drehbuch und später (alleine) den Roman verfasste. Mit Leontine Sagan zeichnete dafür eine der wenigen noch heute bekannten Regisseurinnen der Weimarer Republik verantwortlich. Eine übrigens vergleichsweise generell sehr weibliche Produktion, die sich, wie uns Kristina Jaspers, Kuratorin der Ausstellung „Kino der Moderne“, verriet, den Produzenten sparte und dessen Einfluss lieber durch gemeinschaftliche Rückstellung aller Honorare in den eigenen Reihen hielt.

Das Ende der Freiheit  - Auswanderung und innere Emigration

Der Film mit lesbischer Thematik wurde zu einem internationalen Erfolg. Auch, nachdem er im nationalsozialistischen Deutschland verboten worden war.

Betrachtet man sich die weiteren Biografien einiger der Beteiligten, lässt sich schnell erkennen, dass die „wilden“ oder auch „freien“ Zwanziger – und damit auch der Typus der neuen Frau - zu dieser Zeit schon am Ende waren: Die Österreicherin Leontine Sagan ging erst nach England und wanderte dann nach Südafrika aus. Christa Winsloe emigrierte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit ihrer damaligen Lebensgefährtin über Italien nach Amerika. Hertha Thiele, die mit der Rolle der Manuela von Meinhardis zu Berühmtheit gelang, weigerte sich im Gegensatz zu ihrem Ehemann, nach 1933 an Propagandafilmen mitzuwirken, ließ sich scheiden, erhielt Berufsverbot und zog in die Schweiz.

Andere Ikonen der Weimarer Republik hatten schon vorher die Zeichen der Zeit erkannt oder zogen sich auf sich selbst zurück: Marlene Dietrich ging mit Regisseur Josef von Sternberg nach Hollywood. Claire Waldoff blieb mit ihrer Lebensgefährtin Olga von Roeder im Land, zog aber nach Bayrisch Gmein an die Österreichische Grenze und ging in die innere Emigration wie auch Jeanne Mammen, deren abstrakt wirkenden Gemälde nach 1933 man den politischen Bruch geradezu anzusehen glaubt.

Doch es gab natürlich auch einige, die sich anpassten und deren Erfolg ohne die Nationalsozialisten kaum denkbar ist wie beispielsweise die Regisseurin Leni Riefenstahl oder auch Lilly Reich, Designerin und Dessauer Werkstattleiterin für Ausbau. Nicht nur entwickelte sie in der Folgezeit etliche Ausstellungskonzepte, sie stand auch im Dienst der paramilitärischen NS-Bautruppe „Operation Todt“.

Claire Waldoff und Olga von Roeder (Fotograf unbekannt)

Die neue - und alte - Rolle der fürsorgenden Mutter kehrte zurück

Spätestens 1933 also waren neue Frauen nicht mehr gefragt oder gar erwünscht, und der rückwärts gerichtete Trend der Frauenrolle wurde ausgerechnet mit jenem Medium zementiert, das nur wenige Jahre vorher für das Gegenteil gesorgt hatte: dem Film.

Dass dieser sich ausgezeichnet zu Propagandazwecken nutzen ließ, war den Verantwortlichen der Reichsfilmkammer, allen voran Joseph Goebbels, schnell klar. Der deutsche Film wurde zu einem Medium der Manipulation. Womit auch die eigenständig denkende und sich aus Begrenzungen befreiende Frau dort ebenso ein Ende fand wie im Alltagsleben.

15 Jahre teilweiser Mitbestimmung und sich Einbringen, Hoffen auf eine weitreichendere Änderung und Gleichberechtigung hatten damit ein Ende. Der Tonfilm war gerade aufgekommen und zog eine unendliche Reihe an Musik-, bzw. Revuefilmen nach sich, Ablenkung für die Massen. Schauspieler und Schauspielerinnen wurden dadurch und dank ihren Auftritten hinter der Front bekannt, andere spielten in sehr viel deutlicheren nationalsozialistischen Filmen, erst zur Mobilmachung der Massen, dann zum Erhalt der Überzeugung weitschweifige Wiederholungen von Durchhalteparolen. Die Frau war nun wieder vornehmlich fürsorgende Mutter – wie beispielsweise in Hitlerjunge Quex.

„Die verlorene Generation“ werden oft jene Kunstschaffenden zwischen den Weltkriegen genannt, deren Karrieren und Leben gewalttätig unterbrochen oder ausgelöscht wurden und deren Gesamtwerk nicht selten ganz verloren ist. Für die Frauen dieser Zeit gilt dies gleich mehrfach. Kein Wunder also, dass sich in den 50ern kaum Anknüpfungspunkte finden ließen – aber das … ist eine andere Geschichte.

Bis 13. Oktober 2019: Ausstellung „Kino der Moderne — Film in der Weimarer Republik“, Deutsche Kinemathek/ Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Straße 2 (am Potsdamer Platz), Berlin, Mi-Mo 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Di geschlossen

 

Simone Veenstra ist neben vielen anderen Dingen auch Schriftstellerin. Ihre letzten Romane „Sind dann mal weg" und „Auf nach nirgendwo!“ sind im Heyne Verlag erschienen

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