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ClexaCon London 2018: Queere Frauen in Film und Fernsehen feiern

In den USA ist ClexaCon bereits ein Riesenerfolg, im November kommt das Event für Fans von weiblichen LGBTQ-Charakteren in TV-Serien und Filmen nach London. Wir unterhielten uns mit den drei Organisatorinnen.

Jeff Hitchcock/ CC-BYNatasha Negovanlis (l.) und Elise Bauman aus der lesbischen Webserie und Film-Fortsetzung "Carmilla" sind ClexaCon-Stammgäste und auch in London dabei

Von Karin Schupp

23.9.2018 - Seit 2017 feiern die Fans von LGBTQ-Charakteren in Serien und Filmen ihre Stars beim Fantreffen ClexaCon in Las Vegas, im November kommt das Event erstmals auch nach London (3./4. Nov.).

In den USA lässt sich tatsächlich aus dem Vollen schöpfen – die meisten Lesbenfilme kommen aus den Staaten, derzeit laufen dort über 80 Serien mit lesbischen und bisexuellen Frauenfiguren, auch etliche bereits beendete Serien haben immer noch große Fangemeinden.

Was das Gäste-Aufgebot angeht, ist der europäische Ableger allerdings bedeutend kleiner als das US-Event, auf dem sich die Promis nur so die Klinke in die Hand drücken, und einige der Schauspielerinnen dürften außerhalb ihrer britischen Heimat weitgehend unbekannt sein.

Aber ClexaCon* ist mehr als Promi-Gucken. Geboten werden auch Podiumsdiskussionen, etwa zur Darstellung von Bisexualität oder Butches in den Medien, über Fanfiction und die Inszenierung von Sexszenen (mit I Cant’t Think Straight-Regisseurin Shamim Sarif), und Workshops für angehende Autorinnen, Filmemacherinnen und YouTuberinnen. Ganz zu schweigen von der Gelegenheit, Gleichgesinnte aus ganz Europa zu treffen und neue Fangemeinden kennen zu lernen.

Aber lassen wir die drei Clexa-Con-Organisatorinnen Holly Winebarger, Ashley Arnold, and Danielle Jablonski einfach selbst erzählen.

 

Verratet uns mal ein bisschen was über euch. Was ist euer Hintergrund, und welcher Fangemeinde gehört ihr selbst an?

ClexaCon wird von LGBTQ-Frauen organisiert. Beruflich kommen wir aus unterschiedlichen Bereichen, unter anderem Marketing, Eventproduktion und Non-profit Manangement. Unser erweitertes Team besteht aus queeren Frauen aus den USA und Großbritannien, die hauptberuflich in allen möglichen Branchen wie Technologie, Medizin oder Bildung arbeiten und ihre Freizeit opfern, um ClexaCon möglich machen. Persönlich sind wir Fans von vielen TV-Serien, Animation und Videogames.

Wie kamt ihr auf die Idee, ClexaCon zu gründen? Was ist euer Ziel?

In der TV-Saison 2016/ 2017 wurde eine unglaublich große Anzahl an weiblichen LGBTQ-Charakteren aus Fernsehserien geschrieben, und oft starben sie nach dem klassischen Muster „Bury Your Gays“*. Wir fanden deshalb, dass dringend ein Ort nötig ist, an dem Fans die Serien mit LGBTQ-Frauen, die sie lieben, feiern können. An dem sie darüber sprechen können, warum unsere Stories im Fernsehen und Kino oft so schlecht behandelt werden, und was wir tun können, um das zu ändern. Dazu gehört auch, dass wir einen sicheren, offenen, fröhlichen und unterstützenden Ort bieten wollen, an dem sich LGBTQ Frauen, trans, nonbinäre und genderqueere Menschen treffen, diskutieren und ihr Lieblings-Fandom* feiern können.

ClexaCon Die ClexaCon-Gründerinnen Holly Winebarger, Ashley Arnold, and Danielle Jablonski (v.l.n.r.)

Was sind die Highlights von ClexaCon London?

