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CSD 2020: Runter von den Straßen - zurück in die Unsichtbarkeit

In diesem Jahr finden der CSD hauptsächlich im Netz statt. Virtuelle Prides zu Coronazeiten? Warum ein „Christopher Online Day“ nicht funktioniert. Ein Kommentar von L-MAG-Chefredakteurin Manuela Kay.

Mimski Fotografie Der CSD Leipzig - in diesem Jahr leider nur als Livestream

Von Manuela Kay

24.6.2020 - CSD im Internet? Anders als beim „Pride“ steht „Straße“ hierzulande ja sogar im Namen: Christopher STREET Day. Ein altes Motto der Schwulenbewegung hieß: „Raus aus den Klappen, rein in die Straßen“. Seinerzeit trafen sich Schwule oft nur auf öffentlichen Klos, waren aber sonst weder für die Heterowelt noch füreinander sichtbar.

Letztes Jahr wurde weltweit 50 Jahre Stonewall gefeiert, der Urknall der modernen LGBTI*-Bewegung, der – wir erinnern uns – eine STRASSENschlacht war. Und nur dieser Akt, raus aus der Bar, rein in die STRASSE – sichtbar, fühlbar und fotografierbar für die Nachwelt – löste diesen besagten Urknall aus.

Nun wurden aus den bekannten Gründen Großveranstaltungen und sämtliche CSDs abgesagt. Da kommen wir nicht drum herum, egal wie man die Maßnahmen nun einschätzt. Stattdessen finden ein „Global Pride“ (27. Juni, wir berichteten) und virtuelle CSDs - etwa in Leipzig am 18. Juli und Berlin am 25. Juli - statt. Allzu schnell und brav haben viele CSD-Orgas ganz im Stile der neuen Quarantäne-Biedermeier nachgeplappert, was Politiker vorgesagt haben. Sie verlegen – vielerorts sicher mit schwerem Herzen – den CSD ins Internet.

Pride bedeutet Sichtbarkeit und Aneignung des öffentlichen Raums

Dabei wird so getan, als sei das fast das Gleiche. Tatsächlich ist es aber das Gegenteil voneinander. Das Wesen unserer Prides ist es, sich den öffentlichen Raum anzueignen, in dem wir so oft nicht wahrgenommen oder aus dem wir verdrängt werden. Auch wer (zu Recht) meckert, wie kommerziell verkommen alles ist, muss zugeben: nichts kann das wunderbare Gefühl aufwiegen, mit vielen feiernden Menschen, mit denen man sich zumindest für wenige Stunden in einem Boot fühlt, die Straße zu beherrschen. Sichtbar zu sein für andere, die sich allein mit ihrer sexuellen Identität fühlen. Sichtbar sein für jene, die uns hassen. Und für Kameras, damit wir in Nachrichten und Zeitungen vorkommen.

All das ist CSD. Das kann kein Streaming, zu dem sich nur die einloggen, die eh Bescheid wissen. Klar, wer den CSD als Selbstzweck und für Sponsoren organisiert, für den geht‘s auch online. Für alle anderen müssen Ideen her! Oder: Halten wir einen Sommer ohne LGBTI*-Sichtbarkeit aus? Die viel beschworene Community ist gefordert, denn die CSD-Organisationen können die Welt nicht allein neu erfinden. Im Geiste Stonewalls sollten wir uns erinnern, was dieser Aufstand, war: Widerstand gegen Regeln, Staatsmacht und Konventionen, bei dem viele eine Menge mehr riskierten als den heute üblichen Kater nach einer CSD-Demo.

Infos zum Global Pride am 27. Juni: globalpride.org und Facebook

Infos zum Livestream des CSD Leipzig (18. Juli) hier, zum CSD Berlin (25. Juli) hier.

 

Und in Berlin und Köln gibt's nun doch einige Straßen-Demos:

Pride Berlin, Sa, 27. Juni, ab 12 Uhr,vom Nollendorfplatz zum Alexanderplatz. Die von Privatleuten organisierte Demo hat ein strenges Hygienekonzept.  Infos auf Facebook und bei unserer Schwesterzeitschrift Siegessäule. Auch der Dyke* March Berlin beteiligt sich mit einem DYKE* PRIDE BLOCK, erkennbar am roten Banner.

Köln, So, 28. Juni, 14 Uhr, Hauptbahnhof:Das Stonewall Komitee Köln ruft zum „kämpferischen und unabhängigen Pride“ auf (Infos auf Facebook)

Dyke March Cologne, Sa, 4. Juli, 18 Uhr, Neumarkt (Infos auf Facebook)

Köln: „Colours of Change“, So, 5. Juli, 15-17 Uhr, Rudolfplatz, Kundgebung gegen Rassismus und Diskriminierung wegen sexueller Orientierung und Genderidentität 

Dyke* March Berlin, Sa, 25. Juli, 15 Uhr, vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor

Eine täglich aktualisierte Liste zu den abgesagten und stattfindenden CSD-Terminen in Deutschland steht hier.

 

 

 

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