L-Mag

"Wir dürfen Reden halten, aber nicht heiraten"

Gestern bekam Carolin Emcke den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In ihrer Rede forderte die lesbische Publizistin Gleichheit für Lesben und Schwule und gab den Politikern mit: „Niemand verliert seine Rechte, wenn sie allen zugesichert werden."

Amrei-Marie, CC-BY-SA Carolin Emcke auf der Leipziger Buchmesse 2012

Von Karin Schupp

l-mag.de, 24.10.2016 – Am gestrigen Sonntag wurde die lesbische Journalistin und Publizistin Carolin Emcke (49) mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. In ihrer Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche, forderte sie dazu auf, sich Hass und Ausgrenzung zu widersetzen, und mahnte in sehr persönlichen Worten die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen an.

Lesbisch zu sein "hat mich glücklich gemacht"

Homosexualität könne man sich nicht aussuchen, sagte sie im Mittelteil ihrer Rede, hätte sie jedoch die Wahl, würde sie sich wieder dafür entscheiden: "Nicht, weil es besser wäre, sondern schlicht, weil es mich glücklich gemacht hat. Als ich mich das erste Mal in eine Frau verliebte, ahnte ich – ehrlich gesagt – nicht, dass damit eine Zugehörigkeit verbunden wäre. Ich glaubte noch, wie und wen ich liebe, sei eine individuelle Frage, eine, die vor allem mein Leben auszeichnete und für andere, Fremde oder gar den Staat, nicht von Belang.“

Wieso ist es für andere so wichtig, wie wir lieben?

Aber doch musste sie die „ausgesprochen merkwürdige Erfahrung“ machen, „dass etwas so Persönliches für andere so wichtig sein soll, dass sie für sich beanspruchen, in unsere Leben einzugreifen und uns Rechte oder Würde absprechen wollen. Als sei die Art, wie wir lieben, für andere bedeutungsvoller als für uns selbst, als gehörten unsere Liebe und unsere Körper nicht uns, sondern denen, die sie ablehnen oder pathologisieren.“

Die Folgen sind bekannt: „Wir dürfen Bücher schreiben, die in Schulen unterrichtet werden, aber unsere Liebe soll nach der Vorstellung mancher Eltern in Schulbüchern maximal ‚geduldet‘ und auf gar keinen Fall ‚respektiert‘ werden? Wir dürfen Reden halten in der Paulskirche, aber heiraten oder Kinder adoptieren dürfen wir nicht?“

"Menschenrechte sind kein Nullsummenspiel"

Ihren rund 1000 Zuhörer, darunter Politprominenz wie Bundespräsident Joachim Gauck, Justizminister Heiko Maas und Kulturstaatsministerin Monika Grütters, gab sie mit auf den Weg, was selbstverständlich sein sollte: „Menschenrechte sind kein Nullsummenspiel. Niemand verliert seine Rechte, wenn sie allen zugesichert werden. Menschenrechte sind voraussetzungslos. Sie können und müssen nicht verdient werden. Es gibt keine Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit jemand als Mensch anerkannt und geschützt wird.“

Kriegsreporterin und LGBT-Aktivistin

Carolin Emcke, die als Journalistin jahrelang aus Krisen- und Kriegsgebieten berichtete, meldet sich häufig zu LGBT-Themen zu Wort, seit sie in ihrem autobiografischen Buch „Wir wir begehren“ (2012) ihr eigenes Coming Out schilderte. Anfang 2014 begleitete sie Thomas Hitzlspergers öffentliches Coming Out, im selben Jahr produzierte mit Angelina Maccarone das LGBT-Videoprojekt Tolerant? Sind wir selber! (K-Word #41), und zuletzt schrieb sie eine emotionale Kolumne zum homophoben Attentat in Orlando. Im Oktober erschien ihr neues Buch "Gegen den Hass" (Fischer Verlag).

Der Friedenspreis, einer der bedeutendsten Preise in Deutschland, wird seit 1950 verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Emcke ist die (erst) neunte Frau, die geehrt wurde. Frühere Preisträgerinnen waren Susan Sontag, Astrid Lindgren und Marion Gräfin Dönhoff. 

Emckes komplette Rede steht zum Nachlesen hier, die gesamte Preisverleihung gibt es hier auf Video.

Videos

L-MAG TV

... mit allen Videos vom L-MAG Youtube-Kanal Hier zum L-MAG TV Kanal




L-MAG.de finde ich gut!

Wir wollen, dass möglichst viele K-Word, unsere News, Filmtipps und internationalen Berichte lesen können.
Die Sichtbarkeit von lesbischen News im Netz ist uns sehr wichtig.
Deshalb werden L-MAG.de und mobil.l-mag.de weiterhin kostenlos bleiben!

Aber guter Online-Journalismus kostet genauso wie guter Print-Journalismus. Allein durch Werbebanner kommt nicht genug Geld rein. Wenn du L-MAG.de und unsere Service-Seiten (wie L-Dating) gut findest und lesbische Online-Inhalte unterstützen willst, kannst du das ganz einfach tun: Spende einmalig 1 Euro oder gleich 10 Euro fürs ganze Jahr.

Vielen Dank! Dein L-MAG-Team

L-MAG.de finde ich gut!

Diese Website verwendet Cookies, Google Analytics und den Adserver Google DFP. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, stimmen Sie dem zu.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK

L-MAG.de finde ich gut!

Wir wollen, dass möglichst viele K-Word, unsere News, Filmtipps und internationalen Berichte lesen können.
Die Sichtbarkeit von lesbischen News im Netz ist uns sehr wichtig.
Deshalb werden L-MAG.de und mobil.l-mag.de weiterhin kostenlos bleiben!

Aber guter Online-Journalismus kostet genauso wie guter Print-Journalismus. Allein durch Werbebanner kommt nicht genug Geld rein. Wenn du L-MAG.de und unsere Service-Seiten (wie L-Dating) gut findest und lesbische Online-Inhalte unterstützen willst, kannst du das ganz einfach tun: Spende einmalig 1 Euro oder gleich 10 Euro fürs ganze Jahr.

Vielen Dank! Dein L-MAG-Team

Nein Danke, möchte ich nicht | Hab schon!

L-MAG.de finde ich gut!
x