Wir freuen uns darauf, einige US-amerikanische auch einige britische Schauspielerinnen und Autorinnen zu begrüßen. Weil es ein viel kleineres Event [als Las Vegas] ist, hoffen wir, dass alle Teilnehmenden die Gäste treffen werden, die sie kennen lernen wollen. Zu den Höhepunkten gehören einige unsere Lieblingsschauspielerinnen, die auch in Las Vegas dabei waren, außerdem wird Jamie Clayton von Sense8 zum ersten Mal zu Gast sein, es gibt eine Bustour durch London und ein Screening zum 10. Geburtstag von I Can’t Think Straight von Shamim Sarif und Hanan Kattan, die mit der Hauptdarstellerin Sheetal Sheth anwesend sein werden.

Einige werden ein bisschen enttäuscht sein, dass ClexaCon nicht dieselbe riesige und beeindruckende Gästeliste hat wie euer Event in Las Vegas. Könnt ihr die Gründe dafür erklären?

Wir sehen ClexaCon London als Pop-Up-Veranstaltung und intimere Version für Besucherinnen aus London und Europa und vor allem denjenigen, die nicht so einfach nach Las Vegas reisen können. Zu kleineren Veranstaltungen können allerdings nicht so viele Gäste eingeladen werden. Es ist schwierig, das Line-up eines US-Events mit über 4000 Teilnehmenden mit einem viel kleineren Event zu vergleichen. Wir selbst sind aber schon sehr gespannt darauf zu erfahren, wie in Europa die Stories von LGBTQ-Frauen erzählt werden, wo es Unterschiede zu den USA gibt, und wie wir uns und LGBTQ-Autor_innen in aller Welt unterstützen können.

Was habt ihr nach zwei Jahren ClexaCon über das LGBTQ-Fandom gelernt?

LGBTQ-Frauen sind leidenschaftliche Mediennutzerinnen und wollen sich in den Medien unbedingt gut repräsentiert sehen. Und wir sind auch leidenschaftlich, was unsere Fandoms und unsere Community angeht. Es ist toll zu sehen, wie so viele Menschen zusammenkommen, um unsere Lieblingsserien und –filme zu feiern und Teil eines großen Treffens von LGBTQ-Frauen und Verbündeten mit gemeinsamen Interessen zu sein.

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Nach ClexaCon London kommt wieder ClexaCon Las Vegas (11.-14.2019). Außerdem bieten wir zusammen mit YouTube Räume, in denen Leute, die Content für LGBTQ-Frauen schaffen, von Menschen aus der Branche lernen und sich mit anderen vernetzen können.

ClexaCon London, 3./4. Nov. 2018, Tickets ab 150 US-$ (ohne Übernachtung; Autogramme, Fotos und Meet & Greets kosten extra), alle Informationen stehen hier.

 

*ClexaCon: Der Name der Convention leitet sich von dem Frauenpaar "Clexa" - Clarke und Lexa - in The 100 ab. Lexas Tod im März 2016 löste einen lesbischen Aufschrei aus, der weit über die Grenzen der Science Fiction-Serie hinausging (siehe K-Word #161) und zu Fan-Initiativen wie "LGBT Fans Deserve Better" und Diskussionen in den Mainstream-Medien und letztlich auch in der TV-Branche führte.

* Bury Your Gays: Ein klassisches Muster, das zunächst in Filmen üblich war: Ein homosexueller Charakter muss sterben - damals als „verdiente Strafe“, heute häufig, um die Entwicklung einer anderen, heterosexuellen Figur voranzubringen. Dahinter steckt meist auch das eindimensionale Denken von Drehbuchautoren: Sie wissen mit dieser Figur nichts mehr anzufangen, nachdem sie eine LGBTQ-Storyline mit ihr erzählt haben.

* Fandom: Die Fangemeinde einer TV-Serie, eines Films, eines Comics o.ä. Zu finden ist sie unter Hashtags und auf eigenen Seiten in den Sozialen Medien, der harte Kern schreibt Fan-Fiction (Geschichten mit ihren Lieblings-Charakteren), stellt Fan-Art (Bilder u.ä.) her und besucht Fan-Conventions.

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